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Erde|Umwelt

Schwarzweiße Zuckerschnuten

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Große Pandas sind Bambusfresser (Jeff Kubina / gemeinfrei)
Der Speiseplan des Großen Panda ist nicht gerade abwechslungsreich: Bambus, Bambus und nochmal Bambus. Dennoch entpuppen sich die schwarzweißen Bären als echte Naschkatzen: Im Gegensatz zu anderen Bären und vielen Raubtieren besitzen sie einen ausgeprägten Sinn für Süßes. Das zeigen Experimente eines chinesisch-amerikanischen Forscherteams. Das Interessante daran: Die Hauptnahrung der Pandas, der Bambus, enthält kaum Zucker und schmeckt daher nicht süß. Warum die Bären trotzdem ihren Süßsinn behalten haben, ist daher unklar.

Biologen gingen lange davon aus, dass alle Säugetiere ähnlich wie wir fünf Grundgeschmäcker besitzen – süß, salzig, sauer, bitter und umami. Doch schon in den 1970er Jahren stellte sich dies als Irrtum heraus: Viele Katzenartige haben keinen Sinn für Süßes. Ob Tiger, Gepard, Löwe oder zahme Hauskatze – ihnen allen fehlt schlicht der Sensor dafür. Eine Mutation hat bei diesen Raubtieren im Laufe der Evolution eines der beiden Gene deaktiviert, die für den Süßsensor unverzichtbar sind. Anderen reinen Fleisch- oder Fischfressern wie den Tüpfelhyänen, aber auch Seehunden, Seelöwen und Delfinen geht es ähnlich. Allesfresser wie der Brillenbär dagegen besitzen den Süßsensor noch. Sie brauchen ihn, weil die Süße ihnen anzeigt, wo sie zuckerreiche und damit nahrhafte Pflanzen finden.

Vom Großen Panda ist schon länger bekannt, dass er den Geschmack umami – typisch für glutamathaltige Nahrung – nicht wahrnehmen kann. Kein Wunder: Als reiner Bambusfresser kommt diese Geschmacksrichtung in seiner Nahrung ohnehin nicht vor. Offen war jedoch bisher, ob der Panda Süßes schmecken kann oder nicht. Denn der Pflanzenfresser gehört immerhin zur gleichen Ordnung wie Katzen, Hunde, Bären und andere Raubtiere – den Carnivora. Weil Bambus nur sehr wenig Zucker enthält und nicht süß schmeckt, wäre ein Sinn für Süßes für die Bären im Prinzip genauso verzichtbar wie für die reinen Fleischfresser. Um diese Frage zu klären, haben Peihua Jiang vom Monell Chemical Senses Center in Philadelphia und seine Kollegen die Geschmackspräferenzen der Großen Pandas im Experiment getestet und auch ihre Geschmacksgene analysiert.

Zucker ja, Süßstoff nein

Die Forscher führten ihr Experiment mit acht Pandas am Shaanxi Wild Animal Rescue and Research Center in China durch. Jeder der Bären erhielt pro Durchgang zwei Schalen mit Flüssigkeit zur Auswahl, eine mit reinem Wasser, die andere mit einer Lösung von Fructose, Galaktose, Glukose, Laktose oder Maltose in Wasser. Das Ergebnis: Alle Tiere bevorzugten die süßen Lösungen gegenüber dem neutralen Wasser. Von der Fruktose und Glukoselösung tranken sie sogar jeweils einen ganzen Liter in der fünfminütigen Testzeit. Damit war klar: “Pandas lieben Zucker”, wie Jiangs Kollegin Danielle Reed erklärt – und sie können ganz offensichtlich Süßes schmecken. Interessanterweise galt dies jedoch nicht für künstliche Süßstoffe: Während diese chemischen Ersatzstoffe uns Menschen teilweise sogar süßer erscheinen als Haushaltszucker, ist dies bei Pandas offenbar nicht der Fall: Sie ließen die mit Süßstoff gesüßten Lösungen links liegen.

Um mehr über die genetischen Wurzeln dieser Geschmacksunterschiede herauszufinden, isolierten Reed und ihre Kollegen die Gene aus dem Erbgut des Pandas, die für den Süßrezeptor verantwortlich sind. Diese Gene bauten sie anschließend in menschliche Riechzellen ein, die in Zellkultur gehalten wurden. Gaben die Forscher anschließen Zucker zur Nährlösung hinzu, reagierten die Zellen messbar auf dieses chemische Signal – sie registrierten den Zucker als süß. Bei den künstlichen Süßstoffen dagegen blieb die Reaktion aus. Demnach besitzen die Pandas zwar einen Süßsinn, dieser reagiert aber spezifischer auf Zucker als es der unsrige tut.

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Für die Pandas und andere bedrohte Arten sind diese Untersuchungen mehr als nur Grundlagenforschung – sie könnten auch dabei helfen, solche Tiere besser zu schützen und zu erhalten. “Den Geschmackssinn eines Tieres zu untersuchen, liefert uns Hinweise auf ihr Nahrungsspektrum”, erklärt Reed. Und das wiederum trägt dazu bei, in Zoos und Erhaltungszuchten gehaltene Arten gesund und entsprechend ihren biologischen Bedürfnissen zu ernähren. Beim Panda planen die Forscher bereits das nächste Experiment: Sie wollen nun auch noch den Sinn für Bitteres bei dem Bären prüfen.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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