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Erde|Umwelt

Weise Orca-Damen und der Sinn der Menopause

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Orcas, auch Killerwale genannt. Credit David Ellifrit, Center for Whale Research
Das Klimakterium ist ein Mysterium: Warum beenden die Wechseljahre bereits im zweiten Lebensdrittel die Fruchtbarkeit von Frauen? Eine Studie an Schwertwalen, bei denen es ebenfalls zur Menopause kommt, wirft nun Licht auf diese Frage. Durch das Ende ihrer Fruchtbarkeit können sich reifere Damen demnach besser ihrer neuen Rolle widmen: Sie werden zu langlebigen Hüterinnen der Weisheit, die vor allem in Notsituationen ihrer Gruppe das Überleben sichern können.

Das Klimakterium der Frau zeigt erstaunliche Parallelen zu seinem Pendant bei den Schwertwalen: Weibliche Tiere bekommen ihre Jungen im Alter von 12 bis 40 Jahren. Danach endet ihre fruchtbare Lebensphase – doch den Orca-Damen steht oft noch ein langes Leben bevor: Sie können ein Alter von über 90 Jahren erreichen. Männliche Tiere werden hingegen meist nur um die 50, belegen Untersuchungen. Die Tiere leben zudem in Sozialstrukturen, die denen des Menschen ähneln. Der Erfolg der hochintelligenten Säuger basiert auf Wissen über Zusammenhänge in ihrem Lebensraum und auf engen persönlichen Beziehungen zwischen den Gruppenmitgliedern.

Großmutter-Hypothese untermauert

Als Erklärungsansatz für den evolutionären Ursprung des Klimakteriums beim Menschen  wurde bereits die sogenannte Großmutter-Hypothese angeführt. Sie besagt, dass Frauen jenseits der Wechseljahre durch ihre Erfahrungen dem Überleben der Sippe und damit den eigenen Genen nützten: Sie sicherten sich durch kluge Sorge um ihre Kinder und Enkel mehr Nachkommen als durch die Geburt weiterer eigener Kinder. Doch wissenschaftlich untermauern lässt sich dieser Erklärungsansatz beim heutigen Menschen kaum: Kulturelle Faktoren verstellen die entsprechenden Zusammenhänge. Doch beim Schwertwal ist dies nicht der Fall, sagen Lauren Brent of the University of Exeter und ihre Kollegen.

Die Schlussfolgerungen der Forscher basieren auf Daten, die das US-amerikanische Center for Whale Research in Friday Harbour im Laufe der letzten 35 Jahre gesammelt hat. Die Informationen umfassen Verhaltens-Beobachtungen von 102 wildlebenden Schwertwalen, ihre Lebensdaten sowie deren genetische und soziale Beziehungen untereinander. Für ihre Studie kombinierten die Forscher diese Ergebnisse mit Aufzeichnungen über die Bestandsentwicklungen des Lachses, der für die Schwertwale im Untersuchungsgebiet die Hauptnahrungsquelle darstellt.

Kluge Orca-Omas übernehmen die Führung

Den Forschern zufolge zeichnet sich in den Daten deutlich die Funktion der weiblichen Schwertwale jenseits der Wechseljahre ab. Besonders in kritischen Jahren, in denen es nur wenig Lachse gab, übernahmen sie die Führung der Gemeinschaft, geht aus den Aufzeichnungen hervor. Die Orca-Damen leiteten dabei die jüngeren Gruppenmitglieder – besonders ihre eignen Söhne – zu speziellen Jagdplätzen, an denen es auch in mageren Zeiten noch vergleichsweise viele Lachse zu schnappen gab. „Unsere Studie belegt erstmals, dass weibliche Schwertwale so lange über ihre reproduktive Phase hinaus leben, damitm ihre Weisheit ihren Nachkommen zugute kommt“, sagt Brent.

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Den Forschern zufolge erscheint plausibel, dass der Ursprung der Menopause sowohl beim Menschen als auch beim Schwertwal einen ähnlichen Hintergrund besitzt. „Es wurde bereits spekuliert, die Wechseljahre beim Menschen seien nur ein Phänomen, das durch die künstliche Lebensverlängerung durch die Medizin und die verbesserten Lebensbedingungen entstanden ist“, sagt Co-Autor Darren Croft. Die aktuellen Ergebnisse lassen es nun allerdings wiederum plausibel erscheinen, dass es sich bei der Menopause um eine evolutionäre Anpassung handelt. Ähnlich wie bei den Schwertwalen könnten demnach auch bei unseren Jäger- und Sammler-Vorfahren die Frauen jenseits der Wechseljahre oft eine Schlüsselrolle für dass Überleben der Sippe gespielt haben. Sie waren die Hüterinnen eines kostbaren Schatzes – des Erfahrungsschatzes.

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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