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Winterliche Seen sind aktiver als lange gedacht

Verstecktes Leben unter dem Eis

Wintersee
Unter dem Eis ist das Leben im See auch im Winter erstaunlich aktiv (Foto: Alexey Trofimov)
Von wegen Winterruhe: Unter dem Eis von zugefrorenen Seen wimmelt das Leben. Trotz der Kälte wachsen Algen in vielen Gewässern rasant, wie Forscher entdeckt haben. Vielerorts ist diese winterliche Produktivität sogar entscheidend, um im Frühjahr Fischen und anderen Tieren genügend Nahrung zu liefern.

Für Biologen und Ökologen, die das Leben in unseren Seen erforschen, war bisher der Winter eine Zeit der Pause. Denn nach gängiger Lehrmeinung passierte unter dem Eis der zugefrorenen Seen ohnehin kaum etwas. Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen würden in der kalten und dunklen Jahreszeit quasi in Winterruhe fallen – so dachte man jedenfalls.

Wimmelndes Leben

Doch genau das erweist sich jetzt als völlig falsch. „Ein See fällt nicht in Schlaf, wenn er mit Eis und Schnee bedeckt ist“, erklärt Liz Blood von der US National Science Foundation. Im Gegenteil, wie eine Auswertung von Daten zu mehr als 100 Seen in gemäßigten Breiten ergab. „Zwar können die niedrigeren Wintertemperaturen und die geringere Helligkeit das Leben im See verlangsamen, aber Algen und Zooplankton sind noch immer reichlich vorhanden und aktiv“, so Blood.

Dort, wo die Eisdecke klar ist und noch genügend Licht ins Wasser fällt, wimmelt sogar das winterliche Leben: „Bei einigen Seen in dieser Studie war die Produktivität im Winter sogar höher als die im Sommer beobachtete“, berichtet Stephanie Hampton von der Washington State University. „Dort, wo wenig Schnee auf dem Eis liegt, findet eine Menge Photosynthese statt und die Organismen haben eine hohe Produktivität.“

Basis für Frühjahr und Sommer

Verborgen unter dem Eis werden im winterlichen See-Ökosystem entscheidende Weichen für die kommende Saison gestellt, wie die Forscher herausfanden. Denn je nachdem, ob das Eis mit Schnee bedeckt ist oder nicht, können Algen und Zooplankton im See bereits Futter für Fische und Co vorproduzieren oder nicht. „in einigen Fällen ist das Zooplankton unter dem Eis wirklich wichtig, um den Grundstein für die im Sommer wachsenden Populationen zu legen“, sagt Hampton. In anderen Fällen sorgt das winterliche Algenwachstum für eine Nährstoffverarmung und schränkt damit die Algenblüte auch im Frühjahr und Sommer ein.

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Spannend auch: Das Eis selbst bildet im Winter die Grundlage für eine ganz eigene Organismenwelt. „Russische Forscher, die viel Zeit auf dem Baikalsee verbringen, machten uns darauf aufmerksam, dass mit dem Eis ein neuer Lebensraum entsteht“, sagt Hampton. Die Unterseite des Eises beispielsweise bietet anheftenden Algen ein Habitat, es bilden sich fädige Anhänge, an denen wiederum Zooplankton Nahrung und Zuflucht findet. „Das ist ein einzigartiges Mikroökosystem“, so die Forscherin.

Was passiert, wenn das Eis künftig wegbleibt?

Gerade weil das Leben in den zugefrorenen Seen so wichtig und gleichzeitig kaum erkundet ist, ist eine Erforschung dieser unbekannten Winterwelt nun höchste Zeit, betonen die Biologen. Denn mit dem Klimawandel verändert sich auch die Eisbedeckung der Seen. „Die Eissaison kann kürzer werden. Es könnte weniger Schnee geben, wodurch mehr Licht ins Wasser fällt“, sagt Hampton. „Es könnte aber auch während der Eisbildung mehr regnen, wodurch das Eis undurchsichtiger wird.“

Wie diese Veränderungen das Leben im See beeinflussen und welche Folgen dies für Fische und andere Seebewohner haben wird, ist bisher weitgehend unbekannt. „Wir verlieren das winterliche Eis ohne wirklich zu verstehen, was wir da verlieren“, betont Hampton. Umso wichtiger sei es nun, dass Limnologen künftig auch das Leben im zugefrorenen See näher erforschen. Denn auch wenn er still zu ruhen scheint – verborgen unter dem Eis tut sich einiges.

Quelle: Washington State University

© natur.de – Nadja Podbregar
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