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Erde|Umwelt

Verhängnisvolle Annäherung

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Braunkopf-Kuhstärling: Ab 120 km/h hat er kaum noch eine Chance (thinkstock)
Flüchten oder standhalten? Vor dieser Entscheidung steht fast jedes Tier, wenn sich ihm ein potenzieller Feind oder eine andere Gefahr nähert. Doch im Straßenverkehr schaffen es viele Tiere nicht rechtzeitig zu fliehen, ihre natürlichen Fluchtreaktionen sind an die moderne Technik und ihre Geschwindigkeiten nicht angepasst. Woran dies liegt, haben US-Forscher nun in einem Experiment herausgefunden: Zumindest den nordamerikanischen Braunkopf-Kuhstärlingen wird ihre feste Fluchtdistanz zum Verhängnis. Sie lässt die Tiere erst dann aufflattern, wenn das Auto schon viel zu nah herangekommen ist.

Vor allem wenn die herannahende Bedrohung groß, schnell und bedrohlich aussehend ist, greift bei den meisten Tieren der Fluchtinstinkt – der Vogel fliegt auf, das Reh rennt in den schützenden Wald. Das allerdings geht oft schief, wenn die Gefahr nicht der Fressfeind ist sondern ein Auto, Lastwagen oder Flugzeug. Gerade auf Autobahnen oder der Rollbahn von Flughäfen sterben Millionen Vögel und andere Tiere jedes Jahr durch Kollisionen mit Fahrzeugen. „Warum sie es nicht schaffen zu flüchten und was zur Kollision führt, ist aber bisher unklar“, erklären Travis DeVault vom National Wildlife Research Center in Sandusky, Ohio und seine Kollegen. So könnte es theoretisch sein, dass die Tiere die Geschwindigkeit der Vehikel falsch einschätzen, möglich wäre aber auch, dass sie eine feste Fluchtdistanz haben und erst auffliegen oder weglaufen, wenn diese unterschritten wird – was bei Raubtieren gut klappt, bei den sehr viel schnelleren Fahrzeugen aber zu wenig Zeit zum Flüchten lässt.

Um Näheres herauszufinden, führten DeVault und seine Kollegen Experimente mit Braunkopf-Kuhstärlingen (Molothrus ater) durch. Dieser nordamerikanische Singvogel sucht meist am Boden nach Nahrung und ist daher häufig auf Straßen und Rollbahnen zu finden. Für ihr Experiment nahmen die Forscher mehrere Videos von einem größeren und einem kleineren Pickup-Truck auf, die mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten frontal auf die auf dem Asphalt stehende Kamera zurasten. Diese Videos spielten sie den Vögeln vor und beobachteten deren Reaktion. Sie achteten dabei besonders darauf, wann die Stärlinge auf die vermeintliche Gefahr aufmerksam wurden und wann sie aufflatterten.

Ab 120 km/h wird es tödlich

„Alle Stärlinge zeigten als Reaktion auf das Video ein eindeutiges Fluchtverhalten“, berichten die Forscher. Doch nicht alle schafften es, rechtzeitig abzuheben, so dass sie bei einem echtem Fahrzeug noch entkommen wären. Raste der Pickup-Truck mit Geschwindigkeiten von 120 Kilometern pro Stunde und mehr auf sie zu, wäre es in den meisten Versuchen zu einer Kollision gekommen. Eine genauere Auswertung des Vogelverhaltens enthüllte auch warum: Die Vögel passten ihre Fluchtreaktion nicht an die Geschwindigkeit des Vehikels an. Stattdessen reagierten sie immer erst, wenn der Truck sich ihnen auf eine bestimmte Distanz genähert hatte. „Dadurch wurden die Stärlinge überrumpelt, wenn das Vehikel mit hoher Geschwindigkeit heranraste“, so die Forscher. „Sie passen ihr Verhalten nicht an die Unterschiede in der Geschwindigkeit an und das wird ihnen zum Verhängnis.“

Nach Ansicht der Wissenschaftler zeigt dies zumindest für die Stärlinge, dass ihr bei natürlichen Feinden gut funktionierendes Fluchtverhalten von der menschengemachten Technik schlicht überfordert ist: Die Fahrzeuge sind einfach zu schnell, um noch ein Fliehen zu ermöglichen. Die Fluchtdistanzen der Vögel sind an solche Geschwindigkeiten nicht angepasst. Als Konsequenz empfehlen DeVault und seine Kollegen, die Tempolimits in Vogelschutzgebieten entsprechend anzugleichen. Sollten auch andere Vögel diese Distanzprobleme zeigen, dann wäre es beispielsweise sinnvoll, eine Begrenzung auf maximal 100 oder 120 km/h einzuführen.

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Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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