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Erde|Umwelt

Spinnen im Gleitflug

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Perfekt getarnt sitzt diese Selenops-Spinne auf der Borke (Marshal Hedin / CC-by-sa 2.0)
Spinnen gelten gemeinhin nicht gerade als große Artisten der Lüfte. Wenn sie sich durch die Luft bewegen, dann höchstens gesichert durch eine stabile Rettungsleine aus Spinnenseide. Doch es gibt auch todesmutige Ausnahmen, wie Biologen jetzt entdeckt haben. Tropische Spinnen der Gattung Selenops stürzen sich komplett ungesichert von ihren Sitzplätzen im Baum in die Tiefe. Doch dank einer raffinierten Flugtechnik wandeln sie ihren Fall in einen kontrollierten Gleitflug um – und landen sicher am Baumstamm.

Was für geflügelte Insekten normal ist, wird bei flügellosen Arthropoden meist zur Todesfalle: Verlieren sie an einem erhöhten Standort das Gleichgewicht, stürzen sie nicht selten in ihren Tod. Denn selbst wenn sie den Aufprall überleben, lauern am Waldboden zahlreiche Räuber, die nur auf eine so schmackhafte Mahlzeit warten. Einige baumlebende Ameisenarten entgehen diesem Schicksal, indem sie ihre Fähigkeiten zum kontrollierten Gleitflug  optimiert haben. Durch gezielte Bewegungen von Hinterbeinen und Körper steuern sie einen rettenden Ast oder den Baumstamm an. Spinnen beherrschen diesen Trick jedoch nicht – so dachte man bisher jedenfalls. Fehlt ihnen die rettende Fangleine aus Spinnenseide, stürzen sie schlicht ab. Darauf deuten auch frühere Fallversuche mit verschiedenen Spinnentieren hin. Doch Stephen Yanoviak von der University of Louisville und seine Kollegen haben nun eine Ausnahme entdeckt: eine Spinne, die einen echten Gleitflug beherrscht.

Es handelt sich dabei um die baumlebende Spinnengattung Selenops. Diese relativ großen, nachtaktiven Spinnen sind typische Bewohner des tropischen Regenwalds im Flachland von Süd- und Mittelamerika. Dort sitzen sie tagsüber bewegungslos an Baumstämmen oder in Rindenritzen versteckt. Ihr bräunlich gefleckter und auffallend abgeflachter Körper verleihen ihnen dabei die nötige Tarnung. Nachts werden die Spinnen aktiv und jagen ihre Beute. Für ihre Fallstudie sammelten die Forscher insgesamt 59 Spinnen von Baumstämmen auf Barro Colorado Island in Panama und im peruanischen Amazonas-Regenwald. An beiden Orten setzen sie die Spinnen jeweils einzeln in glatte Behälter und ließen sie dann von einer Plattform in der Baumkrone oder einem auf Kronenhöhe errichteten Steg fallen. Mit einer Hochgeschwindigkeitskamera filmten die Biologen das Verhalten der Spinne beim Sturz und dokumentierten ihre Flugbahn und Landung.

Gezielte Landung

Die Auswertung ergab Erstaunliches: Statt unkontrolliert zu Boden zu stürzen wie andere Spinnenarten, wandelten die Selenops-Spinnen ihren Fall in einen Gleitflug um. 93 Prozent von ihnen flogen dadurch gezielt auf den nächsten Baumstamm zu und landeten erfolgreich. Am geschicktesten agierten dabei die kleineren Exemplare. Alle aber schafften es, sich im Flug so zu drehen, dass sie Kopf voran flogen. „Die Existenz eines solchen Verhaltens bei einer Spinne war völlig unerwartet“, konstatieren die Forscher. Denn von keinem anderen Spinnentier sei ein solches Verhalten bisher bekannt. “ Gleitende Spinnen stellen eine unwahrscheinliche und ziemlich ungünstige aerodynamische Plattform dar „, so Yanoviak und seine Kollegen. Umso erstaunlicher war das Tempo, mit der Selenops eine aerodynamische günstige Position in der Luft einnahm.

Wie die High-Speed-Aufnahmen enthüllten, führt die Spinne während ihres  Falls komplexe Luftmanöver durch: Sie bringt ihren flachen Körper zunächst in die Waagerechte und streckt ihre Vorderbeine schräg nach vorne und zur Seite aus. Ergänzende Versuche im Windkanal zeigten, dass sie ihre Flugrichtung und Position dabei durch schnelle, asymmetrische Bewegungen der Beine steuert und korrigiert. „Diese reflexhafte Ausrichtung im Flug ist beeindruckend“, so die Forscher. Denn der abgeflachte Körper müsste Drehbewegungen der Spinne eigentlich träge machen. Trotzdem gelang es den Selenops-Spinnen in fast allen Fällen, genügend Kontrolle über ihren Flug zu bekommen, um gezielt am Baumstamm zu landen. „Diese Spinnen repräsentieren damit ein bemerkenswertes evolutionäres Abenteuer bei der Eroberung der Lüfte durch die Tierwelt“, so Yanoviak und seine Kollegen.

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Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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