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Dornenkronenseesterne

Spezielle Korallenfresser im Roten Meer

Die Dornenkronenseesterne des Roten Meeres tragen nun den Namen Acanthaster benziei. © PD Dr. Oliver Voigt, LMU Geobiologie

Berühmt-berüchtigte Stachel-Wesen im Visier: Forscher haben die Dornenkronenseesterne des Roten Meeres als eine eigene Art unter den für ihre zerstörerischen „Feldzüge“ berüchtigten Korallenfressern identifiziert. Die Abgrenzung der verschiedenen Spezies kann nun der Erforschung dieser problematischen Riffbewohner in den bedrohten marinen Ökosystemen zugutekommen, sagen die Wissenschaftler.

Stachelig, giftig und gefräßig: Wer sich für die Korallenriffe der Welt interessiert, kennt vermutlich die Bilder von Armeen aus Dornenkronenseesternen (Acanthaster spp.), die manchmal die Unterwasserwelten heimsuchen. Das Markenzeichen dieser maximal 40 Zentimeter großen Meerestiere sind ihre giftigen Stacheln, mit denen sie sich vor Angreifern schützen. Sie bedecken auch ihre bis zu über 20 Arme, mit denen sich diese Seesterne über die Polypen von Steinkorallen im gesamten Indopazifik hermachen. In den letzten Jahrzehnten kommt es immer häufiger zu Massenvermehrungen dieser Wesen, die dann Korallenriffe buchstäblich verheeren können. Es handelt sich dabei um eine große Bedrohung dieser Ökosysteme, die ohnehin durch den Klimawandel und weitere menschengemachte Beeinträchtigungen stark unter Druck stehen. Man geht davon aus, dass auch die Massenvermehrungen der Dornenkronenseesterne eine Folge der aus dem Gleichgewicht gerateten Systeme sind. Ein wichtiger Faktor ist dabei wohl der Schwund ihrer natürlichen Feinde, unter anderem durch die Überfischung.

Nicht nur ein Plagegeist

Aufgrund ihrer wichtigen Rolle sind die Dornenkronenseesterne vergleichsweise gut erforscht. Doch überraschenderweise gab es bisher Unklarheiten über ihre Vielfalt. „Lange nahm man an, dass die erstbeschriebene Art der Gattung, Acanthaster planci, vom Roten Meer über den Indischen Ozean bis über den gesamten Pazifik verbreitet ist“, sagt Erst-Autor Gert Wörheide von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Doch dann zeichneten sich deutlich unterschiedliche Linien unter den Tieren ab. Bisher wurden deshalb bereits drei Arten abgegrenzt, die in unterschiedlichen Teilen des Indopazifiks die Riffe besiedeln: Acanthaster planci im nördlichen Indischen Ozeans, Acanthaster mauritiensis im südlichen Indischen Ozean und Acanthaster cf. solaris im Pazifischen Ozean.

Es gab allerdings auch schon Hinweise darauf, dass die Dornenkronenseesterne im Roten Meer eine weitere Spezies darstellen könnten. Dieser Spur sind Wörheide und seine Kollegen im Rahmen ihrer Studie nun gezielt nachgegangen. „Bei Dornenkronenseesternen aus dem Roten Meer wurden zwar bereits früher vereinzelte Besonderheiten beobachtet, zum Beispiel eine eher nachtaktive Lebensweise oder eine wahrscheinlich geringere Toxizität der Stacheln, aber wir wussten noch nicht, dass es sich tatsächlich um eine eigenständige Art handelt“, so Wörheide. Doch durch ihre genetischen und morphologischen Untersuchungen konnten die Wissenschaftler jetzt erstmals klar zeigen, dass es sich bei den im Roten Meer beheimateten Dornenkronenseesternen tatsächlich um eine sogenannte endemische Spezies handelt. Sie kommt ausschließlich in diesem Nebenmeer des Indischen Ozeans zwischen Nordost-Afrika und der Arabischen Halbinsel vor.

Dünnere Stacheln und weniger Arme

Die nun als Acanthaster benziei beschriebene Art unterscheidet sich demnach deutlich von den anderen Spezies des A. planci-Artenkomplexes. „Das hebt wieder einmal die Bedeutung des Roten Meeres als Ökosystem mit einer einzigartigen Fauna und zahlreichen endemischen Arten hervor“, sagt Wörheide. Neben charakteristischen Sequenzen in der mitochondrialen DNA gehören zu den Besonderheiten auch morphologische Merkmale wie etwa eine geringere Anzahl von Armen und dünnere, anders geformte Giftstacheln, berichten die Wissenschaftler. „Da wir jetzt wissen, dass es sich um eine eigenständige Art handelt, können wir das Augenmerk jetzt auf die Biologie, Ökologie und Toxikologie von A. benziei und der anderen Acanthaster-Arten legen“, sagt Wörheide.

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Dabei stehen auch die Unterschiede bei dem problematischen Aspekt dieser Meerestiere im Fokus. „Durch die saubere Abgrenzung der verschiedenen Arten von korallenfressenden Dornenkronenseesternen können wir die Dynamik von Massenausbrüchen und damit einen weiteren der multiplen Stressoren, die auf tropische Riffe einwirken, noch detaillierter erforschen – letztendlich ein Schritt in Richtung eines besseren Managements der Riff-Ökosysteme“, sagt Wörheide.

Interessant ist den Forschern zufolge dabei, dass sich bei den Dornenkronenseesternen im Roten Meer eine geringere Tendenz zu Massenausbrüchen abzeichnet. „Diese sind vor allem von Acanthaster cf. solaris aus dem westlichen Pazifik bekannt und richten am Großen Barriere-Riff regelmäßig erhebliche Schäden an, während das Phänomen im Roten Meer weniger heftig aufzutreten scheint – ob das auch mit artspezifischen Charakteristika zu tun hat, könnte ein Gegenstand zukünftiger Untersuchungen sein“, so Wörheide.

Quelle: Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns, Fachartikel: ZOOTAXA, doi: 10.11646/zootaxa.5209.3.7

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