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Erde|Umwelt Gesundheit|Medizin

Virus in der Muttermilch

HIV-infizierte Mütter sollten keine hochdosierten Vitamin-A- oder beta-Carotin-Präparate einnehmen, wenn sie ihre Kinder stillen wollen. Das empfehlen afrikanische und amerikanische Forscher auf Basis der Ergebnisse einer Studie in Tansania. Darin hatte sich gezeigt, dass solche Mittel die Virusmenge erhöhen, die vom Blut der Mutter in die Muttermilch übergeht. Damit steigt auch das Infektionsrisiko fürs Kind. Der Zusammenhang ist besonders für Mütter in ärmeren Gebieten, speziell in den südlich der Sahara gelegenen afrikanischen Ländern, problematisch, weil stillenden Müttern dort die Einnahme von Vitamin-A-Präparaten empfohlen wird.

Bereits in früheren Studien hatte es erste Hinweise darauf gegeben, dass Vitamin-A-Präparate in einer hohen Dosierung die Übertragung von HIV beim Stillen fördern könnte, ebenso wie die Einnahme von beta-Carotin, das im Körper zu Vitamin A umgebaut wird. In der aktuellen Studie konnten Villamor und seine Kollegen nun einen solchen Effekt eindeutig belegen. Sie hatten dazu Daten von HIV-positiven Frauen aus Tansania ausgewertet, die in den ersten zwei Jahren nach der Geburt ihrer Kinder täglich Vitaminpräparate eingenommen hatten. Einige der Frauen bekamen eine Multivitaminkombination, eine zweite Gruppe nahm Vitamin A in einer hohen Dosis ein, eine dritte wurde mit Vitamin A und Betacarotin versorgt und eine Kontrollgruppe nahm eine vitaminfreie Placebopille. Überprüft wurde der Virusgehalt der Muttermilch 15 Tage nach der Geburt und anschließend zwei Jahre lang jeweils im Abstand von etwa drei Monaten.

In der Milch der Frauen in den Vitamin-A- und Carotin-Gruppen fanden sich signifikant mehr Viren als in der von Müttern, die das Multivitaminpräparat oder die Placebopille eingenommen hatten, entdeckten die Forscher. Sie stießen auch auf eine mögliche Erklärung für den Effekt: Vitamin A und auch beta-Carotin scheinen die Neigung der Frauen zu erhöhen, eine Entzündung der Brustdrüsen zu entwickeln, die allerdings von den Frauen selbst häufig gar nicht bemerkt wird. Dadurch werde das Gewebe der Drüsen durchlässiger, und Blutplasma inklusive der Viruspartikel könne leichter in die Muttermilch übergehen, erläutern die Wissenschaftler.

Die in der Studie eingesetzten Dosen an Vitamin A und beta-Carotin waren deutlich höher als die, die normalerweise mit der Nahrung aufgenommen werden. Sie empfehlen daher, stillenden Müttern zumindest nicht derartig hochdosierte Vitamin-A-Präparate zu verabreichen. Ob es einen ähnlichen Effekt auch bei kleineren Dosen gebe, müsse nun überprüft werden, betonen Villamor und seine Kollegen. Zusätzlich sollte darauf geachtet werden, dass die Frauen gut mit antiretroviralen Medikamenten versorgt werden. Diese Wirkstoffe blockieren die Vermehrung des HI-Virus und verhindern so den Ausbruch von Aids.

Eduardo Villamor (University of Michigan, Ann Arbor) et al.: American Journal of Clinical Nutrition, Onlinevorabveröffentlichung, doi: 10.3945/ajcn.2010.29339 und The Journal of Nutrition, Onlinevorabveröffentlichung, doi: 10.3945/jn.110.122713 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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