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Tier-Mensch-Beziehung

Katzen erkennen an sie gerichtete Sprache

Forscher sind Geheimnissen der Katze-Mensch-Beziehung auf die Spur. © nico_blue/iStock

„Bis später!“, oder „wie geht es dir?“: Diese Äußerungen klingen etwas anders, wenn sie jemand zu seiner Katze oder aber zu einem Mitmenschen sagt. Für diese Unterschiede haben Katzen offenbar eine feine Wahrnehmungsfähigkeit, legen Ergebnisse einer experimentellen Studie nahe. Was ihre Besitzer betrifft, können die Tiere demnach an sie adressierte Sprache von an Menschen gerichteten Äußerungen unterscheiden. Dies spiegelt sich dabei in auffälligen Verhaltensmustern wider. Es handelt sich um einen weiteren Hinweis dafür, in welch subtiler Weise sich auch Katzen auf ihre menschlichen Bezugspersonen einstellen, sagen die Forscher.

Mit ihrem gewinnenden Charme haben sie sich in die menschliche Gesellschaft eingeschlichen: Millionen von Stubentigern bevölkern heute weltweit die Haushalte – die Katze ist weit vor dem Hund das beliebteste Haustier. Trotz dieser großen Bedeutung ist die Katze-Mensch-Beziehung im Gegensatz zum Hund allerdings weniger gut erforscht. Dies liegt daran, dass Katzen durch ihre sprichwörtliche Eigensinnigkeit der Wissenschaft eher schwer zugänglich sind. Außerdem zeigen diese eher einzelgängerischen Wesen im Gegensatz zum Rudeltier Hund ein subtileres Interaktionsverhalten mit dem Menschen. Viele Katzenhalter nehmen die Beziehung mit ihrem Tier allerdings durchaus als sehr komplex und persönlich wahr. Einige Studien können diese Empfindungen auch bereits wissenschaftlich untermauern.

Die Katze-Mensch-Beziehung im Fokus

In der aktuellen Studie stand nun die Bedeutung der Lautkommunikation im Fokus, die Menschen mit ihren Katzen aufbauen. Grundlegend ist dabei bekannt, dass sich die an Haustiere gerichtete Sprache im Tonfall von der üblichen Sprechweise unterscheidet – sie ähnelt der an Kinder adressierten Sprechweise. Bei Hunden wurde bereits gezeigt, dass diese auch als Betreuer-Sprache bezeichnete Form eine Bedeutung für das Tier haben kann: Die Vierbeiner erkennen den Tonfall und reagieren darauf mit spezieller Aufmerksamkeit. Doch gilt das auch für die eher „schwer zu beeindruckenden“ Katzen? Dieser Frage sind nun die Wissenschaftler um Charlotte de Mouzon von der Universität Paris Nanterre in einer experimentellen Studie nachgegangen.

Die tierischen Probanden waren 16 durchschnittliche Wohnungskatzen, die gemeinsam mit ihren Haltern in einem Haushalt lebten. Für die Studie wurden die Stimmen der Besitzer aufgezeichnet, wenn sie mit ihren Tieren interagierten – etwa mit ihnen spielten oder sie begrüßten. Daraus erstellten die Forscher Soundclips, die einzelne Sätze und Phrasen umfassten, die der Katzen-adressierten Sprache entstammten. Beispielsweise „Wie geht es dir? “Willst du etwas essen?“ oder „Bis später“. Für die Vergleichszwecke erstellten die Forscher dann auch Soundclips mit den gleichen Äußerungen, wenn sie der jeweilige Katzenhalter an einen Menschen gerichtet hatte.

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Zunächst dokumentierten die Wissenschaftler grundlegend, dass sich in bestimmten Reaktionen widerspiegelt, dass die Katzen ihre jeweiligen Bezugspersonen anhand der Stimme erkannten. Die Tiere standen dazu in ihrem gewohnten häuslichen Umfeld unter Kamerabeobachtung, während aus einem Lautsprecher ein Fremder ihren Namen rief. Sie spitzen daraufhin zwar die Ohren, bei Wiederholungen des fremden Rufes flaute ihre Aufmerksamkeit allerdings deutlich ab. Wenn dann allerdings plötzlich die Stimme des Besitzers aus dem Lautsprecher ertönte, zeichnete sich eine deutliche Aktivierung des Tieres ab: In Suchverhalten, Ohren- und Augenreaktionen, Schwanzwedeln und weiteren körperlichen Anzeichen spiegelte sich bei der Mehrheit der Katzen wider, dass sie ihre Bezugspersonen erkannt hatten.

„Das hat mit mir zu tun“

Anschließend ging es dann um die Erkennung der Adressierung von Sprache. Zunächst spielten die Forscher den Versuchstieren die an Menschen gerichteten Soundclips ihrer Halter vor und erfassten dabei das Verhalten der Tiere durch die Analysen der Videoaufnahmen. Anschließend wechselten die Höreindrücke dann zu den an die Katzen gerichteten Aufnahmen. Wie das Team berichtet, zeichneten sich beim Übergang signifikante Verhaltensänderungen bei den Tieren ab: Wenn sie die Sprechweise hörten, die ihre Bezugsperson typischerweise mit Menschen an den Tag legen, zeigten sie kaum erhöhte Aktivitätsmuster. Wenn jedoch „Katzen-Sprech“ ertönte, spiegele sich in den Reaktionen eine Wahrnehmung der besonderen Bedeutung wider, berichten die Wissenschaftler.

Wie aus dem dritten Versuchsteil hervorging, basierte diese Reaktion offenbar nicht generell auf einem menschlichen Katzen-Sprech-Tonfall: Denn wenn die Tiere die an eine Katze gerichtete Sprache eines ihnen fremden Menschen hörten, regierten sie nicht anders als wenn er Mensch-adressiert sprach, stellten die Forscher fest. Unterm Strich legen die Studienergebnisse somit nahe: „Katzen können offenbar speziell an sie gerichtete Sprache von einer Form unterscheiden, die an Menschen gerichtet ist, wenn die Sätze von ihren Besitzern gesprochen werden“, resümieren die Wissenschaftler.

Sie geben allerdings zu bedenken, dass es sich bisher um Ergebnisse handelt, die auf einer kleinen Stichprobe basieren. Umfangreichere Untersuchungen sollten sie ihnen zufolge deshalb nun bestätigen und ausweiten. Zumindest zeichnet sich aber erneut ab, dass es möglich ist, Licht auf die subtilen Aspekte der erstaunlichen Katze-Mensch-Beziehung zu werfen.

Quelle: Springer, Fachartikel: Animal Cognition, doi: 10.1007/s10071-022-01674-w

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