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HEILIGER GRAL FÜR BSE

Der Tiermediziner Bertram Brenig verbesserte seit 2005 den „Göttinger Lebendtest“: Er soll eine Prionen-Infektion schon früh in noch gesund wirkenden Tieren aufspüren.

IN ANGST UND SCHRECKEN hat sie vor zehn Jahren Europa versetzt: die Seuche BSE (Bovine Spongiforme Enzephalopathie). Es galt als sicher, dass der „Rinderwahn“ auch Menschen befallen kann – durch den Verzehr von infiziertem Fleisch. Um die Verbraucher zu schützen, wurden BSE-Schnelltests eingeführt: Alle Rinder, die bei der Schlachtung mehr als zwei Jahre alt waren, wurden auf die krankheitsauslösenden Prionen untersucht. „In der Hochzeit der BSE-Krise hatten wir 2,8 Millionen Tests im Jahr“, erinnert sich Martin Groschup. Er leitet am Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems das Institut für neue und neuartige Tierseuchenerreger. Das große Problem dabei: Die Schnelltests konnten erst nach der Schlachtung eingesetzt werden und funktionierten nur bei Tieren kurz vor dem Ausbruch der Krankheit. Eine Früherkennung war nicht möglich.

Als „Heiliger Gral“ der BSE-Forschung galt es seitdem, einen BSE-Lebendtest zu finden: Man wollte die Rinder schon vor der Schlachtung und auch im jüngeren Alter auf die gefährlichen Prionen testen. Ein extrem schwieriges Vorhaben – denn, so Groschup: „Der BSE-Erreger ist vor dem Ausbruch der Krankheit an das Zentrale Nervensystem des Rindes gebunden. Er ist dann in einem bestimmten Darmbereich, dem distalen Ileum, zu finden, aber weder im Blut noch in peripheren Geweben.“ Bis heute gibt es laut Groschup noch keinen BSE-Lebendtest für Rinder, „auf den ich mich verlassen würde“.

Eine Meinung, die Forscherkollege Bertram Brenig vom Tierärztlichen Institut der Universität Göttingen ganz und gar nicht teilt. Schon 2005 hatte er den „Göttinger Lebendtest“ vorgestellt. Dieser Test weist nicht die Prionen selbst nach, sondern kleine DNA-Stücke im Blutserum. Brenig und sein Team hatten entdeckt, dass frei im Blut schwimmende kleine Nukleinsäuren sich spezifisch verändern, wenn der Körper einer Prionen-Infektion ausgesetzt ist. War das der lang ersehnte BSE-Lebendtest? Kritische Stimmen ließen nicht lange auf sich warten: Der Göttinger Lebendtest identifiziere zu viele gesunde Tiere als krank. Brenig kontert diesen Vorwurf: „Wir haben das Verfahren in den vergangenen Jahren immer weiter verbessert und erreichen heute eine 98- bis 99-prozentige Sensitivität.“

Zusammen mit dem Friedrich-Loeffler-Institut plant Brenig derzeit eine weitere Studie, die unter anderem die Spezifität des Tests auf die Nukleinsäuren nachweisen soll. Schließlich soll der Göttinger Lebendtest BSE-erkrankte Tiere nicht nur von gesunden unterscheiden können, sondern auch von Rindern mit anderen Infektionskrankheiten des Gehirns. Nach Abschluss der Studie soll der Test dem Zulassungsverfahren unterzogen werden. Ob der Göttinger Lebendtest dann überhaupt noch gebraucht wird, ist allerdings zweifelhaft. Denn im Juli 2010 erklärte EU-Verbraucherkommissar John Dalli: „Die Rinderseuche BSE ist in Europa nahezu ausgerottet.“ 2009 sei in der Europäischen Union bei keinem einzigen Rind mehr BSE nachgewiesen worden.

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Paradoxerweise könnte genau darin eine neue Chance für Brenigs Lebendtest liegen. „BSE ist primär dadurch bekämpft worden, dass in Deutschland und der EU ab 2001 ein Tiermehl-Fütterungsverbot an Säugetiere umgesetzt wurde“, erklärt Groschup. Doch angesichts der fast vollständigen Ausrottung der Seuche will die EU-Kommission die strengen Sicherheitsvorschriften nun wieder lockern: Bauern dürfen künftig wohl wieder Rindermehl an Schweine und Hühner verfüttern. „Dadurch steigt vielleicht wieder das Interesse am Lebendtest“, hofft Brenig. Der hätte nämlich den großen Vorteil, eine – eventuelle – erneute Zunahme der BSE-Fälle rechtzeitig aufzuspüren. Nadine Eckert ■

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