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Morphiumrausch im Gehirn

Niemand hätte Spaß ohne die Chemie im Hirn: Freude wird vor allem aus drei Botenstoffen komponiert. Und die erste Geige bei einem Glücksrausch spielt körpereigenes Morphium.

Die Nacht der Familie Esch war kurz und unruhig. Seit Tagen sind Eltern und Kinder erkältet. Geplagt vom Schnupfen kann der anderthalb Jahre alte Sohn kein Auge zutun und weint immer wieder. Endlich, im Bett von Mama und Papa, nickt er für wenige Stunden ein. Doch noch vor der Morgendämmerung reißt er die Familie wieder aus dem Schlaf. Vergnügt fällt er Vater und Mutter um den Hals. Dann ruft er nach seiner Schwester, rennt in ihr Zimmer und fragt, wie es ihr geht. „Da geht einem doch das Herz auf“, schwärmt der Vater Tobias Esch. „Trotz des ganzen Stresses, den die Kinder bedeuten, bin ich mit ihnen sehr oft sehr glücklich.“ Für ihn ist die Familie der wichtigste Quell der Freude.

Auch im Beruf sucht der 37-Jährige das Glück zu fassen: Als Gastwissenschaftler der State University of New York nähert sich der Mediziner dem Wohlgefühl aus neurobiologischer Sicht. An der Hochschule Coburg ergründet er, welchen Beitrag Glück für die Gesundheit leistet. „Das Thema zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben“, meint er. 2001 bis 2002 war er dem Gemütszustand an der Harvard Medical School in Boston auf den Fersen, später nahm er an der Charité in Berlin die Fährte auf. „ Im Übrigen machen mich auch berufliche Erfolge glücklich“, wirft er ein. „Nach der Abgabe einer Publikation oder nach einem Vortrag fällt die Anspannung ab, und ich freue mich.“

Was geschieht eigentlich im Körper, wenn man glücklich ist? Zunächst entdeckten die Forscher mehr und mehr Botenstoffe im Gehirn, die an dem Hochgefühl beteiligt sind. Eine Fülle von Substanzen wurde schon als „Glücksbote“ betitelt: angefangen vom Serotonin bis hin zum Enkelytin. Doch erst in den vergangenen Jahren kam Ordnung in die Fülle: Tatsächlich komponiert ein Orchester von „knapp einem Dutzend Hormonen das Wohlbefinden bis hin zum Jubelrausch“, so Esch. Jeder einzelne Botenstoff erzeugt seinen eigenen Klang. Im Konzert machen sie die Freude immer wieder zu einem einzigartigen Erlebnis. Das eine Mal rührt das Glück zu Tränen. Das andere Mal entlädt es sich in spitzen Schreien. Am nächsten Tag lugt es mit einem Lächeln aus dem Körper hervor.

Die Droge aus dem Hirn

Doch damit das Konzert der Glückshormone nicht zu einer wilden Gefühlskakophonie anhebt, gibt es eine Hierarchie im Orchester der Hormone, wie die Forscher heute wissen. „Zu den originären Glücksboten mit der wohl größten Bedeutung für das Glück gehören nur drei Substanzen: Serotonin, Dopamin und körpereigenes Morphium“, so Esch. Alle übrigen Botenstoffe sind nur sekundär am Glücksgefühl beteiligt. Mit der Entdeckung des echten Morphiums im menschlichen Körper glückte den New Yorker Neurobiologen um George Stefano und Esch 1994 eine Sensation. Den eindeutigen Nachweis, dass das Rauschmittel nicht von außen stammt, sondern tatsächlich in den Neuronen gebildet wird, erbrachten Forscher um Meinhart Zenk von der Universität Halle-Wittenberg 2004.

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Morphium kann in verschiedenen Hirnregionen von Menschen und Tieren gebildet werden. Aber auch weiße Blutkörperchen können den Stoff erzeugen. „Bis dahin hieß es immer, dass uns ‚Endorphine‘ glücklich machen. In Wahrheit ist es vorrangig echtes Morphium, was das wohlige Gefühl beim Glück hervorruft“, betont Esch. Eine körpereigene Droge fürs Wohlbefinden? Er und Stefano sind davon überzeugt, dass im Trio der Glückshormone keines eine so intensive Euphorie auslösen kann wie Morphium. Das körpereigene Rauschmittel ist im Gehirn imstande, an so genannte µ-3-Rezeptoren (gesprochen: Mü-Drei-Rezeptoren) der Nervenzellen anzudocken. Dadurch wird unter anderem Stickstoffmonoxid ausgeschüttet.

