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Erde|Umwelt

Schwangerschaftsabbruch bei neuem Männchen

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Blutbrustpavian-Jungtier auf dem Rückern der Mutter. Bild: Shayna Liberman
Patchwork-Familien sind offenbar nichts für Blutbrustpaviane: Übernimmt ein neues Männchen die Herrschaft über eine Affengruppe, tötet er Jungtiere, die noch von seinem Vorgänger stammen. Biologen haben nun nachgewiesen, dass die Weibchen diesem grausamen Schauspiel auf bizarre Weise zuvorkommen: Sie brechen die Schwangerschaft mit dem ?zum Tode verurteilten? Ungeborenen ab.

Die Polygamie im Tierreich ist ein hartes Geschäft für die Männchen. Haben sie sich einen Harem erobert, müssen sie möglichst früh alle Weibchen begatten. Denn bis diese erneut empfangsbereit sind, könnte die Herrschaft des Männchens schon wieder zu Ende sein. Weibchen, die noch den Nachwuchs des Vorgängers betreuen, verhelfen dem Neuen dagegen zunächst nicht zur Fortpflanzung. In vielen haremsartig strukturierten Tiergruppen ist es daher üblich, dass ein neues Männchen in der ersten Zeit seiner Herrschaft die Jungtiere des Rudels tötet. So stellt es sicher, dass alle Weibchen für seine eigene Nachkommenschaft zur Verfügung stehen. Das Verhalten der Kindstötung wurde an zahlreichen Arten beobachtet, von Primaten über Löwen und Nagetiere bis hin zu Delphinen.

Erfolgreiche Anpassung an harte Gesetze

Im Kontrast zu der Strategie der Männchen ist der Tod eines Jungtiers für den Fortpflanzungserfolg der Weibchen ein großer Rückschlag. Forscher um Eila Roberts von der Universität Michigan haben nun die ? nicht weniger tragische ? Gegenstrategie der Weibchen aufgedeckt: Bei Blutbrustpavianen löst die Übernahme der Gruppe durch ein neues Männchen in der Mehrzahl der trächtigen Weibchen einen Schwangerschaftsabbruch aus, wie die Biologen im Fachblatt Science berichten. Die Weibchen verzichten folglich darauf, in den Nachwuchs zu investieren, der zum Tod durch Kindstötung verurteilt ist.

Hinweise auf Schwangerschaftsabbrüche nach Rudelübernahme durch ein neues Männchen gab es bisher bereits bei Mäusen in Gefangenschaft. Dass das Phänomen auch in der Natur auftritt, wurde von einigen Experten aber bezweifelt. Die Forscher um Jacinta Beehner sind diesem sogenannten ?Bruce-Effekt? nun mit einer Studie an 21 Gruppen von Blutbrustpavianen ( Theropithecus gelada) mit insgesamt 110 Weibchen nachgegangen. Fünf Jahre lang beobachteten sie 28 Wechsel der männlichen Rudelführung und machten Aufzeichnungen über die Geburten und Schwangerschaftsabbrüche. Und tatsächlich: In den frisch eroberten Gruppen kamen während der ersten 6 Monate ? so lange dauert die Tragzeit der Paviane ? deutlich weniger Junge zur Welt als in Gruppen, die zur gleichen Zeit ein ?alteingesessenes? Männchen beherrschte. Danach schnellte die Geburtenrate wieder in die Höhe: Der Nachwuchs der neuen Männchen kam zur Welt. Acht von zehn Schwangerschaften waren nach der Rudelübernahme abgebrochen worden, wie Untersuchungen des Hormongehaltes im Kot der Weibchen belegten.

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Den Vorteil der Strategie konnten die Forscher auch eindeutig nachweisen: In einer stabil geführten Gruppe vergehen rund 2,4 Jahre zwischen zwei Geburten eines Weibchens. Tötet ein neues Männchen dagegen ein Jungtier, erhöht sich die Dauer bis zur Geburt des nächsten Jungen auf durchschnittlich 3,6 Jahre. Beim Schwangerschaftsabbruch hingegen ?spart? das Weibchen die Zeit der Trächtigkeit und es vergehen nur noch 2,6 Jahre zwischen zwei erfolgreichen Geburten. So grausam der biologisch erzwungene Schwangerschaftsabbruch also anmuten mag ? angesichts der männlichen Kindstötung stellt er eine sinnvolle Strategie für den Fortpflanzungserfolg des Weibchens dar.

Eila Roberts (Universität Michigan) et al.: Science, doi: 10.1126/science.1213600 © wissenschaft.de ? Maria Bongartz
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