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Erde|Umwelt

Kluge Renaturierung ist angesagt!

Der Fluss Peene und Überschwemmungsgebiete beim Anklamer Stadtbruch in Deutschland. Solvin Zankl/Rewilding Europe

Weltweit versuchen Naturschützer, ökologische Wunden zu heilen – doch wie gelingt die Wiedergutmachung? Durch durchdachtes „Rewilding, ist ein internationales Forscherteam überzeugt. In einer aktuellen Publikation präsentieren die Wissenschaftler einen Leitfaden für die Planung und Umsetzung von Renaturierungsprojekten. Der Tenor lautet: Im Zentrum sollte nicht stehen, einzelne Pflanzen- oder Tierarten wieder anzusiedeln, sondern das geschädigte Ökosystem zu unterstützen, damit es sich selbst regenerieren und erhalten kann.

Der Mensch hat der Welt oft rücksichtslos seinen Stempel aufgedrückt – viele Ökosysteme sind durch den Bau von Zivilisationsstrukturen oder durch die landwirtschaftliche Nutzung stark geschädigt: Sie sind aus dem Gleichgewicht geraten und die Artenvielfalt schwindet. „Viele Ökosysteme sind deshalb heute auch nicht mehr in der Lage, wichtige Aufgaben zu erfüllen, wie etwa den Hochwasserschutz“, sagt Co-Autorin Henrique Pereira von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Darüber, wie man diese Entwicklung stoppen oder umkehren kann, gibt es bekanntlich unterschiedliche Meinungen und verschiedene Strategien kommen zum Einsatz. Ein Ansatz dabei ist das sogenannte Rewilding, für das sich die Wissenschaftler nun stark machen. „Dabei richtet man den Blick auf das Ökosystem als Ganzes und versucht durch gezielte Maßnahmen, seine Funktionalität wiederherzustellen. Ziel ist ein Ökosystem, das sich auf lange Sicht weitgehend ohne menschliche Hilfe regeneriert und selbst erhält“, erklärt Erstautorin Andrea Perino von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Gleichzeitig soll das Rewilding auch dazu dienen, den Menschen den ästhetischen und ideellen Wert der Natur zugänglich zu machen.

Naturnahe Landschaften sollen wiederauferstehen

Wie die Wissenschaftler erklären, wurden Rewilding-Projekte allerdings bisher oft nicht optimal durchgeführt und standen deshalb in der Kritik. In ihrem Artikel im Wissenschaftsmagazin „Science“ stellen sie deshalb nun einen Leitfaden auf der Basis von Analysen vor. Ihnen zufolge sei ein typisches Problem, dass Verantwortliche starre Vorstellungen davon haben, welchen Zustand ein Ökosystem zurückgewinnen sollte und durch welche Maßnahmen das Ziel erreicht werden kann. Stattdessen sei eine klar analytische und flexible Herangehensweise gefragt. Zunächst sollten die Funktionen des jeweiligen Ökosystems und die Störfaktoren genau erfasst werden. Aus den Ergebnissen lassen sich dann geeignete Maßnahmen ableiten, damit das Ökosystem wieder in ein Gleichgewicht kommen kann, in das der Mensch nicht mehr regelnd eingreifen muss.

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Im Rahmen eines Rewilding-Projekts zur Renaturierung einer Auenlandschaft können beispielsweise Dämme entfernt werden, um so zumindest einen Teil der Landschaft wieder Überflutungen auszusetzen. Dadurch wird das System erneut in einen Zustand versetzt, wie er vor dem Eingreifen des Menschen bestanden hat. So können sich möglicherweise wieder Tiere und Pflanzen ansiedeln, die einst in einer Region lebten. Allerdings sei nicht jeder Bereich für alle Rewilding-Maßnahmen geeignet, betonen die Forscher: „Es geht nicht darum, alle Aktionen auf eine bestimmte Zielvorstellung eines idealen Ökosystems auszurichten. Ökosysteme sind dynamisch und deshalb müssen es auch die Maßnahmen sein“, sagt Perino.

Kompromisse führen zum Erfolg

Wie die Forscher betonen, ist es zudem wichtig, diplomatisch vorzugehen und die gesellschaftlichen Möglichkeiten zu berücksichtigen. Ansonsten haben die Projekte wenig Aussichten auf Erfolg. „Beim Rewilding muss es auch immer darum gehen, die Bevölkerung vor Ort mit in die Projekte einzubeziehen“, erklärt Perino. Es müsse also auch stets einen Kompromiss zwischen dem theoretisch Machbaren und dem tatsächlich Umsetzbaren geben.

Im Rahmen ihrer Studie heben die Forscher auch ein konkretes Beispiel für ein erfolgreiches Rewilding-Projekt hervor: das Oder-Delta an der Ostseeküste zwischen Deutschland und Polen am Stettiner Haff. Dort ist es den Wissenschaftlern zufolge auf sinnvolle Weise gelungen, zahlreichen Tieren ein Leben in freier Wildbahn zu ermöglichen – zum Beispiel Seeadlern, Wisenten und Bibern. In dem Gebiet hat sich in den letzten Jahren auch eine lebendige Naturtourismus-Industrie entwickelt. „Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie Rewilding Vorteile für die Umwelt und die Gesellschaft gleichzeitig entwickeln kann“, sagt Perino.

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Science, doi: 10.1126/science.aav5570

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