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Erde|Umwelt

Stadtgrün leistet ganze Arbeit

New York
New York City ist dicht bebaut. © TomasSereda/ iStock

Straßenbäume, grüne Hinterhöfe und anderes Stadtgrün kann mehr Kohlendioxid aufnehmen als landläufig angenommen. Selbst in einer so dicht bebauten Stadt wie New York City schluckt die städtische Vegetation an Sommertagen immerhin bis zu 40 Prozent aller CO2-Emissionen, wie eine Studie belegt. Die Pufferwirkung durch die Photosynthese der Stadtpflanzen reicht damit sogar aus, um an solchen Tagen den gesamten CO2-Ausstoß des Stadtverkehrs zu kompensieren.

Wie viel Grün gibt es in New York City? Den meisten fällt da wahrscheinlich zunächst der Central Park mit seinen Wald- und Grasflächen ein. Der 460 Fußballfelder große Park ist kein schlechter Tipp. Er ist nicht nur Erholungsgebiet für die New Yorker, sondern reinigt auch gleichzeitig ihre Luft. Denn im Zuge der Photosynthese zieht die Vegetation des Central Parks klimaschädliches CO2 aus der Luft und bindet es in Stämmen und Stängeln. Trotz seiner enormen Größe ist der Central Park aber längst nicht alles an Vegetation, was New York zu bieten hat.

Stadtgrün
Stadtgrün-Karte von New York. © Wei et al./ Environmental Research Letters

Ein grüne Karte für New York

Forschende um Dandan Wei von der Columbia University in New York haben nun erstmals ermittelt, wie viel Grün insgesamt in der Großstadt wächst und wie viel CO2 es im Tagesverlauf bindet. Für die Bestandsaufnahme der New Yorker Vegetation wertete das Team hochauflösende Luftaufnahmen von der Stadt aus. Damit konnte es selbst einzelne Straßenbäume, kleine Hinterhofgärten und überwucherte Brachflächen ausmachen, die in den meisten Modellen sonst nicht berücksichtigt werden. Alles dabei identifizierte Grün, trugen die Forschenden in eine Vegetationskarte der Stadtbezirke und ihrer umliegenden Gebiete ein.

Um herauszufinden, wie die Begrünung mit den Kohlenstoffdioxid-Emissionen zusammenhängt, untersuchten Wei und ihre Kollegen außerdem, wie viel CO2 sich in den Monaten Juni bis August 2018 in der Stadtluft befand. Dafür nutzten sie Instrumententürme, die den CO2-Gehalt der Luft kontinuierlich messen und so auch Schwankungen im Tagesverlauf offenbaren. Steigende Werte gehen dabei vor allem auf menschliche Einflüsse wie den Straßenverkehr und sinkende Werte auf die Photosynthese-Leistung der Pflanzen zurück. Mithilfe eines Modells ermittelten die Wissenschaftler auch, wie viel CO2 das Stadtgrün in New York binden kann.

Überraschend viele und „fleißige“ Pflanzen

Das Ergebnis: Es gibt in New York viel mehr Grün als bisher angenommen. Wei und ihre Kollegen haben festgestellt, dass allein die Baumkronen etwa 22 Prozent der Stadtfläche bedecken. Weitere zwölf Prozent entfallen auf Gräser. Die meisten früheren Studien sind von insgesamt gerade einmal zehn Prozent Vegetationsanteil ausgegangen, weil sie nur zusammenhängende Wald- und Grasflächen wie den Central Park miteinbezogen haben. „Die meisten Menschen haben angenommen, dass New York City nur ein grauer Kasten ist, dass es biogenetisch tot ist“, sagt Weis Kollegin Roísín Commane. „Aber nur weil es irgendwo einen betonierten Bürgersteig gibt, heißt das nicht, dass es nicht auch einen Baum gibt, der ihn beschattet.“

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Die Großstadt-Vegetation entfaltet dabei offenbar eine erhebliche Pufferwirkung. Die Analysen der Wissenschaftler ergaben, dass Bäume, Gräser und Co in New York an einigen Sommertagen bis zu 40 Prozent der CO2-Emissionen in der Metropole aufnehmen. Das reicht, um unter anderem den kompletten Straßenverkehr der Großstadt zu kompensieren. In den Untersuchungsmonaten war dieser für 1,2 von insgesamt 14,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid verantwortlich. Die Wissenschaftler beobachteten außerdem, dass die CO2-Konzentration am Morgen mit dem Verkehr und anderen Aktivitäten anstieg und am Nachmittag wieder etwas zurückging. Um diese Zeit ist die Photosytheseleistung der Vegetation am höchsten.

„Dies zeigt uns, dass das Ökosystem in New York City eine Rolle spielt – und wenn es hier eine Rolle spielt, dann wahrscheinlich auch überall sonst“, erklärt Wei. Sie geht davon aus, dass Städte in wärmeren Klimazonen noch stärker von urbaner Vegetation profitieren. Denn anders als im relativ kühlen New York grünt es dort teilweise das ganze Jahr über und nicht nur von Mitte April bis Mitte Oktober. Im nächsten Schritt will das Forschungsteam nun herausfinden, ob es Pflanzenarten gibt, die sich bei der Begrünung von Städten besonders gut als CO2-Fänger eignen.

Quelle: Columbia Climate School; Fachartikel: Environmental Research Letters, doi: 10.1088/1748-9326/aca68f

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