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Erde|Umwelt Gesundheit|Medizin

Wie der Körper Skorbut vorbeugt

Der menschliche Körper hat einen ausgeklügelten Mechanismus entwickelt, um zu kompensieren, dass er Vitamin C nicht selbst herstellen kann: Er nutzt ein effizientes Recycling- und Transportsystem, um seinen Bedarf zu decken. Entscheidend dafür sind umgebaute Zuckertransporter, die sich in den roten Blutkörperchen befinden, hat nun ein internationales Forscherteam gezeigt. Wie winzige Fließbänder bringen sie verbrauchtes Vitamin C in die Zellen hinein, wo es augenblicklich recycelt und dann mit dem Blut weitertransportiert wird. Neben dem Menschen verfügen lediglich noch Affen, Meerschweinchen und Flughunde über ein solches Kompensationssystem ? ausschließlich die Tiere also, die die Fähigkeit zur Vitamin C-Produktion irgendwann in ihrer Entwicklung verloren haben, berichten Amélie Montel-Hagen und ihre Kollegen.

Vitamin C, auch Ascorbinsäure genannt, dient dem Körper bei vielen verschiedenen Stoffwechselvorgängen als Antioxidans und ist außerdem unverzichtbar für den Aufbau einer ganzen Reihe von Biomolekülen. Während die meisten Säugetiere das Vitamin in ihrer Leber aus Glukose herstellen können, trat bei einem Vorfahr des Menschen vor schätzungsweise 20 bis 25 Millionen Jahren ein genetischer Defekt auf, der den letzten Schritt dieses Herstellungsprozesses unmöglich machte. Um das zu kompensieren, müssen die Menschen seitdem die Ascorbinsäure mit ihrer Nahrung aufnehmen und sie zudem möglichst effizient nutzen.

Das wichtigste Hilfsmittel dabei ist ein Eiweißmolekül namens Glut1, konnten die Forscher nun zeigen. Es kommt beim Menschen in großen Mengen in der Hülle roter Blutkörperchen vor ? ebenso wie bei allen anderen Tieren, die kein Vitamin C herstellen können. Die Blutzellen von Mäusen, Hunden und Katzen hingegen, deren Körper Ascorbinsäure produzieren, besitzen das Protein nicht. Wie die Wissenschaftler entdeckten, macht Glut1 beim Menschen zudem im Lauf des Lebens eines Blutkörperchens einen Wandel durch: Während es zuerst hauptsächlich Glukose transportiert, spezialisiert es sich nach und nach immer mehr auf verbrauchtes Vitamin C, auch DHA genannt, bis es praktisch ausschließlich das Vitamin befördert.

Verantwortlich für diesen Wechsel ist ein weiteres Eiweißmolekül namens Stomatin: Es schaltet den Glukosetransport aus und parallel den effizienten DHA-Transport ein. Auf diese Weise kann der Körper überall dort, wo Vitamin C verbraucht wird, das nutzlose DHA aufsammeln, es recyceln und dann dorthin transportieren, wo frische Ascorbinsäure benötigt wird, erläutern die Forscher. Damit gelingt es dem Menschen, mit extrem wenig Vitamin C auszukommen: Er benötigt lediglich ein Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht, während beispielsweise Ziegen mehr als 200 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht produzieren und verbrauchen.

Amélie Montel-Hagen (Universität Montpellier I und II) et al.: Cell, Bd. 132, S. 1039 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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