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Warum kalorienreiches Essen glücklich macht

Kalorienreiche Lebensmittel machen glücklich ? selbst dann, wenn sie nach nichts schmecken. Verantwortlich dafür ist das Belohnungszentrum im Gehirn, haben Forscher nun in einer Studie bei Mäusen nachgewiesen: Es reagiert nicht nur auf den Geschmack, sondern unabhängig davon auch auf den Kaloriengehalt des Essens. Die Forscher um den Portugiesen Ivan de Araujo vermuten, dass dieser Effekt einer der Faktoren ist, die die aktuelle Fettleibigkeitsepidemie begünstigen ? wie genau er sich jedoch auswirkt, können sie noch nicht sagen.

Grundsätzlich wird die Nahrungsaufnahme vom Hypothalamus kontrolliert, einer Hirnregion, die anhand von Signalen aus dem Körper entscheidet, ob ein Bedarf an Nährstoffen besteht oder nicht. Die Anweisungen dieser Steuerzentrale können jedoch durch übergeordnete Hirnzentren außer Kraft gesetzt werden. Dazu gehört auch das Belohnungssystem, hatten bereits frühere Studien gezeigt: Wird es durch einen angenehmen Geschmack aktiviert, schüttet es den Botenstoff Dopamin aus und erzeugt ein Wohlgefühl, das den Menschen dazu bringen kann, mehr zu essen, als er eigentlich benötigt. Das funktioniert auch dann, wenn etwa ein süßer Geschmack nicht von nahrhaftem Zucker, sondern von einem nährstofffreien Süßstoff stammt.

Unklar war bislang hingegen, ob umgekehrt der Nährstoffgehalt allein ausreicht, um das Belohungszentrum zu aktivieren. Um das zu testen, schalteten die Wissenschaftler bei einigen Mäusen den Geschmacksrezeptor für Süßes aus. Anschließend beobachteten sie, wie die Tiere auf eine Zuckerlösung, eine mit Süßstoff gesüßte Flüssigkeit und einfaches Wasser reagierten. Das Ergebnis: Während normale Tiere keinen Unterschied zwischen den beiden süßen Varianten machen, bevorzugten die geschmacksblinden Mäuse immer das Zuckerwasser, unabhängig davon, ob die Alternative das geschmacksneutrale oder das mit Süßstoff gesüßte Wasser war. Das spiegelte sich auch in ihrem Belohnungszentrum wider: Es reagierte ausschließlich auf den Zucker, wohingegen es bei den normalen Mäusen bei beiden süßen Flüssigkeiten aktiv wird.

Das Belohnungszentrum enthält also sowohl Nervenzellen, die auf einen angenehmen Geschmack anspringen, als auch solche, die auf den Nährstoffgehalt reagieren, schließen die Forscher. Es scheint demnach direkt mit dem Magen-Darm-Trakt in Verbindung zu stehen. Der wichtigere Faktor von beiden ist jedoch der Geschmack: Der Kaloriengehalt spielt zumindest bei den Mäusen nur dann eine Rolle, wenn sie keine Informationen über den Geschmack haben ? eine gegenseitige Verstärkung der Effekte gibt es nicht. Dennoch sollte die Wirkung des Nährstoffgehalts auf das Belohnungszentrum in zukünftigen Studien zum menschlichen Essverhalten berücksichtigt werden, empfehlen die Forscher.

Ivan de Araujo (Universität Porto) et al.: Neuron, Band 57, S. 930 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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