Erste Hinweise auf eine solche Wirkung von Morphium hatte Stefano bereits 2004 bemerkt. Aber erst in den letzten beiden Jahren vervollständigte sich das Bild: Das gasförmige Stickstoffmonoxid verlässt mit dem Blut das Gehirn – und das Glück wird in den Körper geschwemmt, wo es zumeist entspannte Freude auslöst: Die Gefäße weiten sich, der Blutdruck sinkt, der Herzschlag und der Atem werden ruhiger. Die Haut erwärmt sich. Vielleicht treibt das Wohlgefühl sogar Schweißperlen auf die Stirn. „Wir Menschen sprechen verschiedene Sprachen. Aber wir benutzen dazu immer den Mund. Stickstoffmonoxid ist gewissermaßen der Mund für die Glücksboten im Kopf“, verdeutlicht Esch. Auch Dopamin und Serotonin können in Stickstoffmonoxid übersetzt werden, aber in viel geringerer Menge als Morphium. Diese drei Botenstoffe sind entwicklungsgeschichtlich die ältesten Glücksbringer, vermuten die New Yorker Neurobiologen. Die Drei können auf mehreren Wegen aus eng verwandten Bausteinen gebildet werden: aus den Aminosäuren Tryptophan, Tyramin und Tyrosin. Auch die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin werden aus diesen Rohstoffen erzeugt. Auf diese Parallele stießen die Wissenschaftler jüngst, als sie die Stoffwechselwege analysierten.

Am Anfang War der Stress

Sie leiten daraus eine mutige und noch umstrittene These ab: Am Anfang der Evolution stand der Stress – und die Notwendigkeit, mit ihm fertig zu werden. Daraufhin entstanden nacheinander die drei Glücksboten, um den Menschen für stressabbauendes Verhalten zu belohnen. Bisher galt Glück als Gegenspieler der Trauer. Gibt es Glück also nur, weil zu viel Stress die Lebewesen sonst dahingerafft hätte? Dafür spricht, dass die drei Botenstoffe auch in Tieren zu finden sind: in Mäusen, Ratten und Wölfen. Dopamin wurde sogar in der primitiven Weichkoralle Renilla entdeckt. „ Nicht nur Menschen freuen sich, auch Tiere haben Spaß“, folgert der amerikanische Verhaltensforscher und Buchautor Jonathan Balcombe. Für die Vermutung der New Yorker Neurobiologen spricht auch, dass Stickstoffmonoxid die Freisetzung des Stresshormons Noradrenalin unterdrückt. Freude verringert die Anspannung.

Trotz solcher Indizien sind sich die Forscher keineswegs einig über den Sinn und Zweck des Glücks. Dagegen wissen sie eine Menge über die Bedeutung der einzelnen Botenstoffe im Gehirn. So geht Dopamin nicht mit dem Glücksgefühl selbst einher, sondern wird vor allem mit der Vorfreude in Verbindung gebracht. Kent Berridge, Psychologe an der University of Michigan, war der erste Forscher weltweit, der 2003 die Rolle des Dopamins so verstand: Je größer der Erlebnishunger, desto mehr Dopamin wird freigesetzt. „Der Botenstoff steht für das Verlangen nach Glück, nicht so sehr für die eigentliche Belohnung“, fasst er zusammen.

Der Hunger nach Glück – und mit ihm der Dopamin-Spiegel – wird umso größer, je ungewisser der Ausgang einer Situation ist. Das wissen die Forscher aus Studien, bei denen sie Probanden immer wieder vor dieselbe Aufgabe stellten: Vor dem ersten Bungee-Sprung schießt das Dopamin im Kopf geradezu über. Bei jedem weiteren Mal sinkt der Pegel des Hormons, wie Robert Sapolsky, Neurologe an der Stanford University, auf der Mind and Life Conference 2005 in Washington DC berichtete. Der Thrill, der Unsicherheitsfaktor des ersten Males, schwindet. Das schmälert die Erwartungen und die Vorfreude. Dadurch schmilzt zugleich der Kick nach jedem Sturz dahin. Geringe Dopaminwerte bescheren eine laue Glückswoge, während ein hoher Spiegel die beste Voraussetzung für einen Freudentaumel ist.

