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Erde|Umwelt Nachgefragt

Wie viele Ameisen gibt es auf unserem Planeten?

Ameisen
Ameisen gibt es fast überall, hier eine Gruppe Pharaoameisen. © Suman Gosh/ iStock

Ob im Wald, in Gärten oder in der Stadt: Ameisen gibt es überall. Bisher war jedoch unklar, wie viele dieser sozialen Insekten es weltweit gibt und wie sie über die Erde verteilt sind. Ein Forschungsteam hat nun Felddaten aus aller Welt zusammengetragen und die Ameisenzahl auf dieser Basis neu geschätzt. Demnach gibt es mindestens 20 Billiarden Ameisen auf der Welt. Ihre Trocken-Biomasse von zwölf Megatonnen Kohlenstoff entspricht der aller Vögel und Säugetiere zusammen und rund 20 Prozent der Biomasse der Menschheit, wie das Team berichtet. Die größte Dichte erreichen die Ameisen dabei in den Wäldern und Savannen der tropischen Regionen.

Weltweit sind rund 15.700 Ameisenarten bekannt und beschrieben, ihre wahre Vielfalt könnte jedoch noch weit größer sein: Biologen schätzen, dass noch einmal so viele Ameisenarten bisher unentdeckt geblieben sind. Die meist sozial lebenden Insekten sind wichtige Akteure in verschiedensten Ökosystemen: Sie beeinflussen die Bodenzusammensetzung und -beschaffenheit durch ihren Verzehr von organischen Resten und ihre Grabtätigkeit beim Nestbau, sie fungieren als Räuber, aber auch als Beute vieler Vögel, Säugetiere oder anderer Arthropoden. Als Pilzzüchter und Blattlaus-Partner spielen sie zudem eine wichtige Rolle auch für das Gedeihen anderer Organismen. „Während die Ameisenvielfalt eindeutig entscheidend für das Funktionieren und die Erhaltung vieler Ökosysteme ist, wird das Ausmaß ihres Einflusses auch durch die schiere Menge und Aktivität der Ameisen geprägt“, erklären Patrick Schultheiss von der Universität Hongkong und der Universität Würzburg und seine Kollegen.

20 Billiarden Ameisen weltweit – mindestens

Wie viele Ameisen es jedoch weltweit insgesamt gibt, konnte bisher nur grob geschätzt werden. Meist gingen Biologen dabei von der Ameisenzahl eines Probengebiets aus und rechneten davon ausgehend die Gesamtzahl hoch. Andere schätzten die Ameisenzahl auf Basis der Tatsache, dass sie rund ein Prozent aller Insekten stellen – aber auch dies ist angesichts der hohen Dunkelziffer bekannter Insektenarten hochgradig unsicher. Schultheiss und sein Team wählten daher einen anderen Ansatz: Sie haben Daten von 465 Studien weltweit zusammengetragen, in denen Ameisen entweder mithilfe von Bodenstreuproben gezählt oder durch Bodenfallen gefangen wurden. Da letzteres jedoch eher die Aktivität von Ameisen in einem Gebiet widerspiegelt als ihre absolute Zahl, werteten die Forscher die Daten beider Methoden getrennt aus. Zusätzlich bezogen sie noch Daten von 24 Studien zur Ameisenzahl auf Bäumen mit ein, die mithilfe von Insektizid-Einnebelungen von ganzen Baumkronen gewonnen worden waren.

Aus ihren Auswertungen dieser Daten schließen Schultheiss und sein Team, dass es weltweit allein in der Bodenstreu rund drei Billiarden Ameisen geben muss. „Die Ameisen in der Streu repräsentieren aber nur einen Bruchteil der globalen Ameisenfauna“, betonen die Biologen. Rechne man auch die in anderen Habitaten lebenden Ameisen hinzu, ergebe sich eine Gesamtzahl von rund 19,8 Billiarden Ameisen weltweit. Die trockene Biomasse dieser weltumspannenden Ameisenpopulation beziffern sie auf 12,3 Megatonnen Kohlenstoff. „Dies entspricht der kombinierten Trocken-Biomasse aller Wildvögel und Säugetiere zusammen oder rund 20 Prozent der trockenen Biomasse aller Menschen“, erklären die Forscher. Wie sie betonen, ist dies jedoch eine konservative Schätzung, da es viele Habitate und Biome gibt, für die kaum Daten vorhanden sind, darunter unterirdische Lebensräume, Mangroven oder boreale Wälder. „Die wahre Zahl der Ameisen weltweit ist daher wahrscheinlich noch um Einiges höher“, so das Team.

Am meisten in den Tropen

Den Auswertungen zufolge sind die Ameisen nicht gleichmäßig über die Biome und Klimazonen verteilt: „Es ist bemerkenswert, dass 61 Prozent und damit fast zwei Drittel der globalen Zahl der epigäischen Ameisen in nur zwei Biomen leben: den tropischen Regenwäldern und den tropischen Savannen“, berichten Schultheiss und seine Kollegen. Als epigäisch werden Tierarten bezeichnet, die auf der Bodenoberfläche oder unmittelbar darüber leben. Den Streuproben zufolge ist die Ameisendichte in subtropischen und tropischen Wäldern und Graslandschaften im Schnitt doppelt so hoch wie in ihren Gegenparts der gemäßigten Breiten. Die Daten der Bodenfallen bestätigten dies. Demnach liegt die Aktivität der Ameisen in den tropischen und subtropischen Gebieten sogar drei bis viermal so hoch wie in gemäßigten Breiten. „Dies unterstreicht die Bedeutung tropischer Regionen für die weltweite Häufigkeit und Biomasse der Ameisen“, so das Team. Besonders hoch sei die Ameisenaktivität dabei in trockenen Lebensräumen.

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Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte dies auch erklären, warum es gerade in den Tropen so viele auf Ameisen als Nahrung spezialisierte Säugetierarten gibt. Spezies wie die Ameisenbären des amerikanischen Kontinents, der Pangolin Südostasiens oder das Erdferkel Afrikas haben unabhängig voneinander Anpassungen an das Ausgraben von Ameisennestern und das Aufsammeln der Ameisen mit unempfindlichen, langen Zungen entwickelt. „Auch die Zahl der Arthropoden, die Ameisen morphologisch oder im Verhalten nachahmen, um nicht von ihnen gefressen zu werden oder um selber Ameisen erbeuten zu können, steigt in Richtung der Tropen an, weil dort die Ameisen häufiger sind und daher diese Mimikry effektiv wirkt“, berichten Schultheiss und sein Team. Sie betonen aber auch, dass diese bei bodenlebenden Ameisenarten beobachtete Verteilung wahrscheinlich auch für die bisher kaum beprobten Ameisenarten unter der Erde oder in den höheren Schichten der Bäume und Sträucher gilt. „Es ist von allergrößter Wichtigkeit, dass wir diese Lücken schließen, um ein umfassenderes Bild der Insektenvielfalt und der Muster der globalen Biodiversität, ihrer Treiber und Auswirkungen zu erhalten“, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle: Patrick Schultheiss (University of Hong Kong) et al, Proceedings of the National Academy of Sciences, doi: 10.1073/pnas.2201550119

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