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Erde|Umwelt

Windräder in Wäldern verdrängen Waldfledermäuse

Windkraft
Fledermäuse an Windkraftanlagen. © Leibniz-IZW

In Deutschland stehen derzeit etwa 30.000 Windkraftanlagen – Tendenz steigend. Durch verschärfte Abstandsregeln zu Wohngebieten müssen sich die Betreiber allerdings nach alternativen Bauflächen umschauen, zu denen auch Waldgebiete gehören. Einer Untersuchung zufolge greifen diese Windräder allerdings entscheidend in den Lebensraum von Waldfledermäusen ein. Besonders solche Arten, die unterhalb der Baumkronen jagen, fühlen sich durch die Turbinen gestört und halten großen Abstand zu ihnen.

Im Zuge der Energiewende wird die Menschheit aller Voraussicht nach nicht um einen Ausbau der Windenergie herumkommen. Die Frage nach möglichen Standorten für die Anlagen sorgt dabei allerdings schon seit jeher für Diskussionen. In Deutschland ist der gesetzliche Mindestabstand zu Wohnsiedlungen aktuell Ländersache – in den meisten Bundesländern beträgt er um die 1.000 Meter. Das sorgt dafür, dass die Windparkbetreiber in der Standortwahl eingeschränkt sind und auf Alternativflächen zurückgreifen müssen, zu denen auch Waldgebiete gehören.

Störeffekte jenseits der Rotorkollisionen untersucht

„Wälder sind sensible Ökosysteme und wertvolle Lebensräume für viele seltene und geschützte Fledermausarten“, erklärt Seniorautor Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin. Gemeinsam mit seiner Kollegin Julia Ellerbrok und weiteren Forschern hat er untersucht, inwiefern sich in Wäldern angesiedelte Fledermäuse von dort installierten Windkraftanlagen gestört fühlen. Hierzu zeichneten die Wissenschaftler über mehrere Monate hinweg die Fledermausaktivitäten in mehreren hessischen Waldgebieten rund um Windräder auf. Die Flattertiere wurden dabei in drei Kategorien unterteilt, je nachdem ob diese Arten eher auf offenen Flächen, im Grenzgebiet oder in engen Umgebungen, also unterhalb der Baumkrone, jagen. Letztere wurden von den Wissenschaftlern als Waldspezialisten bezeichnet.

„Windkraftanlagen in Wäldern können Fledermäusen in mehrfacher Hinsicht Probleme bereiten. Fledermäuse, die oberhalb der Baumkronen nach Insekten jagen, können direkt an den Anlagen getötet werden – durch Kollision mit Rotorblättern oder einfach durch die erheblichen Druckunterschiede, die sie nicht überstehen“, sagt Voigt. „Fledermäuse, die in der Vegetation unter den Baumkronen jagen, verlieren durch die Rodungen einen Teil ihres Lebensraums.“ Das machte sich auch in den Messungen der Forscher bemerkbar: „Wir stellten fest, dass diese Waldspezialisten in der Nähe von Windkraftanlagen deutlich weniger aktiv sind, insbesondere in der Nähe von Turbinen mit großen Rotoren, sowie in den Hochsommermonaten“, erklärt Voigt.

„Windkraftanlagen können Probleme bereiten“

Um festzustellen, ab wann sich die Tiere von den Anlagen gestört fühlen, zeichnete das Team die akustische Aktivität mithilfe von Ultraschalldetektoren in verschiedenen Abständen zu den Maschinen auf. Sowohl bei den auf Freiflächen als auch in Randgebieten jagenden Fledermäusen konnten die Wissenschaftler keine signifikanten Unterschiede feststellen. Von der maximalen Messdistanz von 450 Metern auf 80 Meter Abstand nahmen die gemessenen Werte der Waldspezialisten jedoch um fast 50 Prozent ab. Dies hängt laut Voigt und seinem Team auch damit zusammen, dass Gattungen wie Mausohren oder Langohrfledermäuse die engen Räume und die vertikale Heterogenität unter den Baumkronen für ihre Art der Jagd und zum Schutz brauchen. Für Windkraftanlagen gerodete Gebiete, sowie der Betrieb der Windturbinen stören die Flattertiere dabei.

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„Waldspezialisten sind daher keine typischen Schlagopfer, ihr Lebensraum und ihr Aktivitätsradius sind aber dennoch deutlich eingeschränkt in einem Umkreis von mehreren hundert Metern um die Anlage“, erklärt Voigt. Die Wissenschaftler empfehlen daher, Windkraftanlagen nicht in Wäldern, sondern in der offenen Landschaft aufzustellen. Insbesondere naturnahe Wälder mit einer abwechslungsreichen Vegetationsstruktur sollten als Standorte vermieden werden. Wenn die Rotoren aus Mangel an Alternativen dennoch in Waldgebieten platziert werden müssen, sollte es nach den Forschern immerhin zu Ausgleichsmaßnahmen kommen. Hierzu zählen sie beispielsweise, entsprechend große Waldflächen aus der intensiven Forstwirtschaft zu nehmen, damit der durch den Betrieb der Windräder verursachte Lebensraumverlust für die Waldfledermäuse ausgeglichen wird.

Quelle: Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung; Fachartikel: Journal of Applied Ecology, doi: 10.1111/1365-2664.14249

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