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Der Urmiasee im Iran droht auszutrocknen

Iran: Ein zweiter Aralsee

Urmiasee
Im Urmiasee liedgen viele Schiffe auf dem Trockenen (Foto: Mehran Biparva)
Dem Urmiasee im Nordwesten des Iran droht das gleiche Schicksal wie dem Aralsee: Schon jetzt ist seine Wasserfläche enorm geschrumpft und das einst fischreiche Wasser hat sich in eine salzige Brühe verwandelt. Der Klimawandel könnte alles nun noch schlimmer machen, warnen Forscher.

Er war einst ein fischreiches Binnenmeer, zehnmal größer als der Bodensee: Der Urmiasee im Nordwesten des Iran war noch in der Antike von artenreichen Eichenwäldern umgeben. Sein Fischreichtum und das reichlich vorhandene Wasser machten diesen abflusslosen See zu einer wertvollen Ressource in dieser ansonsten eher trockenen Region. Auf einigen der Inselchen im See wachsen Pistazienwälder und Wildschafe, Flamingos sowie Pelikane tummeln sich an den Ufern. Wegen vieler seltener Tierarten wurden Teile des Seeufers 1976 zum UNESCO-Biosphären-Reservat erklärt.

Ein zweiter Aralsee

Seither jedoch ist der See zunehmend kleiner und salziger geworden. Er hat heute nur noch rund ein Drittel seiner einstigen Größe, allein in den letzten zwei Jahrzehnten ist seine Wasserfläche enorm geschrumpft. Mittlerweile hat das Wasser des Sees einen Salzgehalt von mehr als 20 Prozent, außer Salzkrebschen lebt hier daher kaum mehr etwas.

Der Urmiasee droht mittlerweile zu einem zweiten Aralsee zu werden, warnen Somayeh Shadkam und ihre Kollegen von der Universität Wageningen, die den Zustand und die Zukunft des Sees untersucht haben. Sein Wasserstand hat inzwischen einen neuen Niedrigrekord erreicht. Schon jetzt mussten Tausende von Menschen aus dem Gebiet rund um den See wegziehen, weil das versalzte und geschrumpfte Gewässer ihnen keine Lebensgrundlage mehr bietet.

Bewässerung und Klimawandel graben dem See das Wasser ab

Einer der Hauptgründe für das Schrumpfen des Urmiasees ist die Landwirtschaft: Seit Jahrzehnten zapfen Bauern Wasser aus den Seezuflüssen, um ihre Plantagen und Felder im trockenen Klima der Region zu bewässern. Trotz schwindender Niederschläge hat sich die Feldfläche im Umland in den letzten Jahrzehnten verdreifacht – auf Kosten des Urmiasees. Nachdem nun auch die Politiker die Gefahr für den See erkannt haben, soll ein neuer Wassernutzungsplan dafür sorgen, dass künftig weniger Wasser aus den Zuflüssen entnommen wird.

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Doch diese Maßnahmen könnte nicht reichen, um den Urmiasee zu retten, warnen Shadkam und ihre Kollegen. Denn wenn der Klimawandel weiter nahezu ungebremst weitergeht, dann werden die Temperaturen in dieser Region so weit steigen und die Niederschläge abnehmen, dass auch die bereits beschlossenen Maßnahmen nicht ausreichen, um den Wasserverlust auszugleichen.

„Wir müssen dringend etwas tun“

Eine Chance hat der Salzsee daher nur dann, wenn der globale Klimaschutz bald greift. „Es sind dringend weitere Maßnahmen nötig, wenn wir den See retten wollen“, so Shadkam. „Dazu gehören sowohl regionale Maßnahmen, die den Wasserverbrauch einschränken, als auch globales Handeln, um den Treibhausgas-Ausstoß zu begrenzen.“

Selbst wenn es gelingen wird, die globale Erwärmung durch Klimaschutz einzuschränken, wird der Urmiasee weiter Wasserfläche verlieren, wie die Modellrechnungen der Forscher ergaben. „Das ist eine wichtige Erkenntnis nicht nur für das Urmia-Becken, sondern für die gesamte Region drumherum“, sagt Shadkam. Denn betroffen sind Menschen in einem Gebiet von rund 500 Quadratkilometern – und das in einer ohnehin von Konflikten gebeutelten Region. Ein zunehmender Wassermangel könnte die Konflikte noch weiter verschärfen. Aber daran scheint kaum ein Weg vorbei zu führen: „Die Wasserknappheit wird in jedem Falle zunehmen – und wir müssen uns darauf einstellen“, so Shadkam.

Quelle: Universität Wageningen, Fachartikel: Science of The Total Environment, doi: 10.1016/j.scitotenv.2016.03.190

© natur.de – Nadja Podbregar
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