Nach der Anspannung kommt bei Erfolg fast immer die Freude – diesen Gefühlsumschwung können George Stefano und sein Kollege Richard Kream neuerdings erklären: Im Gehirn kann Dopamin über mehrere Zwischenschritte in Morphium umgewandelt werden. Dies wiesen sie 2006 in tierischen Zellen nach. Dafür spricht auch, dass die Morphiumflut erst zu beobachten ist, wenn das Dopamin schon wieder abebbt. Aus Vorfreude wird dann Freude.

Ohne Holz kein Feuer

Im Vergleich zu Dopamin und Morphium übernimmt das Serotonin einen unspektakulären Part: Es gleicht das Gemüt aus, dämpft Angst und Wut, vertreibt aber auch Kummer und Sorgen. Probanden, deren Serotoninpegel künstlich angehoben wurde, zeigten beim Anblick schöner und hässlicher Aufnahmen eine andere Gehirnaktivität als unbehandelte Testpersonen. Auf die abschreckenden Bilder reagierten sie gelassener. Dagegen regten die angenehmen Darstellungen sie stärker an. Einen Freudentanz vollführten sie jedoch nicht. „Serotonin ist wie ein Kamin voller Holz. Es ist die Voraussetzung fürs Feuer, für die Freude“, verdeutlicht Esch.

Allerdings sind diese Zusammenhänge noch nicht bis ins Letzte verstanden. Doch aus ungezählten psychologischen Studien lässt sich ablesen, dass vieles glücklich macht. Ob Musik hören, gutes Essen, Lieben oder Liebe machen – jedes Mal sind die Glückshormone im Spiel. Auf Mozarts Symphonien reagieren selbst Ratten mit einer Stickstoffmonoxid-Woge, wie in einer noch unveröffentlichten Arbeit beschrieben wird. Ihre Gefäße dehnen sich aus und das Blut fließt besser. Ähnliches geschieht bei Menschen während der Meditation. Stickstoffmonoxid wird in so großen Mengen gebildet, dass Esch und seine Mitarbeiter es sogar in der Atemluft messen konnten. Seit er in Essen eine Klinik kennengelernt hat, in der Ärzte und Patienten gemeinsam meditieren, lässt ihn das Thema nicht mehr los. „In den Neunzigerjahren bin ich zufällig bei einer Reise nach China darauf aufmerksam geworden. Diese Möglichkeit der inneren Einkehr hat mich fasziniert“, erzählt er. Seither meditiert er selbst – täglich 20 Minuten.

Der Klebstoff zwischen Ich und Du

In Befragungen nennen auffallend viele Menschen ihre Familie oder den Kontakt zu Mitmenschen als Quell der Zufriedenheit. Der Psychotherapeut Joachim Bauer von der Universitätsklinik Freiburg behauptet gar, der Kontakt zu anderen Menschen sei die stärkste Droge des Menschen. Warum die Bindung zwischen Mann und Frau, Eltern und Kind, aber auch zwischen Freunden gut tut, versuchen Neurobiologen im Magnetresonanztomografen (MRT) zu ergründen. In diesem Gerät wird der Sauerstoffverbrauch der verschiedenen Hirnregionen gemessen. Ein hoher Verbrauch zeigt, dass eine Region sehr aktiv ist. Der US-Neurobiologe Jeffrey Lorberbaum von der University of South Carolina in Charleston deckte auf, dass dopaminreiche – aber auch oxytozinreiche – Motivationszentren im Gehirn sofort auf Touren kommen, wenn Mütter ihre Kinder weinen hören. Rührte das Geschrei von fremden Kindern, reagierten die Neuronen weniger heftig. Je enger die Bindung, desto aktiver ist das Gehirn und desto mehr Botenstoffe werden frei, folgerte Lorberbaum.

Als Klebstoff für zwischenmenschliche Beziehungen tritt also – neben dem bereits vorgestellten Glückshormon-Trio – das Hormon Oxytozin in Erscheinung. Auch bei Tieren, etwa bei Präriewühlmäusen, Ratten und Hunden, findet sich Oxytozin. Beim Menschen wird es beim Gebären sowie bei frisch Verliebten in großen Mengen ausgeschwemmt. Sogar bei einem erfolgreichen Handel zwischen zwei Geschäftsleuten, bei dem beide Seiten einander Vertrauen entgegenbringen, mischt die Substanz mit.

