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Erde|Umwelt

Radschlag fürs Überleben

Die Larven eines Sandläuferkäfers machen sich bei drohender Gefahr mit Hilfe einer ganz eigenen Technik aus dem Staub: Sie springen in die Luft, rollen sich vorwärts zu einer Art Rad ein und lassen sich dann vom Wind tragen, bis sie in einiger Entfernung vom Ausgangsort wieder sanft auf dem Boden landen. Das haben zwei amerikanische Wissenschaftler entdeckt, als sie an einem Strand auf Cumberland Island vor der Küste des US-Staats Georgia Larven von Cicindela dorsalis media beobachteten. Entscheidend für eine erfolgreiche Flucht war dabei neben dem Wind ein flacher Sandboden, sagen die Wissenschaftler. Es könnte daher sein, dass es heute weniger Sandlaufkäfer gibt als noch vor ein paar Jahren, weil Badeurlauber auf Cumberland Island den Sand immer mehr aufwühlen, schreiben Alan Harvey von der Georgia Southern University in Statesboro und Sarah Zukoff von der University of Missouri in Columbia.

Schnelle Bewegungen sind für langgestreckte Tiere mit weichem Körper und Stummelfüßen eine echte Herausforderung. Um sich vor Räubern effektiv schützen zu können, sind für diese Geschöpfe Sprünge die effektivste Art, vom Fleck zu kommen. Doch diese Fortbewegungsweise war bisher nur von Larven einiger weniger Fliegenarten und von einigen Fadenwürmern bekannt. Jetzt haben die beiden Wissenschaftler dieses Verhalten erstmals auch bei den Larven des Sandlaufkäfers Cicindela dorsalis media beobachtet. Für ihre Untersuchungen hatten die Biologen einige Käferlarven eingesammelt und sie mit einem dünnen Zweig vorsichtig angestupst – so lange, bis sie die Flucht ergriffen. Dabei filmten die Forscher die Bewegungen der Larven.

Bei der Auswertung des Filmmaterials stellte sich heraus, dass die Tiere wahre Akrobaten sind: Die Berührung veranlasste die Tiere, sich rückwärts zusammenrollen, so dass der Schwanz den Sand berührte. Dann streckten sich die Larven und machten einen kräftigen Sprung in die Luft. Während dessen drehten sie sich um die eigene Achse vorwärts und landeten schließlich wieder auf dem Sand. Entweder holten sie dann noch einmal aus, um erneut in die Luft zu springen oder sie entrollten sich. Entscheidend bei dieser eigenartigen Fortbewegungsmethode war der Wind: Er gab nicht nur die Richtung an, sondern auch, wie weit die Tiere getragen wurden. Bei starkem Windstoß kamen die Käferlarven sogar bis zu 60 Meter auf diese Weise voran.

Eine weitere entscheidende Rolle spielte die Beschaffenheit des Untergrunds: War der Sand eben, flogen die Larven wesentlich weiter, als wenn sie von einem hügligen Ausgangspunkt starteten. So führten etwa Fußabdrücke und Reifenspuren im Sand dazu, dass sich der Flug deutlich verkürzte. Daher vermuten die Forscher, dass der zunehmende Tourismus dazu beiträgt, dass es immer weniger Sandlaufkäfer gibt. Denn der zerwühlte Sand erschwert den Käferlarven die Flucht bei drohender Gefahr – etwa, wenn ihre größten Feinde im Anmarsch sind: Schlupfwespen, die ihre Eier in den Larven ablegen.

Alan Harvey (Georgia Southern University, Statesboro) und Sarah Zukoff (University of Missouri, Columbia): PLoS one, doi:10.1371/journal.pone.0017746 dapd/wissenschaft.de – Peggy Freede
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