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Blutsauger-Fossilien

Zecken-Bernsteine aus der Dino-Ära

Diese fossile Zecke repräsentiert offenbar ein „Missing Link“ zwischen den Leder- und Schildzecken. Rechts: Eine kreidezeitliche Zecke, die gemeinsam mit einer Feder konserviert wurde. © Chitimia-Dobler et al. Parasitology, doi:10.1017/S0031182022000269, Commons Attribution licence (http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/)

Neuentdeckte Bernsteinfossilien aus der Kreidezeit geben Einblicke in die Entwicklungsgeschichte berüchtigter Blutsauger. Ein Exemplar zeigt eine Zeckenart, die offenbar ein „Missing Link“ repräsentiert: Ihren gemischten Merkmalen zufolge gehörte sie zu der Familie, aus der sich die beiden Gruppen der Parasiten entwickelt haben, die heute Tier und Mensch plagen. Ein weiterer Fund erweitert zudem die bisherigen Hinweise darauf, dass Zecken auch schon den gefiederten Dinosauriern das Blut abzapften: Der Bernstein zeigt eine Zecke gemeinsam mit einer Feder.

Vor Jahrmillionen erfasste sie Baumharz und verwandelte sie anschließend in einen faszinierenden Gruß aus der Vergangenheit: In Bernstein konnten auch kleine Lebewesen und filigrane Strukturen die Jahrmillionen überdauern, die sonst keine fossilen Spuren hinterlassen haben. In dem transparenten Material haben Wissenschaftler in den letzten Jahren viele spannende Entdeckungen gemacht, die Einsichten in die Entwicklungsgeschichte verschiedener Lebewesen geben. Zu den „Juwelen der Paläontologie“ gehören dabei auch Bernsteine, die Vorfahren von berühmt-berüchtigten Wesen konserviert haben: Zecken.

Die bisherigen Funde stammten vor allem aus etwa 100 Millionen Jahre altem Burmesischen Bernstein aus Myanmar. Es wurde sogar bereits eine Zecke im Zusammenhang mit einer Feder entdeckt, was vermuten ließ, dass sie einen gefiederten Dinosaurier befallen hat. Dennoch erscheint die Entwicklungsgeschichte sowie das Verhalten der frühen Vertreter der Parasiten nach wie vor unscharf. Für neue Hinweise haben nun die Befunde der Forscher um Jason Dunlop vom Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung in Berlin gesorgt.

Eine Zecke mit gemischten Merkmalen

Wie Dunlop und seine Kollegen berichten, liefert einer der neuen Zecken-Funde in einem Burmesischen Bernstein nun Hinweise auf die Entstehungsgeschichte der beiden Hauptgruppen der Plagegeister. Wie sie erklären, teilen sich die heutigen Arten in zwei Linien auf, die sich in ihren Merkmalen deutlich unterscheiden: Lederzecken besitzen eine abgeflachte und weiche Körperhülle und ihre Vertreter befallen vor allem Vögel. Die Arten, die den Menschen und viele unserer Haustiere plagen, gehören hingegen zu den sogenannten Schildzecken: Holzbock (Ixodes ricinus) und Co besitzen vergleichsweise robuste Körpermerkmale, einen festen Rückenschild und andere Strukturen der Mundwerkzeuge als die Lederzecken.

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Wie die Forscher berichten, weist die neuentdeckte fossile Zeckenart eine überraschende Mischung von Merkmalen auf: Unter anderem besitzt sie den weichen Körper einer Lederzecke, dazu verfügt sie aber auch über die großen, nach vorne ragenden Mundwerkzeuge, die für Schildzecken typisch sind. Die Forscher haben der Art deshalb den Gattungsnamen Namen „Khimaira“ gegeben – in Anlehnung an die Chimäre, das mythische Monster, das Körperteile verschiedener Tiere kombiniert. Die Forscher interpretieren diese Zecke dabei als ein „Missing Link“: Es könnte sich um eine Vertreterin einer ausgestorbenen Gruppe handeln, aus der sich die beiden Hauptfamilien, die wir heute kennen, einst entwickelt haben.

Ein Vorfahre „unserer“ Zecke und ein neues Zecken-Feder-Fossil

Ein weiteres Bernsteinfossil verdeutlicht allerdings, dass es vor 100 Millionen Jahren auch schon eindeutige Schildzecken gab: Die Forscher beschreiben das nun älteste bekannte Exemplar der Schildzeckengattung Ixodes, einer Gruppe, die zuvor nur aus dem viel jüngeren baltischen Bernstein bekannt war. Zu den heutigen Ixodes-Arten gehören mehrere Zecken von medizinischer Bedeutung, wie der auch bei uns heimische Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Das neue Fossil ist außerdem besonders interessant, da es seinen Merkmalen zufolge eng mit heutigen australischen Arten verwandt ist. Damit wirft es sogar Licht auf eine Frage bezüglich einstiger geografischer Zusammenhänge: Der Befund scheint eine Hypothese zu untermauern, wonach der heute in Südostasien liegende Fundort des Burmesischen Bernsteins einst mit Australien verbunden war.

Abgerundet werden die aktuellen Entdeckungen von einem neuen Kombinationsfund einer Zecke und einer Feder. Bisher war bereits ein Jungtier der Schildzeckenart Cornupalpatum burmanicum bekannt, das in Bernstein gemeinsam mit einer Feder konserviert wurde, die einem gefiederten Dinosaurier gehörte. Dunlop und seine Kollegen präsentieren nun ein weiteres Beispiel einer solchen Verknüpfung, das belegt, dass das gemeinsame Ende im Baumharz wohl kein Zufall war. Den Merkmalen zufolge handelt es sich ebenfalls um ein Exemplar von C. burmanicum – wie aus den einwickelten Geschlechtsorganen hervorgeht, ist es allerdings ein erwachsenes Weibchen. „Der Fund von zwei verschiedenen Lebensstadien mit Dinosaurierfedern unterstützt die Annahme, dass diese Zecke Dinosaurier parasitierte“, schreiben Dunlop und seine Kollegen.

Quelle: Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung. Fachartikel: Parasitology, doi: 10.1017/S0031182022000269

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