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Madagaskar

Win-Win beim Vanilleanbau

Vanille
Blühende Vanillepflanze © Universität Göttingen

In vielen tropischen Regionen werden artenreiche Urwälder vernichtet, um Platz für Agrarflächen zu schaffen. Das ist nicht nur schlecht für die Biodiversität, sondern bringt oft nicht einmal einen Mehrertrag für die Landwirte mit sich. Das zeigt eine im Fachmagazin „Nature Communications“ erschienene Studie, in der Forscher die ökologischen und ökonomischen Aspekte des Vanille-Anbaus auf Madagaskar verglichen haben.

Weltweit werden jährlich gut 8.000 Tonnen Vanille produziert – der größte Anteil stammt aus Madagaskar. Da auf der westafrikanischen Insel jedoch nur wenig Platz vorhanden ist, werden immer mehr Wälder gerodet, um die Flächen für die Landwirtschaft freizugeben. Für die Biodiversität gleicht das allerdings einem Super-GAU, da in den isolierten Tropenwäldern eine besonders hohe Artenvielfalt herrscht. Dazu gehören auch einige endemische Arten – also solche, die sonst nirgends auf der Welt vorkommen.

„Einnahmequelle für zehntausende Kleinbauern“

Ein Forscherteam um Annemarie Wurz von der Phillips-Universität in Marburg hat nun untersucht, welche konkreten Auswirkungen der Vanille-Anbau im Nordosten Madagaskars auf die lokale Biodiversität und die ökonomische Situation der dort lebenden Kleinbauern hat. Im Fokus der Studie stand dabei insbesondere der Vergleich zwischen bereits vorhandenen Brachflächen und speziell für die Landwirtschaft gerodeten Waldflächen. Wie ertragreich die Landwirtschaft auf den jeweiligen Böden ist, spielt für die lokalen Bauern eine besonders wichtige Rolle, da sie aufgrund unfairer Bezahlungen im Regelfall nur schwer von ihren Erträgen leben können.

„In Madagaskar ist der Export von Vanille eine wichtige Einnahmequelle für zehntausende Kleinbauern. Ein intensiver Anbau auf Brachflächen kann eine Möglichkeit sein, ihrer Armut zu entkommen“, erklärt Annemarie Wurz. Die Bewirtschaftung der bereits freiliegenden Flächen hat dem Ergebnis der Studie nach keinerlei Nachteile gegenüber ehemaligen Forstgebieten. „Landwirte müssen also nicht roden, um hohe Erträge zu erzielen, sondern können das Brachland durch den Anbau von Vanille aufwerten“, sagt Wurz.

Fast 40 Prozent mehr endemische Arten

Wie sich der Anbau von Vanille in gerodeten Waldgebieten oder auf Brachflächen ökologisch auswirkt, untersuchten die Wissenschaftler anhand der Verbreitung verschiedener Vögel, Amphibien, Reptilien, Schmetterlinge und Ameisen. Außerdem floss die Artenvielfalt der dort wachsenden Bäume und krautigen Pflanzen mit in die Statistik ein. Das Ergebnis: „In Wäldern angelegte Agrarflächen beherbergen insgesamt 23 Prozent weniger Arten und sogar 47 Prozent weniger endemische Arten als Urwälder“, berichten die Forscher. „Im Gegensatz dazu wiesen solche, die auf Brachflächen angelegt wurden, insgesamt 12 Prozent mehr Arten und 38 Prozent mehr endemische Arten auf als Brachflächen.“

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Laut den Wissenschaftlern wirkt sich eine hohe Baumbedeckung besonders positiv auf die Artenvielfalt aus. Bei einer dichteren Vanille-Bepflanzung sank die Biodiversität der Baum- und Reptilienarten wieder. Nichtsdestotrotz stellt die Landwirtschaft auf brach liegenden Flächen der Studie zufolge eine wirtschaftlich gleichwertige Alternative zu gerodeten Tropenwälder dar. „Vanilleanbau auf Brachen zu fördern, ist ökologisch wie ökonomisch bedeutsam“, erklärt Koautor Ingo Grass von der Universität Hohenheim. „Es kann einen Beitrag zur gegenwärtigen Wiederherstellung von Ökosystemen leisten. Außerdem zeigt die Studie Möglichkeiten, wie die Biodiversität außerhalb von Schutzgebieten erhalten und gefördert werden kann.“

Quelle: Universität Göttingen, Fachartikel: Nature Communications, doi: 10.1038/s41467-022-30866-8

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