Warum Liebe blind macht

Oxytozin veranlasst im Gehirn ebenfalls eine Ausschüttung von Stickstoffmonoxid, wie Esch zu berichten weiß. Sie ist allerdings deutlich geringer als bei Morphium. Dies könnte erklären, warum Beziehungen zufrieden machen, aber keineswegs so euphorisch stimmen wie der erste Bungee-Sprung. Doch worin unterscheidet sich die Liebe der Eltern zu ihrem Kind von der romantischen Liebe zwischen Mann und Frau? Der Schweizer Hirnforscher Andreas Bartels versucht das mit funktionellen Kernspin-Aufnahmen (fMRT) am University College London herauszufinden. Dazu ließ er Mütter abwechselnd Bilder ihres Babys und dann Fotos ihres Partners betrachten. Statt klarer Unterschiede fand er vor allem Übereinstimmungen: Regionen mit vielen Rezeptoren für Oxytozin und das mit ihm chemisch verwandte Vasopressin werden beim Anblick der Gesichter aktiv. Dagegen werden Bereiche abgeschaltet, die gewöhnlich die kritische Beurteilung des Gegenübers übernehmen. „Einerseits bekommen wir die Belohnung in Form eines Glücksgefühls, andererseits wird die soziale Distanz verringert, indem wir den Mitmenschen weniger kritisch beäugen“, schreibt Bartels 2004 in der Zeitschrift Neuroimage.

Damit scheinen gleich zwei Redensarten bestätigt: Liebe macht blind. Und: Liebe macht Schmetterlinge im Bauch. Gerade das Vasopressin kann dafür verantwortlich sein, dass Verliebten das Herz klopft. Der Botenstoff verengt die Gefäße, lässt den Blutdruck steigen und ist auch bei Fieber mit von der Partie. ■

Susanne Donner

„Der Kobold in mir“

Frau Dr. Schäffner, Sie sind von Haus aus Molekularbiologin, haben aber der Wissenschaft den Rücken gekehrt. Gab’s dort zu wenig zu lachen?

Ja, im Elfenbeinturm wird sehr wenig gelacht. Wissen Sie, ich war eine sehr seriöse Wissenschaftlerin, ein ganz grüblerischer Mensch. Aber seit zwei Jahren, seit ich Lach-Yoga mache, habe ich einen Unfugskobold in mir.

Wie sind Sie zum Lach-Yoga gekommen?

Ich habe irgendwo ein Gespräch am Nebentisch mitgehört. Es ging um Lach-Yoga. „Die Leute lagen am Boden vor Lachen“, hat einer erzählt. Daraufhin bin ich im Internet direkt auf der Seite von Dr. Madan Kataria gelandet, dem Erfinder von Lach-Yoga. Dass Lachen so gesund sein soll, hat mich erst erstaunt, dann überzeugt. Inzwischen habe ich mich zur Trainerin ausbilden lassen.

Was für Leute suchen bei Ihnen das Glück, indem sie das Lachen trainieren?

Leute, die merken, dass ihnen das Lachen abgeht. Aus Schicksalsgründen. Oder aus gesundheitlichen Gründen. Meistens Menschen in der Lebensmitte.

Was ist so gesund am Lachen?

Beim Lachen werden Stresshormone abgebaut. Das Immunsystem wird stimuliert, der Stoffwechsel aktiviert. Die Gefäße erweitern sich. Zudem atmet man lachend automatisch richtig, der Körper wird durch die tiefe Bauchatmung mit Sauerstoff geflutet.

Haben Sie eine Übung für das kleine Lachen zwischendurch?

Etwas zum Schmunzeln vielleicht: Bringen Sie Ihre Lippen in Schmunzelposition. Strecken Sie den linken Arm aus und sprechen das erste „ha“. Nun den Arm anwinkeln und das nächste „ha“. Und jetzt klopfen Sie sich auf die rechte Schulter, loben sich selbst und lachen dabei!

