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Erde|Umwelt

Lieblingssport: Ameisenschmeißen

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Ameisen-David hat gegen Wespen-Goliath trotz Überzahl wenig Chancen: Die kleineren Tiere werden kurzerhand gepackt und von der Futterquelle weg transportiert. Bild: Julien Grangier
Wespen entledigen sich ihrer Konkurrenz ums Futter auf eine ungewöhnliche Art und Weise, haben neuseeländische Biologen beobachtet: Müssen die Insekten mit Ameisen um eine Futterquelle konkurrieren, verpassen sie den Rivalen einfach einen unfreiwilligen Flug – sie packen die Ameisen, fliegen mit ihnen davon und lassen sie dann in einiger Entfernung von der Nahrungsquelle wieder fallen. Je mehr Ameisen ihnen dabei die Nahrung streitig machen, desto weiter schleppen sie die Konkurrenten davon. Auch die Frage, warum die Wespen die unliebsamen Widersacher nicht einfach töten, können die Wissenschaftler beantworten: Die Ameisen geben ein Gift ab, wenn sie verletzt werden. Deshalb bevorzugen die Wespen ihre raffinierte Abtransport-Strategie, berichten die Wissenschaftler.

Die Wespenart Vespula vulgaris ist in Neuseeland ebenso wie in Mitteleuropa weit verbreitet. Die sozialen Insekten benötigen viel eiweißreiche Nahrung, um ihre Brut zu versorgen. Sie beißen dazu Stücke aus toten Tieren und tragen sie in ihr Nest. Genau das Gleiche tun allerdings auch ihre Konkurrenten: die Ameisen der Art Prolasius advenus. Beide treffen somit häufig bei einer potenziellen Nahrungsquelle aufeinander. Friedliches Teilen kommt hier allerdings nicht infrage – jede Insektenart will so viel wie möglich für sich alleine ergattern.

Wie die beiden Insektenarten den Konflikt lösen, beobachteten die Forscher mit Hilfe von gezielt ausgelegter Beute: Sie boten den Insekten an mehreren Standorten in der freien Natur jeweils vier Gramm Tunfisch an. Bei fast allen Versuchen fanden sich schnell sowohl die Ameisen als auch die Wespen bei dem Festmahl ein. Mit Filmaufnahmen konnte das Forscherduo dann dokumentieren, was geschah: Die Wespen packten die Ameisen mit ihren Mundwerkzeugen, trugen sie kurz durch die Luft und ließen sie dann einige Zentimeter von der Nahrungsquelle entfernt wieder auf die Erde plumpsen. Auf diese Weise muss sich die Wespe nicht weit von der Nahrungsquelle entfernen und kann daher schnell weiterfressen. Die Entfernung reicht jedoch aus, um die Ameise für einige Zeit von der Nahrungsquelle fernzuhalten, erklären die Forscher.

Wie ausgeklügelt diese Strategie der Wespen ist, zeigt auch die Flexibilität des Verhaltens: Je mehr Ameisen anrücken, desto weiter tragen die Wespen sie davon, zeigten die Beobachtungen der Forscher. Die Wespen können daher offenbar die Situation als Ganzes erfassen und die Folgen unterschiedlicher möglicher Verhaltensstrategien abschätzen – eine Fähigkeit, die Insekten mit ihrem einfachen Nervensystem nicht unbedingt zugetraut wird.

Julien Grangier und Philip Lester (Victoria University of Wellington): Journal of the Royal Society Biology Letters, doi: 10.1098/rsbl.2011.0165 dapd/wissenschaft.de – Martin Vieweg
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