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Erde|Umwelt Gesundheit|Medizin

Vom Hunger nach Alkohol

Das sogenannte Hungerhormon Ghrelin scheint auch eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Alkoholabhängigkeit zu spielen: Zumindest bei Mäusen führt das Hormon, das vom Magen als Hungersignal produziert wird, zu erhöhtem Alkoholkonsum, haben Elisabet Jerlhag und ihre Kollegen von der Universität Göteborg in Schweden herausgefunden. Das Hormon spielt dabei anscheinend eine echte Schlüsselrolle: Fehlt es, löst der Alkohol keine Aktivität des Belohnungszentrums im Hirn aus ? und dieser Effekt gilt als eine der Ursachen für Suchterkrankungen.

Ghrelin ist ein Hormon, das im Magen produziert wird, um Hungergefühle zu erzeugen. Frühere Studien haben gezeigt, dass Ghrelin sowohl bei Ratten als auch beim Menschen appetitanregend wirkt, wenn sie es vor dem Essen gespritzt bekommen. Das Hungerhormon wirkt im Gehirn sowohl auf den sogenannten Hypothalamus ein, der viele grundlegende Bedürfnisse wie Hunger und Durst steuert, als auch auf Regionen, die mit dem Verarbeiten von Belohnungen in Verbindung stehen. Derartige Belohnungsprozesse scheinen sowohl bei der Entwicklung von Esssucht als auch bei Alkoholsucht eine Rolle zu spielen.

Um die Hypothese zu testen, dass Ghrelin mitverantwortlich ist bei der Entstehung von Alkoholabhängigkeit, spritzten die Forscher Mäusen Ghrelin direkt ins Belohnungszentrum des Gehirns. Die Mäuse konnten dann zwischen zwei Trinkflaschen wählen, von denen eine Wasser und die andere ein Wasser-Alkohol-Gemisch enthielt. Mäuse mit Ghrelin-Spritzen tranken deutlich mehr Alkohol als Wasser ? bis zu 45 Prozent mehr. Umgekehrt schienen die Mäuse deutlich weniger auf den Alkohol anzusprechen, wenn die Forscher ihnen chemische Stoffe verabreichten, die die Wirkung von Ghrelin blockierten ? vermutlich, weil ihr Gehirn weniger Dopamin produzierte. Dopamin wird im Gehirn als eine Art Belohnungshormon ausgeschüttet und löst Glücksgefühle aus. Fazit der Forscher aus diesen Untersuchungen: Ghrelin regt das Belohnungssystem an, dieses produziert Dopamin und das wiederum lässt Glücksgefühle entstehen, die zu einer Sucht führen können.

Die Forscher konnten auch ausschließen, dass die Mäuse den Alkohol wegen seiner Kalorien zu sich nahmen: Obwohl einige der Stoffe, die das Ghrelin blockierten, ein Hungergefühl förderten, sank bei den Mäusen der Alkoholkonsum. Es scheint also, also würde Ghrelin tatsächlich eine Alkoholabhängigkeit fördern beziehungsweise ihr Entstehen überhaupt erst ermöglichen. Sollten sich diese Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, ergäbe sich ein vielversprechender Ansatz zur Behandlung von Alkoholabhängigkeiten.

Elisabet Jerlhag (Universität Göteborg in Schweden) et al.: PNAS , doi:10.1073/pnas.0812809106 ddp/wissenschaft.de ? Stefanie Strauch
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