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Erde|Umwelt

Früheres Frühjahr durch Nachtlicht

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Nächtliches Licht durch unsere Beleuchtung beeinflusst auch die Bäume (Foto: lakkot/iStock)
Unser künstliches Licht macht die Nacht vielerorts zum Tage. Das jedoch hat nicht nur Folgen für unsere innere Uhr und unsere Gesundheit, auch Tiere und Pflanzen werden durch dieses Störlicht beeinflusst. Jetzt zeigt eine Langzeitstudie: Sogar der Zeitpunkt, wann unsere Laubbäume im Frühjahr ausschlagen, verlagert sich unter Kunstlichteinfluss nach vorn. Steht ein Baum an einem von Nachtlicht geprägten Standort, bildet er im Frühjahr rund sieben Tage früher die ersten grünen Spitzen.

Licht ist einer der wichtigsten Zeitgeber der Natur: „Die meisten Organismen haben sich über Millionen Jahre hinweg unter dem vorhersehbaren Zyklus von Tag und Nacht entwickelt“, erklären Richard ffrench-Constant von der University of Exeter und seine Kollegen. Tiere nutzen den im Jahresverlauf wechselnden Rhythmus als Anzeiger für Brut-oder Balzzeiten, für viele Pflanzen liefert die Tageslänge neben der Temperatur im Frühjahr das Signal, wann sie neue Blätter bilden oder beginnen zu blühen. „Eichen nutzen beispielsweise sowohl die Temperatur als auch die Tageslänge, um die Länge ihrer Wachstumssaison zu maximieren, und gleichzeitig das Risiko für Frostschäden gering zu halten“, so die Forscher. Vom Ausschlagen der Bäume wiederum hängt das Timing vieler auf ihnen oder von ihnen lebender Tiere ab. Doch in vielen dicht besiedelten Gebieten überdeckt und stört unser künstliches Licht längst den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus. Gerade erst ergab der aktuelle Atlas der Lichtverschmutzung, dass gut 80 Prozent der Weltbevölkerung unter einem lichtverschmutzten Himmel lebt, in einigen Ballungsgebieten kennen Mensch, Tier und Pflanzen schon gar kein richtiges Nachtdunkel mehr.

Bäumen auf die Knospen geschaut

Wie sich die nächtliche Lichtverschmutzung auf das Timing von Bäumen auswirkt, haben ffrench-Constant und seine Kollegen nun untersucht. Für ihre Studie nutzten sie die Methode des Citizen Science: Sie baten freiwillige Helfer in ganz Großbritannien in den Jahren von 1999 bis 2011 darum, jeweils zu notieren, wann Stieleiche, Rotbuche, Bergahorn und Esche im Frühjahr begannen, ihr erstes Grün an den Knospen zu zeigen. Um die Lichtverschmutzung an den jeweils georeferenzierten Standorten der Bäume zu bestimmen, verwendeten die Forscher hochauflösende Nachtlichtaufnahmen von Satelliten. Weil auch die Temperatur den Zeitpunkt des Ausschlagens der Bäume beeinflusst, erstellten sie zudem auf Wetterstationen beruhende Temperaturkarten mit fünf Kilometer Auflösung.

Das Ergebnis: Bei drei der vier Baumarten gab es einen deutlichen und signifikanten Effekt des künstlichen Nachtlichts. Je heller ihre Umgebung war, desto früher bildeten Stieleiche, Rotbuche und Esche im Frühjahr das erste Grün. Bei der Esche lagen zwischen den dunkelsten und den hellsten Standorten im Mittel sieben Tage, wie die Forscher berichten. Wie sie betonen, besteht dieser Zusammenhang unabhängig vom Einfluss der Temperatur. Selbst wenn man den Wärmeeffekt städtischer Umgebungen herausrechne, bleibe der Einfluss des Lichts nachweisbar. Nur der Bergahorn, die Baumart, die am frühesten ausschlägt, zeigte weniger deutliche Lichteffekte.

„Diese Ergebnisse bestätigen zum ersten Mal und auf nationaler Ebene einen Zusammenhang zwischen künstlichem Nachtlicht und dem Zeitpunkt des Ausschlagens bei Laubbäumen“, so ffrench-Constant und seine Kollegen. Demnach beeinflusst der Mensch inzwischen nicht nur indirekt durch den Klimawandel den Beginn des botanischen Frühlings, sondern auch direkt durch seine künstliche Beleuchtung, die vielerorts die Nacht zum Tage macht. „Unsere Ergebnisse für die Bäume deuten darauf hin, dass kleinere Pflanzenarten, die unter der Ebene der Straßenlaternen wachsen, sogar noch viel stärker betroffen sein könnten“, sagt ffrench-Constant. Denn diese bekommen in der Regel noch mehr direktes Nachtlicht ab als die größeren Bäume. „Unsere Daten unterstreichen die Notwendigkeit, den Einfluss der künstlichen Beleuchtung auf die Phänologie und die Beziehungen von Arten untereinander weiter experimentell zu untersuchen“, so der Forscher.

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Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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