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Faszinierende Figuren: Efrat Alony über Leah Goldberg

„Dunkles erfahren und nach dem Licht gesucht“

Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wissenschaft sprechen über historische Gestalten, die sie beeindruckt haben. In dieser Ausgabe: die israelische Jazzsängerin Efrat Alony über ihre Landsfrau, die Schriftstellerin Leah Goldberg.

Seit wann ist Ihnen Leah Goldberg ein Begriff?

Efrat Alony: Ich bin quasi mit ihr aufgewachsen. Leah Goldberg ist in Israel sehr berühmt. Sie hat ja sowohl für Kinder als auch für Erwachsene geschrieben. So hat sie mich von Kindheit an begleitet. Je älter ich wurde, umso mehr konnte ich in ihr enormes Werk eintauchen.

Was hat Sie an ihr fasziniert?

Verschiedenes. Zum einen ihre Sprache. Sie schrieb ein für ihre Zeit sehr modernes Hebräisch. Sehr klar, sehr poetisch. Dann die Themen, die sie angerührt hat. Sie schrieb mit ungewöhnlicher Ehrlichkeit über Privates, über das, was sie als Person und als Frau beschäftigte. Das hob sie von der israelischen Literatur ihrer Zeit ab, in der nationale Themen und das Kollektiv eine große Rolle spielten. Schließlich die Vielschichtigkeit ihres Lebens und Werks. Sie hat, wie sie selbst sagte, viel Dunkles erfahren und immer nach dem Licht gesucht.

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Gibt es in ihrem Werk etwas, das Sie besonders mögen?

Die Lyrik ist für mich sehr wichtig. „… und dein Körper sei mir der Blick, das Fenster und der Spiegel …“ – das ist für mich alles, was Kunst ausmacht. Ihre Klarheit und Tiefe im Umgang mit der Sprache. Das Spiel zwischen Licht und Dunkelheit, als ob das eine nicht ohne das andere existieren kann. Diese Kontraste, oft mit einem ironischen Selbstblick, mit Humor begleitet, verleihen Tiefe. In meiner Arbeit als Komponistin und Lyrikerin ist mir diese Idee der Widersprüche und Brechungen wichtig.

Goldberg war in Litauen aufgewachsen, lebte seit 1935 in Tel Aviv …

Sie hatte sich aber schon vorher für die hebräische Sprache entschieden, im Alter von acht Jahren. Sie führte dann ihr Tagebuch auf Hebräisch. Sie war besonders sprachbegabt, beherrschte unter anderem Deutsch und Russisch, übersetzte daraus auch vieles ins Hebräische. In so früher Kindheit schon eine so klare Vision zu haben, wohin man möchte, das finde ich extrem beeindruckend.

Eine Mitbegründerin der israelischen Literatur also?

Sie war vor allem zu ihrer Zeit die einzige angesehene und respektierte Frau in einem ansonsten völlig männlich dominierten Literaturbetrieb. Sie ist für mich insofern auch als Frauenfigur sehr spannend. Sie wies darauf hin, dass sie sich ihre Position mit wesentlich mehr Anstrengung erkämpfen musste, als wenn sie ein Mann gewesen wäre.

In welcher ihrer Rollen hat sie am meisten bewirkt: als Kinderbuchautorin, als Dichterin oder als Übersetzerin?

Ich sehe sie als Wegbereiterin einer jüngeren Generation israelischer Autorinnen, großartiger Dichterinnen wie Dahlia Ravikovitch oder Yona Wallach, die sich selbstbewusst mit Weiblichkeit auseinandergesetzt haben – rührend, klar und manchmal provokativer, als es Leah Goldberg möglich gewesen wäre.

Interview: Dr. Winfried Dolderer

Efrat Alony geb. 1975, israelische Jazzsängerin, lebt und arbeitet vornehmlich in Deutschland. Unterrichtet seit 2009 Jazz‧gesang in Bern. Ausgezeichnet unter anderem mit dem Jazz-Förderpreis des Berliner Senats (2008) und dem Musikautorenpreis der GEMA-Stiftung (2014).

Leah Goldberg (1911–1970), israelische Schriftstellerin, Lyrikerin und Sprachwissenschaftlerin. Studium in Berlin und Bonn, seit 1935 in Tel Aviv. Ins Deutsche übersetzte Werke unter anderem „Briefe von einer imaginären Reise“ (2003), „Zimmer frei im Haus der Tiere“ (2011).

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kon|spe|zi|fisch  〈Adj.; Biol.〉 der gleichen Art angehörend

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