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Erde|Umwelt

Vögel: Wozu der Duft des Bürzel-Sekrets dient

Vögel
Vögel nutzen zum Putzen das Öl aus ihrer Bürzeldrüse. © Hayley Crews, Oliver Krüger

Vögel nutzen neben ihrem Gehör und den Augen auch weniger offensichtliche Sinne, darunter den Geruch. So schmieren sie ihr Gefieder mehrmals am Tag mit einem duftenden Sekret aus ihrer Bürzeldrüse ein. Der Duft dieses Bürzelöls legt nahe, das es nicht nur rein praktisch zur Gefiederpflege dient. Wozu der Geruch des Sekrets dienen könnte, haben Forschende nun in einer Metastudie näher untersucht.

Die meisten Vogelarten besitzen an der Wurzel ihres Schwanzes eine besondere Drüse: die Bürzeldrüse. Sie sondert ein öliges Sekret ab, das die Vögel mehrmals am Tag mit dem Schnabel auf ihrem Gefieder verteilen. Dieses Bürzelöl dient unter anderem dazu, das Gefieder zu pflegen, es zu fetten und wasserabweisend zu machen. Doch der Geruch dieses Sekrets weckt schon länger den Verdacht, dass das Bürzelöl noch weitere Funktionen haben könnte, über die bisher wenig bekannt ist.

Um dies aufzuklären, haben Leanne Grieves von der McMaster University in Kanada und ihre Kollegen die Daten von insgesamt 55 Studien ausgewertet, die sich mit dem Bürzel-Sekret und seiner Zusammensetzung befassen. Vor allem saisonale Schwankungen in der chemischen Komposition des Bürzel-Öls sollten dabei Aufschluss über seine Funktion geben. Die Idee der Forschenden: Wenn das Bürzel-Sekret während der Brutzeit der Vögel geruchsintensiver ist, könnte das auf eine Funktion des Öls zur Tarnung der ungeschützten Jungvögel vor Raubtieren hindeuten. Ein geschlechtsspezifischer Unterschied in der Zusammensetzung, speziell während der Paarungszeit, würde hingegen die Hypothese der kommunikativen Funktion des Geruchs-Öls stützen.

Bürzel-Sekret zur Tarnung des Nests

Die Studien, die sich mit saisonalen Schwankungen der Zusammensetzung des Bürzelsekrets beschäftigten, bestätigten eine zeitbedingte Schwankung bei 95 Prozent der untersuchten Vogelarten. „Saisonale Veränderungen in der chemischen Zusammensetzung des Bürzelöls waren nahezu allgegenwärtig“, berichten Grieves und ihre Kollegen. Insbesondere während der Brutzeit enthielt das Ölsekret der Vogeleltern deutlich mehr des organischen Moleküls Diester. Dieses verdunstet langsamer, verändert die Duftmarke des Nests und kann es daher eher vor Fressfeinden verbergen, vermuten die Forschenden.

Das Forschungsteam sah sich auch den Zusammenhang zwischen dem Bürzelöl und der Position der Vogelnester genauer an. Tatsächlich traten jahreszeitliche Unterschiede vor allem bei Bodenbrütern, wie beispielsweise Küstenvögeln, auf. Woran das liegen könnte, erklärt Koautor Marc Gilles von der Universität Bielefeld: „Bodenbrüter sind gegenüber Räubern wie Füchsen, die sich am Geruch orientieren, natürlich besonders gefährdet, weil ihr Nest so leicht zugänglich ist. Eine geruchliche Tarnung würde hier höhere Überlebenschancen für die Jungtiere bedeuten“. Auffallend auch: Bei den Vogelarten, bei denen beide Partner brüten, enthielt das Bürzel-Sekret bei beiden Geschlechtern gleich viel Diester. Brütete hingegen nur das Männchen oder nur das Weibchen, duftete ihr Bürzel-Öl entsprechend stärker.

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Erkennung von Partnern durch Bürzel-Sekret

Insgesamt zeigten sich geschlechtsspezifische Unterschiede aber deutlich seltener als saisonabhängige Schwankungen. Die Studien zeigten bei rund 47 Prozent der untersuchten Vogelarten Abweichungen zwischen Vogelmännchen und -weibchen. Auch hier vermuten die Forschenden einen Zusammenhang: „Wenn wir Unterschiede zwischen den Geschlechtern gefunden haben, traten diese vor allem während der Paarungszeit auf“, berichtet Gilles. Dabei war das Sekret von Weibchen meist mit einer deutlich größeren Fülle und Vielfalt an chemischen Verbindungen assoziiert.

Sie vermuten, dass damit eine erhöhte weibliche Empfänglichkeit ausgedrückt werden könnte. Aber die Veränderung des weiblichen Bürzelöls könnte auch der territorialen Duftmarkierung oder der Erkennung zwischen Mutter und Nachwuchs dienen. Tatsächlich wird in einigen Studien die chemische Zusammensetzung des Sekrets auch mit der Ausprägung des Immunsystems assoziiert. So könnten Vögel anhand der Gerüche erkennen, wie hoch der Grad der Verwandtschaft zwischen ihnen ist. Dies gibt den Vögeln Hinweise darauf, ob ein potenzieller Partner genetisch kompatibel genug ist um gesunden Nachwuchs zu zeugen.

Noch zu ungenaue Daten

Die Ergebnisse deuten demnach daraufhin, dass beide Hypothesen zutreffend sein können. Der Geruch des Bürzelöls könnte sowohl dem Schutz des Nests und der Küken vor Fressfeinden dienen als auch Artgenossen in der Paarungszeit Hinweise auf den reproduktiven Status geben. „Es liegen allerdings aktuell leider nicht genügend Daten vor, um die Hypothesen weiter zu prüfen“, sagt Seniorautorin Barbara Caspers von der Universität Bielefeld. „Zusätzliche Informationen über die Art der Unterschiede könnten aber helfen, die beiden Hypothesen voneinander zu trennen.“

So ist beispielsweise bisher unklar, wieweit die Vögel und auch ihre Fressfeinde den Geruch des Bürzelöls überhaupt riechen können. Außerdem wäre es wichtig, mehr Vogelordnungen in die Studien mit einzubeziehen: Für die Hypothese zur geruchlichen Tarnung beispielsweise wurden bislang vor allem Küstenvögel untersucht. „Auf diese Weise würden wir tiefere Einblicke in die Rolle der chemischen Maskierung und der chemischen Signalgebung bei Vögeln gewinnen“, sagt Caspers.

Quelle: Universität Bielefeld; Fachartikel: Biological Reviews, doi: 10.1111/brv.12837

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