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"Selbstmordenzyme" sind auch an Alzheimer beteiligt

Auf der Suche nach der Kette von Ursache und Wirkung bei Alzheimer sind amerikanische Wissenschaftler einen Schritt vorangekommen: Die schon von Alois Alzheimer 1906 beschriebenen „Plaques“ und die später entdeckten Eiweißknäuel im Gehirn von Alzheimer-Patienten sind nicht zwei voneinander unabhängige Phänomene. Vielmehr aktivieren die Plaques eine Gruppe von Enzymen, die ihrerseits die Bildung der Eiweißknäuel verursachen. Diese Enzyme sind alte Bekannte ? nämlich die auch für den Zellselbstmord verantwortlichen Caspasen. Das schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift PNAS (Online-Vorabveröffentlichung vom 28. Juli).

Im Gehirn von Alzheimer-Patienten herrscht das Chaos: Um einige Nervenzellen bilden sich Klumpen aus Proteinen, die so genannten Amyloid-Plaques. An anderen Stellen entwickeln sich merkwürdige Knäuel aus Eiweißmolekülen, deren Hauptbestandteil das Protein „tau“ ist. Die Mediziner Lester I. Binder und Vincent L. Cryns von der North-Western Universität in Chicago konnten nun an isolierten Nervenzellen im Labor nachweisen, dass die Bildung der Eiweißknäuel eine Folge der Plaquebildung ist.

Durch das Eiweiß beta-Amyloid, den Hauptbestandteil der Plaques, werden Caspasen mobilisiert. Diese Enzyme spielen bei der Apoptose, dem Zellselbstmord, eine wichtige Rolle und können andere Eiweiße spalten. Auch das „tau“-Protein ist ein potenzielles Opfer: Trifft es auf die Caspasen, spalten diese einen Teil seines Endstücks ab. Die verstümmelten „tau“-Moleküle können sich nicht mehr normal verhalten und bilden die schicksalhaften Eiweißknäuel, fassen die Forscher ihre Ergebnisse zusammen.

Die Wissenschaftler betrachten die Aufklärung der Zusammenhänge zwischen der Plaque-Bildung und der Entstehung der Eiweißknäuel als wichtigen Schritt auf dem Weg zum Verstehen der Krankheit. Bis zu einer möglichen ursächlichen Therapie ist es jedoch noch ein sehr weiter Weg, da Auslöser und auch genauer Verlauf nach wie vor nicht komplett bekannt sind.

ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
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