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Erde|Umwelt

Fund im Auwald: Seltene Insektenart wiederentdeckt

Mückenhaft
Diese extrem seltene Mückenhaft wurde im Leipziger Auwald entdeckt. (Bild: Lisa Hahn)

Im Leipziger Auwald haben Biologen ein Insekt entdeckt, das in Deutschland lange als ausgestorben galt: die Mückenhaft (Bittacus hageni). Das schnakenähnliche Insekt war 130 Jahre lang verschollen und wurde seither nur ein einziges Mal im Harz gefunden. Jetzt ist ein Exemplar dieses Tieres einer Leipziger Biologiestudentin durch Zufall ins Netz gegangen. Es ist der erste Nachweis dieser Art in Ostdeutschland und bestätigt die große Bedeutung des Auwalds für die Artenvielfalt.

Der Leipziger Auwald ist trotz seiner Nähe zur Großstadt ein Hotspot der Biodiversität. In diesem feuchten, heute von Harthölzern wie Esche, Ahorn und Eiche dominierten Waldgebiet kommen viele Tier- und Pflanzenarten vor, die im restlichen Mitteleuropa selten geworden sind. Mit einer Größe von rund 2500 Hektar gehört der Leipziger Auwald zu den größten noch erhaltenen Auwaldbeständen in Mitteleuropa. Unter anderem deshalb führen hier Biologen der Universität Leipzig und des Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) regelmäßig Forschungen durch.

Zufallsfang bei einer Exkursion

Der aktuelle Fund war jedoch weniger das Ergebnis gezielter Suche als vielmehr reiner Zufall: Entdeckt hat das Insekt eine Studentin der Universität Leipzig bei einer Exkursion in das Auwaldgebiet. Dabei fangen die Studierenden mithilfe von Netzen auch Insekten, um die Methodik und die Artbestimmung zu üben. Der Studentin ging dabei ein zartes, mit ihren langen Flügeln und Beinen an eine Schnake erinnerndes Insekt ins Netz. „Als ich sah, was sie gefunden hatte, war mir gleich klar, dass es sich um etwas ganz Besonderes handeln musste und schickte sofort Bilder an meine Kollegen“, erzählt Exkursionsleiterin Lisa Hahn.

Die Begutachtung der Aufnahmen bestätigte ihre Vermutung: Das Insekt entpuppte sich als ein weibliches Exemplar der Mückenhaft (Bittacus hageni). Diese rund zwei Zentimeter langen Vertreter der Schnabelfliegen sind Lauerjäger, die Mücken und andere kleinere Insekten fangen. Bittacus hageni ist eine von nur zwei in Europa heimischen Arten dieser Gattung und auf dem gesamten Kontinent extrem selten. In Deutschland galt sie über 130 Jahre lang als ausgestorben, bis dann ein Göttinger Zoologe im Jahr 2003 ein Exemplar am Rand des Harzes entdeckte. Weitere Funde blieben aber aus.

Erster Nachweis für Ostdeutschland

Die Entdeckung der Mückenhaft in Leipzig ist daher ein absoluter Glücksfall. „Es ist sehr schwierig und ein glücklicher Zufall, diese Art nachzuweisen, da sie extrem versteckt lebt und nur vereinzelt vorzukommen scheint“, sagt Detlef Bernhard von der Universität Leipzig. Durch gezielte Nachsuche gelang es Hahn, im Leipziger Auwald sogar noch zwei weitere Exemplare der Art aufzuspüren. Diese Funde sind der erste Nachweis dieser Spezies in Ostdeutschland. Die Wissenschaftler wollen diese Chance nutzen, um erstmals auch einen genetischen Fingerabdruck dieser Insektenart zu erstellen. Indem die charakteristischen Genmarker dieser Spezies dann in den DNA-Datenbanken zugänglich sind, erleichtert dies die Zuordnung künftiger Funde.

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Nach Ansicht der Wissenschaftler unterstreicht die Entdeckung der Mückenhaft auch, wie wichtig naturnahe Lebensräume wie die Auwälder für die Artenvielfalt sind. „Dieser Fund bestätigt auch die herausragende Bedeutung des Leipziger Auwalds als Refugium für bedrohte Arten und besonderen Lebensraum in Europa, den es unbedingt in seiner jetzigen Größe und Ausprägung zu erhalten gilt“, sagt Bernhard.

Quelle: Universität Leipzig; Fachartikel; Entomologische Nachrichten und Berichte 65, 2021/3

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