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Geisternetze und Co

Wie viel Fischerei-Zubehör landet im Meer?

Geisternetze
Verlorene Fischernetze und Leinen am Strand. © Bo Eide

Verloren oder absichtlich entsorgt: Verlorene Fischereiausrüstung ist für Meerestiere eine tödliche Gefahr. Jetzt zeigt eine neue Erhebung, dass weltweit rund zwei Prozent aller in der kommerziellen Fischerei verwendeten Haken, Langleinen und Netze im Ozean landen. Jährlich sind dies allein rund 14 Milliarden Langleinenhaken, 25 Millionen Reusen und Fallen sowie fast 740.000 Kilometer Fangleinen – letzteres reicht aus, um den Globus 18-mal zu umspannen.

Die Fischerei leistet einen wichtigen Beitrag zur Nahrungsversorgung und schafft Arbeitsplätze in vielen Ländern. Doch Überfischung und dadurch sinkende Fischbestände werfen einen Schatten auf den Fischfang. Hinzu kommt, dass große Bodenschleppnetze, die auf möglichst hohe Ausbeute abzielen, den Meeresboden und damit Lebensraum der Fische zerstören. Ein weiteres, erst kürzlich erkanntes Problem ist, dass bei Fangfahrten und anderen Fischereifahrten oft Ausrüstung wie Netze und Leinen zurückgelassen, verloren oder anderweitig im Meer entsorgt werden und damit die Verschmutzung der Ozeane verschärfen.

“Geisternetzen” auf der Spur

Zwar gibt es bereits Bemühungen vonseiten der Regierungen, den Verlust oder das Wegwerfen von Ausrüstung im Meer einzuschränken, doch bisher fehlen ausreichend Daten zum Ausmaß des Problems, um Regularien und Verbote entsprechend anzupassen und effektiv zu machen. „Angesichts der Zunahme der weltweiten Fischerei und der Verbesserung der Fangtechniken im letzten halben Jahrzehnt sind aktualisierte globale Schätzungen erforderlich, die den aktuellen Stand der globalen Fischerei widerspiegeln und gezielte Lösungen ermöglichen“, sagen Kelsey Richardson von der University of Tasmania und ihre Kollegen.

Die Wissenschaftler haben es sich daher zur Aufgabe gemacht, diese Lücke zu füllen. Für ihre Studie haben sie 451 Fischer aus der ganzen Welt in Bezug auf ihre Ausrüstung und Verluste interviewt. Die Fischer, die unter anderem aus den USA, Indonesien und Marokko kamen, beantworteten Fragen dazu, welche Netze, Reusen und sonstige Gerätschaften sie nutzten, wie viel und wie oft sie eingesetzt werden und wie oft die verschiedenen Ausrüstungsteile verloren gehen. Das Forschungsteam rechnete dann auf Basis dieser Daten, der Größe des Schiffs und weiteren Daten hoch, was dies für die gesamten jährlichen Verluste der weltweiten Fischerei bedeutet.

18-mal um die Erde

Den Berechnungen zufolge gehen pro Jahr fast zwei Prozent der globalen Ausrüstung der kommerziellen Fischereien im Meer verloren. „”Wir haben herausgefunden, dass 14 Milliarden Langleinenhaken, 25 Millionen Reusen und Fallen und fast 740.000 Kilometer Langleinen jedes Jahr durch die weltweite kommerzielle Fischerei in unseren Ozeanen landen”, berichtet Co-Autorin Britta Hardesty von der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation in Australien (CSIRO). Die verlorenen Langleinen würden aneinandergeknotet 18-mal um die Erde reichen.

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Die Ergebnisse zeigten weiterhin, dass mit 3,94 Prozent der jährliche Verlust an Boden-Schleppnetzen am größten ist und dass diese Fischerboote deutlich mehr Ausrüstung verlieren als beispielsweise Fischer, die in höheren Wasserschichten ihre Schleppnetze auswerfen. „Die hier beobachteten höheren Verluste von Ausrüstung bei Grundschleppnetzen im Vergleich zu Mittelwasserschleppnetzen entsprechen den Ergebnissen früherer Analysen über größere Verluste bei Fanggeräten, die Kontakt mit dem Boden haben“, berichten Richardson und ihre Kollegen.

Kleine Boote verlieren mehr

Auch wenn große Fischfangschiffe meist mehr Ausrüstung an Bord haben, wiesen die Ergebnisse der Forschenden daraufhin, dass kleine Boote eine deutlich höhere Verlustquote haben als große Trawler. Richardson und ihren Kollegen zufolge liegt das an den meist höherwertigen Fanggeräten sowie besserer Navigation und Technologie an Bord, wie sie üblicherweise auf größeren Fischereifahrzeugen genutzt werden.

Diese verbesserte Ausrüstung, die in den letzten Jahren vermehrt Anwendung fand, ist nach Angaben der Wissenschaftler vermutlich auch der Grund dafür, dass sie mit ihren aktuellen Daten weniger Verlust von Ausrüstung nachweisen konnten als frühere Studien. Doch Grund zum Aufatmen ist das nicht, denn die Erhebung war alles andere als vollständig und erfasste nur die kommerzielle Fischerei: „Es bleiben jedoch große Wissenslücken bezüglich der Ausrüstungsverluste durch handwerkliche und freizeitliche Angelaktivitäten sowie von illegalen und unregulierten Fischereien“, so Richardson und ihr Team.

Quelle: University of Tasmania/CSIRO, Fachartikel: Science Advances; doi: 10.1126/sciadv.abq0135

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