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Geruchssinn

Hunde erschnüffeln Stress

Einer der Versuchshunde schnüffelt an einer Atem- und Schweißprobe eines Probanden. © Kerry Campbell, CC-BY 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/)

Mein Hund spürt, wie es mir geht, sagen viele Halter. Dies könnte mit einem feinen Näschen der Vierbeiner für das menschliche Befinden zu tun haben, geht aus einer aktuellen Studie hervor: Hunde können zwischen Geruchsproben von entspannten oder leicht gestressten Menschen unterscheiden, zeigen die Experimente. Die Ergebnisse werfen weiteres Licht auf die komplexe Tier-Mensch-Beziehung und könnten der Ausbildung von Therapiehunden zugutekommen, sagen die Forscher.

Für uns stehen Sehen und Hören im Vordergrund – doch für den „besten Freund“ des Menschen spielt bekanntlich der Geruchssinn eine vergleichsweise wichtige Rolle bei der Wahrnehmung: Die Sensibilität der Hundenase ist legendär. In den letzten Jahren haben Forscher sogar das medizinische Potenzial von Spürhunden aufgezeigt: Sie können verschiedene Krankheiten des Menschen am Geruch erkennen. Die Tiere nehmen dabei flüchtige organische Verbindungen wahr, die der Körper unter den speziellen Umständen abgibt.

Frühere Studien haben auch bereits Hinweise darauf geliefert, dass die Tiere emotionale Zustände des Menschen riechen können. So wurde etwa gezeigt, dass sie auf Geruchsproben aus Angstsituationen mit auffälligen Verhaltensweisen reagieren. Diese Befunde sowie die subjektiven Erfahrungen von Haltern wollten die Forscher um Clara Wilson von der Queen’s University Belfast nun durch einen eindeutigeren Versuchsansatz untermauern. Er basiert auf einem Konzept, das auch für den Nachweis von Erkrankungen durch den Geruchssinn von Hunden eingesetzt wird.

Experimentellem Stress schnüffelnd auf der Spur

Für die Studie sammelten die Forscher Atem- und Schweißproben von 36 Freiwilligen. Sie wurden sowohl vor als auch nach einem Experiment genommen, das oft in der Forschung zur Auslösung von mildem Stress eingesetzt wird: Die Probanden sollten unter Zeitdruck Kopfrechenaufgaben lösen. Um die dadurch ausgelöste emotionale Belastung neben den persönlichen Einschätzungen der Studienteilnehmer auch physiologisch nachzuweisen, wurden dabei die Pulsfrequenz und der Blutdruck erfasst. Nur die Proben von Probanden, bei denen sich diese Werte deutlich erhöht hatten, wurden dann im Rahmen der Studie weiterverwendet.

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Zunächst trainierten Wilson und ihre Kollegen vier Hunde unterschiedlicher Rassen mittels Belohnungen darauf, die Stressproben von Leerproben ohne Atem oder Schweiß zu unterscheiden und den jeweils richtigen Probe-Behälter anzuzeigen. In Phase zwei wurden dem jeweiligen Tier die Stressprobe, sowie die stressfreie Probe desselben Teilnehmers und eine Leerprobe in einer Reihe von Testgefäßen präsentiert. Aus diesen drei unterschiedlichen Kategorien sollten „Treo“, „Fingal“, „Soot“ und „Winnie“ dann erneut die Stressprobe korrekt erschnüffeln.

Menschen riechen gestresst

Wie die Wissenschaftler berichten, konnten die Versuchstiere diese Unterscheidungsaufgaben recht souverän meistern: Bei insgesamt 720 Versuchsdurchläufen lagen die Hunde im Durchschnitt in rund 94 Prozent der Fälle richtig. Die individuelle Trefferquote der einzelnen Tiere lag dabei bei 90 bis 97 Prozent. Aus den Ergebnissen geht somit hervor, dass die physiologischen Prozesse, die mit einer Stressreaktion verbunden sind, Veränderungen in den flüchtigen organischen Verbindungen im menschlichen Schweiß beziehungsweise der Atemluft hervorrufen, die für Hunde feststellbar sind, resümieren die Forscher. Offenbar reicht dafür auch schon eine vergleichsweise geringe Stressbelastung aus. „Und dies gilt auch, wenn es sich wie in unserem Versuchsansatz um Menschen handelt, die den Hunden unbekannt sind“, sagt Wilson.

Die Ergebnisse tragen nun zum Verständnis der Mensch-Hund-Beziehung bei und könnten auch eine praktische Bedeutung haben, sagen die Forscher: Sie könnten in die Beurteilung und Ausbildung von Therapiehunden einfließen, die Menschen mit Beeinträchtigungen wie der posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) emotional unterstützen sollen. „Es handelt sich um die erste Studie dieser Art, die belegt, dass Hunde keine visuellen oder akustischen Hinweise brauchen, um menschlichen Stress wahrzunehmen. Dass sie in der Lage sind, den Zustand allein anhand von Geruchssignalen zu erfassen, könnte eine nützliche Information für ihren therapeutischen Einsatz sein“, so Wilson.

Quelle: Queen’s University Belfast, Fachartikel: PLoS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0274143

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