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LifeGate

Interaktive Karte zeigt Vielfalt des Lebens

LifeGate
Startbild der interaktiven LifeGate-Website.© LifeGate

Welche Orte liegen in der Nähe von Berlin, wie nah sind sich London und Paris und wer ist der nächste Verwandte des Erdmännchens? Während es für die ersten beiden Fragen schon länger Tools wie Google Maps gibt, war die Frage nach der biologischen Nähe für Laien eher schwer zu beantworten. Forscher haben nun eine „Karte“ veröffentlicht, mit der die taxonomische Verwandtschaft aller 2,6 Millionen bekannten Arten interaktiv erkundet werden kann. Dabei beschränkt sie sich aber nicht nur auf Tiere – auch Pflanzen, Bakterien und Pilze sind dabei.

Der Stammbaum des Lebens ist ein komplexes, vielfach verzweigtes System. Im Laufe der Evolution haben sich aus den ersten Zellen unzählige ganz unterschiedliche Organismenformen entwickelt. Wie eng diese miteinander verwandt sind, zeigt die biologische Taxonomie, die Klassifizierung der unterschiedlichen Stämme, Gattungen und Arten. Dabei gibt es solche, die näher beieinander liegen, und andere, die weiter voneinander entfernt sind. So sind beispielsweise Kartoffel- und Tomatenpflanzen eng verwandt, aber auch Erdmännchen und Luchse liegen biologisch betrachtet nah beieinander. Der taxonomische Verwandtschaftsgrad könnte daher auch auf eine Art geographische Karte übertragen werden.

Alle 2,6 Millionen bekannte Arten

Ein Forscherteam um Martin Freiberg von der Universität Leipzig hat nun eine solche „Karte“ des irdischen Lebens veröffentlicht. Das sogenannte LifeGate umfasst dabei alle 2,6 Millionen bekannten Spezies des Planeten – angeordnet nach taxonomischer Nähe. „Ich wollte LifeGate so bauen, dass alle Arten gleichwertig sind, und dass die unglaubliche Vielfalt der Arten wirklich erleb- und begreifbar wird“, sagt Freiberg. Das Prinzip der kostenlos verfügbaren Karte funktioniert dabei ähnlich wie das einer geographischen. In der Startansicht sieht man die unterschiedlichen Stämme der Biologie. In diese kann nun reingezoomt werden. Es erscheinen Klassen, Ordnungen, Familien und Gattungen – bis hin zu den einzelnen Arten.

Als Grundlage der Arbeit diente Freiberg die biologische Taxonomie. In der Biologie wird die stammesgeschichtliche Entwicklung und die Verwandtschaftsbeziehungen der Lebewesen in sogenannten Phylogenien beschrieben. Auch wenn diese teilweise schon früh erforscht wurden, fanden nur moderne, bereits auf Basis von DNA-Analysen erstellte Phylogenien ihren Weg in die LifeGate-Karte. Freiberg führte diese schließlich erstmals in einer Weise zusammen, dass die verwandtschaftliche Position aller Arten gleichzeitig erkennbar ist und die Darstellung nicht auf beispielsweise Frösche oder Orchideen begrenzt ist. „Da LifeGate auf keine Gruppe beschränkt ist, lassen sich so erstmals überhaupt Beziehungen zwischen Arten darstellen“, sagt Freiberg.

„Bilder sind einprägsamer als nackte Zahlen“

Die einzelnen Arten sind dabei aber keineswegs nur mit den trockenen biologischen Bezeichnungen ausgeschildert – stattdessen werden derzeit etwa 420.000 Spezies auch durch Fotos dargestellt. Die Datenbank dahinter umfasst sogar zwölf Millionen Bilder von Lebewesen, egal ob Palme, Pandabär oder Pantoffeltierchen. Dabei gibt es allerdings von manchen Arten sehr viele Bilder, während andere überhaupt nicht vorkommen. Das hängt auch damit zusammen, dass die Abbildungen größtenteils von freiwilligen Helfern zur Verfügung gestellt wurden. Weltweit haben sich etwa 6.000 Leute an der Aktion beteiligt. „Bilder sind einprägsamer als nackte Zahlen und erleichtern den Zugang zum Thema Artenvielfalt. Deshalb fasziniert die Karte auch Amateure und Laien. In den Zoo gehen ja auch nicht nur Biologen“, erklärt Freiberg.

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Der Wissenschaftler arbeitet schon seit 2008 an der Umsetzung der Karte. „LifeGate hat als wissenschaftliches Erklärprojekt für meine Studierenden begonnen“, erzählt Freiberg. Neben der schieren Menge der 2,6 Millionen bekannten Arten war allerdings auch die technische Umsetzung dabei eine große Herausforderung. Im nächsten Schritt will Freiberg es ermöglichen, dass bei einzelnen Arten auch verschiedene Bilder gezeigt werden. So soll man beispielsweise die Augen und Ohren oder den Kot und die Fußabdrücke einzelner Tiere näher betrachten können. Auch virtuelle Reisen, die Beziehungen in der Nahrungs- oder Bestäubungskette abbilden könnten, soll es bei LifeGate geben. „In Zukunft startet jede Online-Suche nach Tieren, Pflanzen oder Bakterien bei LifeGate. Es soll das Google Maps der Artenvielfalt werden“, konstatiert der Forscher.

Quelle: Universität Leipzig, Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv); LifeGate-Karte

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