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Erde|Umwelt

Nachtfalter: Mond wichtiger als diffuse Lichtverschmutzung

Ligusterschwärmer
Ligusterschwärmer an einer Blüte. © Ysign/ iStock

Die zunehmende Lichtverschmutzung ist für viele Insekten ein Problem. Doch Nachtfalter lassen sich bei ihrer Partnersuche davon kaum beirren – zumindest solange die Lichtverschmutzung nur mäßig ist, wie eine Studie enthüllt. Demnach orientieren sich männliche Ligusterschwärmer am Mond, um ihre weiblichen Artgenossen aufzuspüren. Ein diffuses Streulicht am Horizont stört sie dabei nur wenig.

Neben klassischen Bestäubern wie Bienen und Hummeln sind auch eher unbekannte Arten vom Insektenrückgang betroffen. Zu diesen zählen auch Nachtfalter, die als nächtliche Bestäuber wichtig für viele Ökosysteme sind. Als mögliche Ursache für den Rückgang der nachtaktiven Insekten wird aktuell die stark verbreitete Lichtverschmutzung gehandelt, da sich diese Arten häufig an den Gestirnen orientieren und von künstlichen Lichtquellen abgelenkt werden könnten. „Nachtaktive Insekten haben sich unter natürlichen nächtlichen Lichtverhältnissen entwickelt und können daher schwaches Licht, einschließlich Sternenlicht, zur Orientierung nutzen. Mistkäfer zum Beispiel können sich an der Milchstraße orientieren und auch Polarisationsmuster des Mondlichts wahrnehmen“, erklärt Co-Autor Franz Hölker vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin.

Ligusterschwärmer auf Paarungssuche geschickt

Ein Forschungsteam unter der Leitung von Mona Storms und Jacqueline Degen von der Universität Würzburg hat deshalb nun in Zusammenarbeit mit dem IGB untersucht, inwiefern sich Nachtfalter von künstlichen Lichtquellen gestört fühlen könnten. Hierzu untersuchten sie das Fortpflanzungsverhalten von männlichen Ligusterschwärmern (Sphinx ligustri) unter verschiedenen Lichtbedingungen. Um bei möglichst geringer Lichtverschmutzung zu arbeiten, brachten sie die Motten für ihre Untersuchungen ins mittelhessische Großseelheim bei Marburg, wo bei klarem Himmel nachts sogar noch die Milchstraße erkennbar ist.

Um die genauen Lichtverhältnisse vor Ort gut analysieren zu können, setzten die Wissenschaftler eine sogenannte All-Sky-Kamera ein. „Damit ist es möglich, die nächtliche Lichtumgebung komplett zu erfassen und natürliche Lichtquellen beispielsweise von „Skyglow“ – einer Art indirekter Lichtverschmutzung – zu unterscheiden“, erklärt Co-Autor Andreas Jechow vom IGB. Nach der Dokumentation der Lichtverhältnisse und der Position des Mondes wurden die männlichen Motten schließlich nacheinander auf Paarungssuche geschickt. Die Wissenschaftler boten ihnen dafür mehrere Käfige in verschiedenen Himmelsrichtungen mit weiblichen Motten als Pheromonquelle an.

Bei Mondschein finden Motten ihre Weibchen schneller

Das Ergebnis der Untersuchung zeigt: Wenn der Mond über dem Horizont steht, finden die männlichen Motten ihre weiblichen Artgenossen deutlich schneller und mit einer höheren Zuverlässigkeit. Nach Angaben der Forscher spielt es dabei auch keine Rolle, ob der Mond durch die Wolken verdeckt oder frei sichtbar ist. Auch die Mondphase hat wohl keinen Einflussfaktor auf die Paarungssuche der Nachtfalter – im Gegensatz zu seiner Position am Himmel. Je südlicher der Mond stand, desto eher flogen die Ligusterschwärmer zu den Weibchen, die sich in den in dieser Richtung befindlichen Käfigen befanden – sie nutzen ihn also als eine Art Kompass.

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Um einen möglichen Einfluss von menschengemachter Lichtverschmutzung zu untersuchen, boten die Wissenschaftler den Motten noch eine Lichtglocke am Horizont an. Diese schien sie aber kalt zu lassen. „Sobald der Mond über dem Horizont erscheint und sich von der allgemeinen Beleuchtung durch Lichtverschmutzung in Horizontnähe abhebt, fliegen die männlichen Falter dorthin und nicht weg“, erklärt Jacqueline Degen. „Wir müssen noch herausfinden, wie das bei stärkerer Lichtverschmutzung durch eine oder mehrere starke Lichtquellen aussieht. Aber tatsächlich ist das jetzt erst mal eine gute Nachricht.“

Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei; Fachartikel: Communications Biology, doi: 10.1038/s42003-022-03331-x

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