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Macht Chinesisch musikalisch?

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Chinesische Kinder haben offenbar feine Ohren für Tonhöhen (Foto: real444/sStock)
Haben musikalische Fähigkeiten etwas mit der Sprache zu tun, die man spricht? Eine Studie an Kindern bestätigt nun: Junge Mandarin-Sprecher können Veränderungen von Tonhöhen besser einschätzen als englischsprachige Kinder. Die Erklärung: Mandarin ist eine tonale Sprache, bei der die Variation der Tonhöhe wichtig ist. Der entsprechende sprachliche Trainingseffekt macht sich dann offenbar ebenfalls im musikalischen Bereich bemerkbar. Es handelt sich damit auch aus der Sicht der Hirnforschung um eine interessante Feststellung.

„Eine große Frage beim Verständnis der Entwicklung von mentalen Fähigkeiten und Kognition im Allgemeinen ist, wie separat unsere geistigen Prozesse tatsächlich sind“, sagt Sarah Creel von der University of California in San Diego. „Zum Beispiel: Gibt es spezielle Gehirn-Mechanismen, die nur für die Sprache zuständig sind oder sind die Übergänge dabei fließend?“ Dieser Frage sind sie und ihre Kollegen nun durch die Untersuchung möglicher Zusammenhänge zwischen Sprache und musikalischen Fähigkeiten nachgegangen.

Tonale Sprachen zeigen Effekte

„Sowohl in Sprache als auch in Musik kommen Tonhöhenänderungen vor. Wenn nun  Sprache eine separate geistige Fähigkeit wäre, dann müsste auch die Verarbeitung von Tonhöhe bei Sprache und Musik unabhängig von einander sein“, erklärt Creel. „Wenn diese scheinbar unterschiedlichen Fähigkeiten hingegen durch überlappende kognitive Mechanismen oder Hirnareale geleistet werden, dann müsste sich Erfahrung mit sprachlicher Tonhöhen-Variation in Fähigkeiten bei der musikalischen Tonhöhe-Verarbeitung widerspiegeln und umgekehrt.“

Um zu untersuchen, welcher Zusammenhang zutrifft, führten die Forscher Tests mit insgesamt 180 Kindern im Alter von der bis fünf Jahren durch. Bei der einen Hälfte handelte es sich um junge Chinesen, deren Muttersprache Mandarin ist, bei der anderen um englischsprachige Kinder aus den USA. Der Knackpunkt: Bei Mandarin handelt es sich im Gegensatz zum Englischen um eine sogenannte tonale Sprache: Die Tonhöhe, in dem ein Wort gesprochen wird, vermittelt nicht nur Betonungen oder einen emotionalen Inhalt, sondern eine ganz andere Bedeutung. Zum Beispiel kann die Silbe „ma“ in Mandarin „Mutter“, „Pferd“, „Hanf“ oder „Schelte“ bedeuten – je nachdem, in welchem Tonhöhen-Muster sie gesprochen wird. Im Englischen kann man „ma“ zwar auch unterschiedlich betonen, die Bedeutung ist aber immer gleich: Mutter. Entsprechend lernen Mandarin-Sprecher vergleichsweise intensiv, auf die Tonhöhen in der Sprache zu achten.

Chinesische Kinder haben das feinere Ohr

Bei den Tests spielten die Forscher den kleinen Probanden akustische Sequenzen vor. Sie sollten beurteilen, ob eine bestimmte Klangfolge mit einer anschließend ertönenden identisch war oder nicht. In einer zweiten Variante sollten sie hingegen heraushören, ob es sich um unterschiedliche Instrumente handelt, die aufeinander folgende Klangsequenzen ertönen lassen. Die Auswertungen ergaben: Die Probanden beider Sprachgruppen waren etwa gleich gut bei der Unterscheidung von Instrumenten. Doch bei den Tests zur Unterscheidung der Tonhöhen hatten klar die chinesischen Kinder die Nase vorn, berichten die Forscher.

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„Wir zeigen damit erstmals, dass tonale Sprach-Erfahrung mit fortgeschrittenen musikalischen Fähigkeiten zur Verarbeitung von Tonhöhe bei kleinen Kindern verbunden ist“, resümieren die Autoren. Ihnen zufolge hat das Ergebnis weitreichende Bedeutung für die Neurowissenschaften, aber möglicherweise auch für die Praxis: Der Nachweis, dass tonale Aspekte bei Sprache und Musik miteinander verknüpft sind, könnte zu einer Integration des Effekts in sprachliches beziehungsweise musikalisches Training führen. Dennoch betonen die Wissenschaftler: Um die Musikalität eines Kindes zu fördern, sollte man es nun dennoch nicht in einen Chinesisch-Kurs schicken.

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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