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Mit den eigenen Waffen geschlagen

US-Forscher haben mit einer neuartigen Immuntherapie bei einigen wenigen Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs erste, allerdings kurzfristige Erfolge erzielt: Sie konnten das Wachstum des Tumors für durchschnittlich 5,6 Monate aufhalten, indem sie eine herkömmliche Chemotherapie durch ein Mittel ergänzten, das das Immunsystem aktiviert. Dadurch brachten die Wissenschaftler die Fresszellen des Immunsystems dazu, den Tumor nicht mehr wie vorher zu schützen, sondern sich sozusagen auf ihn zu stürzen. Ziel der Attacken waren dabei jedoch nicht die Tumorzellen selbst, sondern das sie umgebende, dichte Gewebe. Man könne das mit einer Steinmauer vergleichen, bei der man den Mörtel auflöse, um anschließend die einzelnen Steine beseitigen zu können, schreiben die Forscher.

Bauchspeicheldrüsenkrebs tritt zwar eher selten auf – in Deutschland macht er nur drei Prozent der Krebserkrankungen aus. Die Überlebenschancen sind jedoch äußerst schlecht: Da der Krebs im Frühstadium meist ohne Symptome verläuft, wird er oft erst entdeckt, wenn eine operative Entfernung nicht mehr möglich ist. In diesen Fällen werden die Patienten mit einer Mischung aus Strahlen- und Chemotherapie behandelt. Eine Heilung ist jedoch meist nicht mehr möglich. Daher leben fünf Jahre nach der Diagnose nur noch etwa sechs Prozent der männlichen und acht Prozent der weiblichen Patienten.

Aus vorherigen Studien wussten die Forscher bereits, dass Tumoren das Immunsystem dazu bringen können, sie zu beschützen statt sie anzugreifen. Dabei spielt ein Molekül namens CD40 auf der Oberfläche der Immunzellen eine wichtige Rolle. Das Ziel des Teams war es daher, mit Hilfe eines speziell entwickelten Antikörpers CD40 zu aktivieren, um diese Reaktion umzukehren und das Immunsystem den Tumor angreifen zu lassen. In einer kleinen ersten Studie verabreichten sie dazu 21 Patienten mit inoperablem Bauchspeicheldrüsenkrebs eine Chemotherapie, die sie durch den Antikörper ergänzten. Die Erfolgsrate war zwar bescheiden, jedoch nachweisbar: Bei vier der Probanden schrumpfte der Tumor sichtbar, und bei zweien davon nahm auch die Größe von Metastasen in der Leber ab. Bei elf weiteren Patienten schritt die Erkrankung während der Behandlung nicht weiter fort, wohingegen die Therapie bei den restlichen keinen Erfolg zeigte.

Allerdings waren selbst die Erfolge nur vorübergehend, geben die Forscher zu: Nach durchschnittlich 5,6 Monaten ohne Fortschritt kehrte die Erkrankung bei allen Patienten zurück, die mittlere Überlebenszeit betrug 7,4 Monate. Da es keine Kontrollgruppe gab, die eine wirkstofffreie Placebo-Behandlung oder die reine Chemotherapie erhalten hatte, können die Wissenschaftler die Vorteile der Doppel-Behandlung nicht genau quantifizieren. In einer früheren Studie hatten sie jedoch gezeigt, dass eine Behandlung mit einer Chemotherapie alleine lediglich bei rund fünf Prozent der Patienten anschlug und der Krebs nach durchschnittlich 2,3 Monaten begann, fortzuschreiten. Im Schnitt überlebten die Patienten 5,6 Monate.

Trotz dieser geringen Erfolgsrate halten die Forscher ihren Ansatz für interessant. Als sie nämlich Gewebeproben der Patienten untersuchten, stellten sie überrascht fest, dass die Immunreaktion anders aussah als gedacht: Statt der erwarteten T-Zellen fanden sie Fresszellen – Makrophagen – im Tumorgewebe. Auch ein anschließender Test an speziell gezüchteten Mäusen bestätigte diesen Fund. Offenbar findet bei den Makrophagen durch die Behandlung demnach eine Art Umerziehung statt, die aus tumorschützenden tumorzerstörende Zellen macht. „Damit haben wir so etwas wie ein Trojanisches Pferd erschaffen“, erklärt Mitautor Robert Vonderheide. „Der Tumor ruft nach wie vor Makrophagen zu sich, aber jetzt haben wir mit dem CD40-Molekül die Makrophagen wieder umerzogen, so dass sie den Tumor attackieren.“ Diesen Effekt kann man möglicherweise bei einer Weiterentwicklung der Therapie optimieren oder ihn ausnutzen, um andere Behandlungsansätze zu unterstützen, sagen die Wissenschaftler.

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Gregory Beatty (University of Pennsylvania, Philadelphia) et al: Science, Bd. 331, S. 1612 dapd/wissenschaft.de – Anke Biester/Ilka Lehnen-Beyel
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