Anzeige
Anzeige
1 Monat GRATIS testen, danach für nur 9,90€/Monat!

Erde|Umwelt Gesellschaft|Psychologie

Selbstmordgefährdete Dichter an ihren Worten erkennen

Es gilt als ausgemacht, dass Dichter öfter an der Welt oder an ihrer Seele leiden als viele andere Berufsgruppen. Dennoch sind nicht alle Lyriker selbstmordgefährdet. Eine neue Studie von zwei amerikanischen Psychologen zeigt, dass man die Suizidgefährdung der Poeten aus ihren dichterischen Worten lesen kann. Ihre Erkenntnisse haben die Forscher in der Zeitschrift „Psychosomatic Medicine“ veröffentlicht.

Shannon Wiltsey Stirman von der University of Pennsylvania und James W. Pennebaker von der University of Texas in Austin haben 156 Gedichte von neun Dichtern, die Selbstmord begangen haben, analysiert. Zum Vergleich haben sie 135 Gedichte von neun Lyrikern herangezogen, die eines natürlichen Todes gestorben waren. Die Texte analysierten sie mit Hilfe eines speziellen Computerprogramms. Die Dichter stammten aus Russland oder aus dem angelsächsischen Raum. Zu der Gruppe derer, die den Freitod gewählt hatten, gehörten Sergej Esenin („Beichte eines Hooligans“), Vladimir Majakovskij („Wolke in Hosen“, „Linker Marsch“) oder Sylvia Plath („Glasglocke“). Zu denen, die sich nicht selbst getötet haben, zählten Osip Mandelstam („Schwarzerde“, in einem stalinistischen Lager umgekommen) oder Boris Pasternak (Autor von zahlreichen Gedichten und von „Doktor Schiwago“).

Die Analyse ergab, dass die Autoren, die später Selbstmord begingen, in ihren Gedichten deutlich häufiger Pronomina der 1. Person Singular , also „ich“, „mich“, „mein“ benutzten als Pronomina der 1. Person Plural wie „wir“, „uns“, „unser“. Letztere Pronomina wurden öfter von den Dichtern verwendet, die später keinen Suizid begingen. Die durch Selbstmord umgekommenen Dichter gebrauchten auch seltener Verben, deren Bedeutungsinhalt „Kommunikation“ oder „Dialog“ war wie etwa „reden“, „teilen“ oder „zuhören“. Dafür gebrauchten sie umso häufiger Wörter, die um das Bedeutungsfeld „Tod“ kreisten. „Suizid-gefährdete Autoren sind weniger an andere gebunden und mehr mit sich selbst beschäftigt“, fasst Stirman die Ergebnisse zusammen. „Unsere Forschung macht auch deutlich, wie Textanalyse die Charakteristiken des Schreibens erhellen kann, die mit Suizid verbunden sind. Sie könnte auch nützlich sein für die Vorhersage von Selbstmord unter den Dichtern.“

Doris Marszk
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Videoportal zur deutschen Forschung

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Ver|kehrs|zei|chen  〈n. 14〉 Zeichen, das ein Gebot, Verbot od. eine Warnung ausdrückt u. somit zur Regelung u. Sicherung des Straßenverkehrs beiträgt

ausset|zen  〈V.; hat〉 I 〈V. t.〉 1 festsetzen, festlegen, ausschreiben, zur Verfügung stellen (Belohnung, Preis, Summe) 2 hinaussetzen, ins Freie setzen (Pflanzen) … mehr

Fan|fa|re  〈f. 19; Mus.〉 1 Trompetensignal 2 kurzes, signalähnl. Musikstück bes. für Trompete od. Horn … mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]