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Erde|Umwelt Gesellschaft|Psychologie

Wissenschaft kann irren

Ein US-Forscher hat die Theorie zu einem kuriosen Namenseffekt widerlegt: Der Anfangsbuchstabe des eigenen Namens taucht nur deshalb häufig im Namen des Arbeitgebers auf, weil Firmengründer ihre Unternehmen oft nach sich selbst benennen. Familienmitglieder sind häufig Arbeitnehmer in diesen Firmen – so entsteht der Zusammenhang. Ein belgisches Forscherduo war 2008 dagegen zu dem Fazit gekommen: Jobsuchende ließen sich von einer Vorliebe für den eigenen Anfangsbuchstaben leiten. Das aktuelle Ergebnis betont jetzt, dass wissenschaftliche Schlüsse durchaus mit Vorsicht zu genießen sind. „Walt Disney arbeitete nicht deshalb für eine Firma, die mit D beginnt, weil ihn der Buchstabe unbewusst angezogen hat, sondern weil er sie so getauft hat“, resümiert Uri Simonsohn.

Als „name-letter effect“ bezeichnen Psychologen das Phänomen, dass Menschen die Buchstaben des eigenen Namens anderen Schriftzeichen vorziehen. Diese Vorliebe sei so stark, dass sie sogar wichtige Entscheidungen wie die Firmenwahl eines Jobsuchenden beeinflusse, behauptete 2008 das belgische Forscher-Team. Bei einem Drittel der arbeitenden belgischen Bevölkerung verglichen die Wissenschaftler den Familiennamen mit dem Firmennamen. Bei deutlich mehr Erwerbstätigen, als per Zufall zu erwarten wäre, stimmte der erste Buchstabe des Nachnamens mit dem der Firma überein. Dieses Phänomen nannten die Forscher Initialieneffekt.

Um nachzuweisen, dass die belgischen Wissenschaftler in ihrer Studie nur Ursache und Wirkung verwechselt haben, verwendete Simonsohn amerikanische Daten von Wahlkampfspenden. Da Amerikaner bei Parteispenden ihren Namen und ihre Firma offenlegen müssen, gelangte der Autor der Studie so an Angaben von über 400.000 Menschen.

Den Befund der Belgier konnte Simonsohn mit diesem Material prinzipiell durchaus bestätigen: Mehr als doppelt so viele Amerikaner, wie per Zufall zu erwarten wären, teilten den Anfangsbuchstaben ihres Nachnamens mit ihrer Firma. In einem zweiten Schritt betrachtete der Forscher jedoch nur Arbeiter, bei denen zwar der erste, nicht aber die ersten drei Buchstaben des Familiennamens mit dem Firmennamen übereinstimmten. Resultat: Der Initialieneffekt löste sich in Luft aus. Demnach ähnelt meist der gesamte Nachname dem Unternehmensnamen, statt dass nur die Initialen identisch sind.

Dieses Muster lässt sich laut dem Wirtschaftsexperten nicht mit einer Vorliebe für bestimmte Buchstaben erklären. Stattdessen heißen Beschäftigte und Firma schlicht deshalb oft ähnlich, weil die Arbeiter selbst oder ihre Familienangehörige den Betrieb so nannten, als sie ihn gründeten. Eine dritte Analyse spricht ebenfalls für diesen Schluss: Bei sehr großen Firmen verschwindet der Initialieneffekt ebenfalls. Im Bezug auf den einzelnen Mitarbeiter ist es unwahrscheinlicher, dass er die Firma gegründet hat oder mit dem Gründer verwandt ist, so Simonsohns Begründung.

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Dem Wissenschaftler zufolge wiederlegen die Ergebnisse zwar nicht, dass Personen ähnlich benannte Objekte präferieren. Doch der Effekt sei möglicherweise nicht groß genug, um Lebensentscheidungen zu beeinflussen, sondern zeige sich eher bei unwichtigeren Wahlen wie die eines Weines.

Uri Simonsohn (University of Pennsylvania): Psychological Science, Bd. 22, Vol. 4 dapd/wissenschaft.de – Hanna Drimalla
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