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Erde|Umwelt

Riesenmantas: Fressen im Geheimen

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Bisherige Annahmen über das Fressverhalten des Riesenmantas (Manta birostris) sind falsch (Foto: NOAA)
Riesenmantas gehören zu den Giganten der Meere und sind harmlose Planktonfresser – so dachte man jedenfalls bisher. Doch nun enthüllt eine Analyse: Die bis zu sieben Meter großen Rochen finden ihre Nahrung nicht nur an der Meeresoberfläche, wie bisher angenommen, sondern tauchen zum Fressen in tiefere Meereszonen ab. Dort fressen sie vermutlich auch Fische und Krebse. Gerade die größeren Wassertiefen könnten damit eine wichtigere Ressource für die marinen Riesen sein als bisher gedacht.

Der in tropischen Meeren verbreitete Riesenmanta (Manta birostris) wird seinem Namen durchaus gerecht: Die segelartigen Flossen dieses Rochens erreichen eine Spannweite von bis zu sieben Metern und das gesamte Tier kann bis zu zwei Tonnen wiegen. Wegen ihrer Größe und ihres ungewöhnlichen Aussehens kursierten früher unter Fischern viele Schauermärchen über die angeblich gefährlichen Riesenmantas. Doch neuere Beobachtungen widerlegen dies. Ähnlich wie die Bartenwale fängt der Manta seine Nahrung durch Filtrieren: Er presst das Meerwasser durch spezielle Filterreusen in seinem Maul, die das Plankton aus dem Wasser festhalten. Zwei Kopfflossen helfen dem Rochen dabei, seinem Mund zusätzlich planktonreiches Wasser zuzufächeln – so jedenfalls die gängige Annahme. „Doch obwohl der Riesenmanta eines der bekanntesten Meerestiere ist, wissen wir noch immer sehr wenig über seine Futterökologie“, erklärt Katherine Burgess von University of Queensland. Das meiste Wissen stammt aus Beobachtungen dieser Rochen an der Wasseroberfläche einiger Küstengebiete. Was die Riesenmantas aber während ihrer Tauchgänge in die Tiefen des Meeres tun und ob sie noch anderes außer Plankton fressen, blieb bisher unbekannt.

Um mehr über die rätselhaften Riesen herauszufinden, haben Burgess und ihre Kollegen nun eine verhältnismäßig neue Methode eingesetzt: Sie entnahmen den Riesenmantas Stanzbiopsien. Dafür schwammen Taucher mit einem speziell ausgerüsteten Speer dicht an die großen Fische heran. Sie stießen die hohle Spitze des Speeres vorsichtig ein kleines Stück in die Haut des Rochens und entnahmen ihm so eine fünf Millimeter kleine Gewebeprobe. Dieses Gewebe analysierten sie auf das Verhältnis von Kohlenstoff- und Stickstoff-Isotopen hin. Das Verhältnis von leichteren zu schwereren Varianten dieser Atome gibt Aufschluss über die Zone, aus der die Nahrung stammt und deren Position in der Nahrungskette, wie die Forscher erklären: „Tiere, die über die Nahrung Kohlenstoff am Meeresboden aufnehmen, enthalten mehr Kohlenstoff-13 in ihren Geweben als Oberflächenfresser“, so Burgess und ihre Kollegen. „Erhöhte Werte von Stickstoff-15 werden bei Tieren gefunden, die in der Nahrungskette eine höhere trophische Position einnehmen.“ Die Analyse dieser Werte sollte so mehr über die Nahrungsgewohnheiten der Riesenmantas verraten.

Verstecktes Fressen in der Tiefe

Die Auswertung ergab Überraschendes:  Entgegen gängiger Annahme stammt die meiste Nahrung der Riesenmantas nicht von der Meeresoberfläche. Stattdessen macht das Oberflächenplankton nur rund 27 Prozent im Speiseplan der Rochen aus. Der große Rest jedoch – rund 73 Prozent – stammt aus tieferen Meereszonen. „Beobachtungen deuten darauf hin, dass diese Mantarochen bis auf 1400 Meter hinabtauchen, möglicherweise sogar bis in 2000 Meter Tiefe“, berichten die Forscher. Auf diesen Tauchgängen nehmen die Riesenmantas offenbar einen Großteil ihrer Nahrung auf, wie die neuen Analysen nahelegen. Was genau der Manta dabei frisst, ist noch nicht eindeutig klar. Auf Basis der Isotopenwerte vermuten die Wissenschaftler aber, dass die Rochen durchaus auch größere Krebse und Fische mit ihrem Maul einfangen. „Manta birostris hat gut ausgebildete Filterreusen und könnte damit auch relativ große Beute fangen und konsumieren“, sagen die Forscher.

Ihrer Ansicht nach demonstriert das Beispiel des Riesenmantas, dass das Fressverhalten vieler Meerestiere, aber auch die Bedeutung gerade der mittleren und großen Wassertiefen für die Meeresorganismen bisher kaum erkundet sind. „Wir beginnen gerade zu erkennen, wie wichtig diese Meereszone gerade für die gefährdete marine Megafauna ist“, betont Burgess. Gerade Haie und Rochen könnten stärker als bisher gedacht von diesen Ressourcen abhängig sein.

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Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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