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Wie die eigene Biografie im Gehirn verarbeitet wird

Das Gehirn verarbeitet Erinnerungen an die eigene Vergangenheit auf zwei unterschiedliche Arten. Das haben kanadische Wissenschaftler bei einer Studie entdeckt, in der sie fünf Probanden an unterschiedliche Aspekte ihres Lebens erinnerten und gleichzeitig ihre Gehirnaktivität bestimmten. Die Erinnerung an spezielle Ereignisse rief dabei ein anderes Aktivitätsmuster hervor als Erinnerungen, die allgemeine Zusammenhänge oder Gewohnheiten betrafen. Das berichten Brian Levine und seine Kollegen von der Universität Toronto in der Fachzeitschrift Journal of Cognitive Neuroscience (Bd. 16, S. 1633).

Die Probanden führten sechs bis acht Monate lang ein Tonband-Tagebuch. Darin zeichneten sie sowohl Aussagen über persönliche Gewohnheiten und Tatsachen wie „jeden Freitag gehe ich mit dem Hund spazieren“ auf als auch Erinnerungen an einzelne Ereignisse aus ihrem täglichen Leben, wie „heute ist der Hund beim Spazierengehen weggelaufen und ich musste ihn eine Stunde lang suchen“. Während der eigentlichen Untersuchung im Magnetresonanztomographen wurden den Probanden diese Aufnahmen vorgespielt. Gleichzeitig bestimmten die Wissenschaftler, welche Hirnregionen bei welchen Erinnerungen aktiv waren.

An allen autobiografischen Erinnerungen waren Bereiche des vorderen Stirnlappens beteiligt, die für die allgemeine Selbst-Wahrnehmung zuständig sind, fanden die Forscher heraus. Erinnerungen an spezielle Ereignisse aktivierten zusätzlich Areale im mittleren Schläfenlappen, die an der Wiederherstellung weit zurückliegender Erinnerungen beteiligt sind, und Bereiche in der rechten Gehirnhälfte, die bei der Rekonstruktion räumlicher Zusammenhänge und der Orientierung eine Rolle spielen. Erinnerungen an allgemeingültige Fakten riefen dagegen Aktivitäten in Systemen der linken Gehirnhälfte hervor.

„Obwohl sich beide Arten von Erinnerungen auf das eigene Leben beziehen, dienen sie verschiedenen Zwecken“, erklärt Studienleiter Levine. Allgemeine Fakten über das eigene Leben sind so abgespeichert, dass sie immer zur Verfügung stehen und die Informationen sozusagen im Hintergrund mitlaufen. „Diese Erinnerungen verankern uns im Boden der Zeit und geben uns Kontinuität“, so Levine. „Die episodischen Erinnerungen dagegen ermöglichen uns eine Art Zeitreise, in der wir die Vergangenheit noch einmal erleben können“. Die Ergebnisse sollen den Forschern nun helfen, Gedächtnisstörungen besser zu verstehen. Bei bestimmten Gehirnverletzungen fällt beispielsweise das episodische Gedächtnis aus, was bei den Betroffenen zu schweren Orientierungsproblemen führen kann.

ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
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