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Erde|Umwelt

Wie der Klimawandel die Vogelwelt verändert

Vogel
Viele Vogelarten werden ihre Verbreitungsgebiete wegen des Klimawandels weiter polwärts verlagern. © Stephen Willis / Senckenberg

Im Zuge der globalen Erwärmung verlagern sich die Verbreitungsgebiete vieler Vögel. Auf den ersten Blick führt dies gerade in höheren Lagen und nördlichen Breiten zu einer Zunahme der Artenzahl. Doch wie nun eine genauere Analyse enthüllt, täuscht dies über eine phylogenetische Verarmung hinweg: Vielerorts nimmt die Anzahl eng verwandter, ökologisch ähnlicher Vogelarten zu, dafür verschwinden seltenere Vögel mit einzigartigen evolutionären und ökologischen Eigenschaften.

Amsel, Kohl- und Blaumeise, Elster und Haussperling – diese häufigen Vögel sind heute auf Grünflächen in vielen Regionen Deutschlands zu beobachten, aber es gibt auch seltenere Arten wie Storch, Blaukehlchen oder Steinkauz. Doch wie sieht das im Jahr 2080 aus? Wie wirkt sich der Klimawandel auf diese Artengemeinschaften aus? Welche Vogelarten werden wir in Zukunft in Hessen und dem Rest der Welt vorfinden?

Es kommt auch auf den Verwandtschaftsgrad an

Erste Antworten darauf haben Alke Voskamp vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum Frankfurt (SBiK-F) und ihre Kollegen gefunden. „Wir haben die Auswirkungen der globalen Erwärmung an Land auf die regionale Verteilung von Vögeln der ganzen Erde untersucht“, sagt Voskamp. „Dabei standen sowohl die Auswirkungen auf den Artenreichtum als auch auf verschiedene Aspekte der phylogenetischen Vielfalt im Fokus, insbesondere wie nah die Arten miteinander verwandt sind.“ Dafür wertete das Team die Verteilungsdaten von weltweit 8768 Vogelarten aus und analysierte jeweils auf regionaler Ebene, wie viele Abstammungslinien in Artengemeinschaften verloren gehen oder hinzukommen, wenn Arten dem Klimawandel folgen und sich dadurch ihre Verbreitungsgebiete verschieben, vergrößern oder verkleinern.

„Es geht uns in der Studie nicht nur darum, wie viele Arten am Ende vorhanden sind, sondern auch wie divers die Vogelgemeinschaft ist“, erklärt Voskamps Kollegin Susanne Fritz. „Zwei Sperlingsarten bilden beispielsweise eine gänzlich andere Gemeinschaft als ein Sperling und ein Steinkauz – die zweite Gemeinschaft ist phylogenetisch und ökologisch sehr viel diverser als die erste.“ Um zu prognostizieren, wie sich die Verbreitungsgebiete der Vogelarten bis zum Jahr 2080 verschieben, nutze das Forschungsteam Daten für zwei Klimaszenarien – eines mit effektivem Klimaschutz (RCP 2,6) und eines mit einer mittleren Emission von Treibhausgasen (RCP 6.0).

Zunehmende phylogenetische Homogenisierung

Die Auswertungen ergaben: Vor allem in den nördlichen Breiten scheint die Artenvielfalt auf den ersten Blick sogar zuzunehmen. Im Zuge des Klimawandels dehnen mehr Vogelspezies ihr Verbreitungsgebiet in höhere Lagen und weiter polwärts liegende Bereiche aus. Dadurch wird die Artenzahl in tropischen Regionen und vielen Gebieten auf der Südhalbkugel eher geringer, in nördlichen Breiten wie dem Norden Nordamerikas und Eurasiens dagegen höher. Das Problem jedoch: „Die hinzukommenden Vogelarten sind größtenteils eng miteinander und den schon in dieser Gegend vorkommenden Arten verwandt“, berichtet das Team. Gleichzeitig verschwinden in diesen Gebieten Spezies, die nicht in diese Verwandtschaftsgruppen gehören.

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Den Prognosen zufolge werden solche Umstrukturierungen von Artengemeinschaften überall auf der Welt auftreten, wenn auch in unterschiedlich hohem Maße. Auch große Teile Europas seien davon betroffen, so die Forschenden. Insgesamt führt diese Entwicklung ihrer Einschätzung nach in vielen Regionen zu einer phylogenetischen Homogenisierung – mit potenziell negativen Folgen für die Ökologie: „Die Vielfalt der Abstammungslinien, also die phylogenetische Struktur der Artengemeinschaft, steht sehr häufig in Beziehung zur Diversität der Eigenschaften von Arten und damit auch zu ihren Rollen und Funktionen in Ökosystemen“ erläutert Voskamp. „Eine Veränderung heißt demnach, dass sich die Ökosystemfunktionen, die Vögel erfüllen, in Zukunft ebenfalls ändern könnten – mit Konsequenzen für Nahrungsnetze ebenso wie für die Samenausbreitung und die Bestäubung von Pflanzen.“

Quelle: Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen; Fachartikel: Proceedings of the Royal Society B – Biological Sciences, doi: 10.1098/rspb.2021.2184

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