Mehr zum Thema

FERNSEHEN

Über die Ergebnisse der Glücksforschung haben die Kollegen vom TV-Wissensmagazin „nano“ in Zusammenarbeit mit der Redaktion von bild der wissenschaft einen Film produziert. Die Erstausstrahlung ist am Donnerstag, den 24. Januar um 18.30 Uhr in 3Sat. Wiederholungstermine und mehr erfahren Sie im Internet auf der nano-Website: www.3sat.de/nano/

Ausstellung

Das Deutsche Hygiene-Museum Dresden zeigt vom 6. März bis 2. November 2008 die Ausstellung Glück – Welches Glück Sie entstand in Kooperation mit dem Siemens Arts Program. Das Begleitbuch dazu erscheint im Carl Hanser Verlag München. Mehr darüber unter: www.dhmd.de

Lesen

Jonathan Haidt Die Glücks-Hypothese Was uns wirklich glücklich macht Die Quintessenz aus altem Wissen und moderner Glücksforschung VAK-Verlag, Kirchzarten 2007, € 19,95

Daniel Gilbert Ins Glück stolpern Über die Unvorhersehbarkeit dessen, was wir uns am meisten wünschen Riemann, München 2007, € 19,–

Gregory S. Berns Satisfaction Warum nur Neues uns glücklich macht Campus, Frankfurt/New York 2006, € 24,90

Peter Layard Die glückliche Gesellschaft Kurswechsel für Politik und Wirtschaft Campus, Frankfurt/New York 2005, € 19,90

Jonathan Balcombe TIERISCH VERGNÜGT Ein Verhaltensforscher entdeckt den Spaß im Tierreich Kosmos, Stuttgart 2007, € 17,95

INTERNET

World Database of Happiness: worlddatabaseofhappiness.eur.nl

Michaela Schäffners Lach-Yoga-Seite: www.lacheinfach.com

Verband der Lach-Yoga-Therapeuten: www.hoho-haha.de

Testen Sie, was Sie glücklich macht: www.wissenschaft.de

Kompakt

· Serotonin, Dopamin und Morphium sind nach neuesten Erkenntnissen die wichtigsten Glücksboten im menschlichen Gehirn.

· Stickstoffmonoxid trägt das Glücksgefühl vom Kopf in den Körper.

· Spezifische Glückszentren lassen sich im Gehirn nicht finden. Das Glück verteilt sich je nach Reiz und Mensch.

Wo sitzt das Glück im Kopf?

Noch vor ein paar Jahren schien die Sache klar: Sieben Glückszentren wollten Forscher damals im Hirn identifiziert haben, die bei Freude anspringen. „Wir kommen immer mehr weg von diesen reduktionistischen Modellen. Es ist eher ein Netzwerk aus Nervenzellen, die bei dem Gefühl interagieren“, betont Frank Schneider, Emotionsforscher an der Universitätsklinik in Aachen. Bei Emotionen, ob nun Trauer oder Freude, werden vielmehr bereits aktive Regionen noch stärker angeregt.

Doch je nach dem Auslöser des Glücks und je nach Person variieren die Hirn-Bilder aus dem Magnetresonanz-Tomographen (MRT) sehr stark: Frank Schneider ließ Probanden im MRT glückliche Gesichter ansehen und forderte sie auf, sich in die Stimmung der Person hineinzuversetzen. Im Stirnhirn, aber auch in der Amygdala, dem Mandelkern, und in anderen Hirnregionen unterhalb der Hirnrinde begannen die Neuronen zu werkeln. Die Probanden gaben in Fragebogen später an, sich beim Hineinversetzen in die Frohnatur wohlgefühlt zu haben. Glücklich wähnten sie sich jedoch auch, wenn Schneider ihnen Vanilleduft um die Nase blies. „Da wurden aber gänzlich andere Regionen aktiv. In der Amygdala und im Hippocampus sahen wir die auffälligsten Unterschiede“, hebt er hervor und resümiert: „Das hat uns selbst sehr erstaunt.“

Welche Bereiche im Gehirn aktiv werden, hängt davon ab, wie das Glück entsteht und wie es empfunden wird. „Glück ist individuell sehr verschieden“, meint Schneider. Doch bei ein und derselben Person bleibt das Muster im Gehirn bei Vanilleduft über Jahre hinweg ähnlich, wie er dokumentieren konnte. Erleben wir Glück immer ähnlich, solange der Auslöser gleich bleibt? Als Greisin genauso wie als Baby? Wenn keine Depres- sion dazwischenkommt, ist das so, vermutet Schneider.

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Bil|dungs|mi|nis|te|rin  〈f. 22〉 weibl. Bildungsminister

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