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Erde|Umwelt

Kunstwaben für die Forschung

Eine neue Zuchtmethode für Bienenlarven soll helfen, die Ursachen des sogenannten Bienensterbens zu erforschen. Die Bienenkönigin legt dabei Eier in eine künstliche Brut-Wabe, die Wissenschaftler im Bienenstock anbringen und anschließend wieder mitnehmen können. Bisher mussten die Versuchstiere aus den Zellen der natürlichen Waben entnommen werden. Das war mit hohem Aufwand und Verlusten verbunden, denn die winzigen Larven sind sehr empfindlich. Mit dem neuen Verfahren können Bienenforscher nun störungsfrei die Entwicklung der Insekten unter kontrollierten Labor-Bedingungen studieren. So könnten sie neue Erkenntnisse über die Ursachen des Rückgangs der Bienenpopulationen gewinnen, die nach wie vor ungeklärt sind.

„Unter kontrollierten Laborbedingungen kann man mögliche Ursachen für Erkrankungen besser untersuchen als unter natürlichen Umständen im Bienenvolk“, erläutert Studienleiter Harmen Hendriksma von der Universität Würzburg. Beispielsweise können die Insektenlarven gezielt mit Pflanzenschutzmitteln oder Krankheitserregern behandelt werden, um deren Auswirkungen zu testen. Für solche Versuche mussten Bienenforscher bislang die etwa einen Millimeter großen Larven unter großem Aufwand mit Nadeln oder Federn aus natürlichen Bienenwaben entnehmen, um sie anschließend in künstlichen Behältern aufzuziehen. Das machte die Bienenforschung im Labor bislang schwierig. „Durch das Verletzungsrisiko für die Larven war auch die Ausbeute oft gering“, sagt Hendriksma. Bei der neuen Methode überleben die Versuchstiere und der Aufwand ist überdies gering: Die Laborversuche können direkt in den Zellen durchgeführt werden, in die die Königin bereits die Eier gelegt hat.

Die künstliche Wabe besteht aus Plastik und umfasst 110 einzelne Zellen, die den Kammern einer natürlichen Wabe aus Wachs entsprechen. Tatsächlich legt die Bienenkönigin auch bereitwillig ihre Eier in die künstliche Alternative, konnten die Forscher beobachten. Anschließend lässt sich die Kunstwabe problemlos vom Bienenstock ins Labor mitnehmen. Mittels Pipetten werden die Larven dort dann direkt in ihren winzigen Kammern gefüttert. „Wir übernehmen im Labor die Funktion der Ammen-Bienen“, erzählt Hendriksma. Dabei können dem Futter zu Forschungszwecken bestimmte Wirkstoffe beigemengt werden.

Trauriger Anlass für die Neuentwicklung ist der weltweite Rückgang der Bienenpopulationen, der unter dem Begriff Bienensterben bekannt wurde und dessen Ursachen immer noch nicht vollständig geklärt sind. In einigen Regionen der USA sind bis zu 80 Prozent der Völker betroffen, und auch in Europa schwinden die Bestände. Unter Verdacht stehen beispielsweise Krankheitserreger, verschiedene Arten von Umweltverschmutzung und eine zunehmend einseitige Ernährung der Insekten. Mit ihrer neuen Methode wollen die Würzburger Forscher letztendlich die Suche nach dem ausschlaggebenden Faktor für das Bienensterben beschleunigen.

Harmen Hendriksma (Universität Würzburg) et al: Methods in Ecology and Evolution, doi: 10.1111/j.2041-210X.2011.00099.x dapd/wissenschaft.de – Martin Vieweg
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