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Korallen mit Schutzarmee

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Ein Korallenwächter-Krebs (Trapezia sp.): Er verteidigt "seine" Korallen gegen Fressfeinde (Seabird McKeon)
Korallen haben es schwer: Sie leiden unter der Erwärmung der Meere, der Verschmutzung und der Fischerei mit Grundschleppnetzen und zu allem Überfluss bedroht sie in vielen Gegenden eine Schwemme gefräßiger Schnecken und Seesterne. Doch zumindest gegen diese Fressfeinde sind einige Korallen ganz gut gewappnet: Sie besitzen eine eigene Schutztruppe aus Korallenwächter-Krebsen. Beobachtungen in der Südsee zeigen nun, dass diese Wächterkrebse die Korallen effektiv vor den gefräßigen Feinden schützen können – wenn sie in den richtigen Größen und Artenkombinationen anwesend sind.

Ein Korallenriff ist eine vielfältige und komplexe Lebensgemeinschaft. Neben den Korallen bieten die Riffe auch vielen anderen Tieren einen geschützten und nahrungsreichen Lebensraum. Viele Fische nutzen die Korallenriffe als Kinderstube, Seeanemonen finden am Riff Halt und Krebse nutzen diese Habitate als Jagdrevier. Doch zunehmend ist dieser Lebensraum bedroht. Neben dem Klimawandel und giftigen Algen gilt dabei vor allem der Dornenkronen-Seestern (Acanthaster planci) als Hauptbedrohung für die Korallenriffe im Pazifik. In einem Jahr kann ein einziges dieser gefräßigen, bis zu 40 Zentimeter großen Tiere bis zu 13 Quadratmeter Rifffläche komplett kahlfressen. Im Great Barrier Reef vor Australien sind die Dornenkronen-Seesterne bereits so zur Plage geworden, dass ganze Riffbereiche kahlgefressen wurden und Taucher zum Schutz der Korallen Patrouille schwimmen und die Seesterne mit Gift töten.

Es geht aber auch anders: Denn in Französisch-Polynesien besitzen Korallen eine Art Schutztruppe gegen Fressfeinde wie die Dornenkronen-Seesterne, aber auch kleinere Seesternarten und korallenfressende Meeresschnecken. Die Korallenwächter-Krebse der Gattung Trapezia leben dort in enger, symbiotischer Beziehung zu den Korallen „ihres“ Riffs. Während die Krebse von organischen Abfällen der Korallen profitieren und in den Riffen Schutz finden, schützen sie ihrerseits die Korallen, indem sie ihnen Fressfeinde vom Hals halten und störendes Sediment wegräumen. Wie effektiv die Krebse aber gegen die bedrohlichsten Feinde der Korallen helfen, war bisher unklar. Seabird McKeon von der University of Florida und Jenna Moore von der Smithsonian Institution haben dies daher in einem Experiment auf der Insel Moorea in Französisch-Polynesien untersucht.

Für ihre Studie setzten die Forscher Kolonien der in den dortigen Riffen heimischen Korallen in große Meerwasserbecken. Dann gaben sie verschiedenen Kombinationen von größeren und kleineren Exemplaren von vier Arten von Korallenwächterkrebsen hinzu. Anschließend begann der eigentliche Test: Es kamen nun Dornenkronen-Seesterne, eine kleinere Seesternart und die korallenfressende Schnecke Drupella cornus hinzu. Die Wissenschaftler beobachteten nun, welche Kombination von Krebsen die Korallen am besten gegen die jeweiligen Feinde schützen konnte.

Nur Groß und Klein gemeinsam schützen

Das Ergebnis: „Wir haben festgestellt, dass nur eine Vielfalt sowohl in Körpergröße als auch in der Art der Krebse die Korallen adäquat gegen die Prädatoren verteidigen kann“, sagt McKeon. So schafften es beispielsweise nur große Vertreter der Krebsart Trapezia sernei, die Korallen gegen den mittelgroßen Seestern zu schützen. Zwei andere, gleichgroße Trapeziaarten schafften dies dagegen nicht. Gegen den großen Dornenkronen-Seestern konnten sich nur zwei noch größere Krebsarten durchsetzen. „Die kleineren Krebse flüchten oder werden zusammen mit ihrem Wirt gefressen“, berichten die Forscher. Ähnliches zeigte sich auch bei einem Freilandversuch im Moorea-Riff: Entfernten die Wissenschaftler in einem Testgebiet alle Wächterkrebse, waren am nächsten Morgen so gut wie alle Korallen gefressen. Aber nur große Wächterkrebse sind auch keine Garantie für ein Überleben der Korallen, wie das Experiment zeigte: Waren nur große Krebse präsent, ignorierten diese die Gefahr durch die kleinen, korallenfressenden Schnecken – als Folge gingen ebenfalls viele Korallen zugrunde.

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„Das zeigt, dass auch scheinbar kleine Unterschiede zwischen den Wächterkrebsen große Auswirkungen auf das Überleben der Korallen haben“, sagt Moore. Die zuvor für ineffektiv gehaltenen kleinen Arten können zwar dem Dornenkronen-Seestern nichts entgegensetzen, spielen eine wichtige Rolle für den Schutz der Korallen gegen andere, kleinere Fressfeinde. Effektiv ist die krebsige Schutztruppe demnach nur im Artenverbund. Nach Ansicht der Forscher demonstriert dies nicht nur, wie wichtig die Artenvielfalt selbst bei sehr ähnlichen, eng verwandten Arten für das Überleben der Riffe ist. Die Erkenntnisse könnten auch dabei helfen, die akute Bedrohung eines Korallenriffs künftig besser einzuschätzen und so Schutzmaßnahmen gezielter zu planen.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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