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Erde|Umwelt

Fledermäuse: Batmobil mit Tempomat

Rauhautfledermaus
Eine Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) im Flug (Bild: Christian Giese)

Im Frühjahr und Herbst ziehen nicht nur die Zugvögel in großen Scharen durch Europa – auch die Rauhautfledermäuse fliegen jedes Jahr mehr als tausend Kilometer weit. Wie sie diese Langstreckenflüge durchhalten und wie schnell sie dabei fliegen, haben nun Biologen erstmals aufgeklärt. Das faszinierende Ergebnis: Die Fledermäuse fliegen wie mit einem inneren Tempomat gesteuert. Ihre Fluggeschwindigkeit ist dabei verblüffend effizient und energiesparend eingestellt.

Die Rauhautfledermäuse (Pipistrellus nathusii) leben den Sommer über vor allem in Nord- und Osteuropa. Dort kann man sie oft in alten, lichten Wäldern oder beim Flattern über Waldlichtungen beobachten. Denn in diesen Wäldern jagen die Fledermäuse nach ihrer Insektenbeute und dort ziehen sie auch ihre Jungen groß. Dafür nisten sie in Baumhöhlen, verschmähen aber auch Fledermauskästen oder Öffnungen in Dächern oder Fassaden von Gebäuden nicht. Im Herbst jedoch ziehen die fliegenden Kleinsäuger in großen Schwärmen in wärmere Gefilde – in ihre Winterquartiere in Mittel- und Südeuropa.

Flattern im Windkanal

Obwohl diese Fledermauswanderung an der Ostseeküste jedes Jahr für spektakuläre Anblicke sorgt, ist über die Migration dieser Tiere bisher kaum etwas bekannt. Weder die genauen Flugrouten noch das Flugtempo und die pro Tag zurückgelegten Distanzen kennen Biologen bisher. Um mehr Klarheit über die Migration der Rauhautfledermäuse zu erlangen, haben nun Sara Troxell vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin und ihr Team einen Aspekt näher untersucht: Sie wollten wissen, wie schnell die Fledermäuse fliegen und wie sie sich ihre Energie für den langen Flug einteilen.

Für ihre zweiteilige Studie testeten die Forscher zunächst das Flugverhalten der Tiere in einem Windkanal. Eine spezielle Atemkammer ermöglichte es ihnen, den Sauerstoffverbrauch und die Menge an Kohlenstoffisotopen in der Atemluft der Fledermäuse zu messen. Daraus konnten die Wissenschaftler ermitteln, wie hoch die Stoffwechselrate und damit der Energieverbrauch bei verschiedenen Fluggeschwindigkeiten ist. Die Messungen ergaben: Wenn die Fledermaus mit einem Tempo von 7,5 Meter pro Sekunde, beziehungsweise 27 Kilometer pro Stunde, fliegt, ist sie am effizientesten. Sie erreicht dann das beste Verhältnis von Energieverbrauch und zurückgelegter Strecke, wie die Forscher berichten.

Migration mit idealem Tempo

Die große Frage war nun, wie schnell die Fledermäuse auf ihren Wanderzügen fliegen: Würden sie dieses optimale Flugtempo einhalten? Um das herauszufinden, fuhren Troxell und ihre Kollegen im Herbst an die lettische Ostseeküste. Dort führt einer der Migrationskorridore der Rauhautfledermäuse entlang. Über die von den Fledermäusen ausgestoßenen Echoortungsrufe verfolgten die Wissenschaftler die Flugbahn der Tiere und errechneten ihre Fluggeschwindigkeit.

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Das Ergebnis: „Unsere Studie belegt, dass die beobachteten Fluggeschwindigkeiten genau zu den berechneten Idealwerten passen. Die Fledermäuse fliegen genau mit jener Geschwindigkeit, die sie am energieeffizientesten über lange Strecken trägt“, berichten Troxell und ihre Kollegen. Als hätten sie einen inneren Tempomat, passen die Tiere ihr Flugtempo so an, dass sie die lange Strecke optimal mit ihren Energiereserven haushalten können. Dadurch können sie weite Strecken mit minimalem Energieaufwand zurücklegen.

Wie die Forscher ausrechneten, benötigen die Rauhautfledermäuse für ihren gut 2000 Kilometer langen Weg zwischen Nordosteuropa und ihren Winterquartieren in Südfrankreich mindestens zwölf Tage und verbrauchen dabei rund 300 Kilojoule. Doch ihre genauen Flugrouten und auch die Flugstunden und zurückgelegten Distanzen pro Nacht sind noch unbekannt. „Wir müssen noch weiter über das Zugverhalten von Fledermäusen forschen, unter anderem auch um sie besser vor den Gefahren, zum Beispiel an Windkraftanlagen, schützen zu können“, sagt Troxells Kollege Christian Voigt.

Quelle: Forschungsverbund Berlin e.V.; Fachartikel: Journal of Experimental Biology, doi: 10.1242/jeb.176396

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