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UN-Biodiversitätsgipfel

Wie sich die Artenvielfalt noch retten lässt

Artenschutz
Wie kann der Schutz der Artenvielfalt gelingen? © RomoloTavani/ iStock

Heute, am 7. Dezember 2022, beginnt der Biodiversitätsgipfel der Vereinten Nationen, bei dem eine globale Rahmenvereinbarung für den Erhalt der Artenvielfalt entstehen soll. Welche Maßnahmen dafür nötig wären und was am besten gegen den weltweiten Artenschwund hilft, haben deutsche Wissenschaftler in einer Liste der zehn „Must-Dos“ für die Verhandlungspartner zusammengestellt. Unter anderem sollen 30 Prozent des Planeten bis 2030 unter Schutz gestellt werden.

„Auf dem Biodiversitätsgipfel werden Regierungen aus aller Welt zusammenkommen, um sich auf eine Reihe neuer Ziele für die Natur zu einigen“, schreiben die Vereinten Nationen auf ihrer Webseite. Die verhandelnden Parteien wollen sicherstellen, „dass bis 2050 die gemeinsame Vision eines Lebens im Einklang mit der Natur verwirklicht wird.“ Wissenschaftler des Leibniz-Forschungsnetzwerks Biodiversität befürchten allerdings, dass der heute, am 7. Dezember 2022, startendende Gipfel diese Zielsetzung verfehlen könnte. Sie empfehlen zehn Ansätze, die ihrer Ansicht nach dringend bei den Verhandlungen berücksichtigt werden müssen.

„Artenvielfalt ist kein Luxus. Sie sichert unsere menschliche Existenz. Biodiversität liefert Nahrung, sauberes Wasser und Medikamente. Sie sorgt dafür, dass Ökosysteme funktionieren. Wir brauchen biologische Vielfalt für unsere Gesundheit, unsere Identität“, macht Katrin Böhning-Gaese vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum die Bedeutsamkeit der Forderungen klar, die sie und ihre Kollegen veröffentlicht haben.

Ökosysteme schützen

Ganz oben auf der Liste der Forschenden steht der Schutz von Ökosystemen an Land und im Meer. Bisher haben menschliche Eingriffe bereits die Lebensräume von 83 Prozent der wildlebenden Säugetiere und von 50 Prozent der Pflanzen gravierend verändert und geschädigt. Die Wissenschaftler fordern deshalb, bis zum Jahr 2030 insgesamt 30 Prozent des Planeten offiziell unter Schutz zu stellen. Diese Forderung wurde auch schon im Vorfeld des Biodiversitätsgipfels von Forschenden, Naturschutzorganisationen und auch einigen Politikern als Ziel formuliert. Ein weiterer Punkt unter den “Must-Dos” besteht darin, den Schutz der Biodiversität weltweit als oberste Priorität zu verankern, die bei politischen Entscheidungen berücksichtigt werden muss. Dazu zähle auch, Schutzstrategien über Staatsgrenzen hinweg zu verfolgen, so die Wissenschaftler.

Zudem müssten weltweit eine Milliarde Hektar geschädigter Ökosysteme renaturiert werden. “Die Renaturierung und die umfangreiche Wiederherstellung von Lebensräumen für mehr biologische Vielfalt ist eine echte Zukunftsaufgabe, aber angesichts des Artensterbens dringend geboten”, sagt Wolfgang Wende vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung. Der Schutz und die Renaturierung von Ökosystemen könnten nicht nur dabei helfen, rund zwei Drittel der vom Aussterben bedrohten Arten zu erhalte. Dies würde auch dazu beitragen, den Klimawandel zu bremsen und die Erwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen.

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Landwirtschaft reformieren

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Umgestaltung der Landwirtschaft und der heute dominierenden Bewirtschaftungs- und Finanzierungssysteme. „Wir brauchen klare umweltpolitische Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft und ein langfristig ausgerichtetes, flexibles Honorierungssystem für Biodiversität und andere Ökosystemleistungen”, betont Bettina Matzdorf vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung. “Wir werden nur gemeinsam mit motivierten Landwirtinnen und Landwirten die vielfältigen Agrarlandschaften entwickeln, die für den Erhalt der Biodiversität notwendig sind.“ Statt der heute üblichen Subventionen nach Flächen oder Produktionsmengen müsse mehr Geld in umweltfreundliche, naturerhaltende Landwirtschaft gesteckt werden.

Weitere erstrebenswerte Ziele bestehen laut Forschungsnetzwerk darin, die Städte zu begrünen, Lichtverschmutzung zu reduzieren, weltweite Biodiversitätsdatenbanken weiter auszubauen und indigene Sprachen zu bewahren. „Mit dem Verlust der Sprachen verlieren wir das traditionelle ökologische Wissen indigener Völker, das für die Erhaltung und den Schutz ihres natürlichen Lebensraums von entscheidender Bedeutung ist“, erklärt Tonjes Veenstra vom Leibniz-Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaften.

„Der Weltnaturgipfel in Montreal entscheidet über das Schicksal der Biodiversität“, sagt Böhning-Gaese, „Damit geht es auch um die Frage, ob wir und unsere Kinder und Enkelkinder in Zukunft gut auf der Erde leben können.“ Der UN-Biodiversitätsgipfel endet am 19. Dezember. Das Ergebnis ist noch offen.

Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung; Fachartikel: Leibniz-Forschungsnetzwerk Biodiversität, doi: 10.5281/zenodo.7322802

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