Anzeige
Anzeige

Geschichte+Archäologie

2000 Jahre alte Basilika war einst die größte Israels

Aschkelon
Blick auf den einstigen Standort der Basilika. (Bild: Emil Aladjem/ Israel Antiquities Authority)

Die israelische Stadt Aschkelon war zu römischer Zeit ein wichtiges Handelszentrum. Von dieser bedeutenden Vergangenheit zeugen nun auch die Überreste einer 2000 Jahre alten Basilika – eines römischen Prachtbaus, der einst das Zentrum des öffentlichen Lebens bildete. Neue Ausgrabungen und Rekonstruktionen enthüllen die enorme Größe und Pracht des Bauwerks, das damals die größte Basilika Israels war.

Auch wenn wir den Begriff Basilika heute mit Kirchenbauten assoziieren, geht dieser Gebäudetyp auf ursprünglich weltliche Bauten aus der Zeit der Römer zurück. Damals dienten diese von Säulenreihen durchzogenen Hallenbauten als öffentliche Bauten, in denen Handel getrieben wurde, Gerichtsitzungen abgehalten wurden und öffentliche Debatten stattfanden. Auch religiöse Zeremonien wurden zum Teil in diesen antiken Prachtbauten abgehalten.

Prachtbau aus der Zeit des Herodes

Eine der größten römischen Basiliken im Nahen Osten stand einst in der israelischen Stadt Aschkelon. Vor rund 2000 Jahren war sie ein wichtiger Handelshafen, in dem Schiffe aus Kleinasien und aus den europäischen Mittelmeerhäfen anlegten. Von der Bedeutung der Stadt während der Zeit der Römer zeigen unter anderen die Ruinen eines antiken Theaters und der Basilika. „Die Basilika wurde unter Herodes dem Großen erbaut – einer historischen Quelle nach stammte seine Familie aus Aschkelon“, erklären Ausgrabungsleiterin Rachel Bar-Natan von der israelischen Antikenbehörde und ihre Kollegen. „Münzen aus herodianischer Zeit, die in den Strukturen des antiken Fußbodens gefunden wurden, bezeugen, dass diese Basilika in der Zeit dieses für seine Bauwerke berühmten Herrschers errichtet wurde.“

Säulenkapitell
Dieses Säulenkapitell mit Adlersymbol stammt aus der römischen Basilika. (Bild: Yoli Schwartz/ Israel Antiquities Authority)

Die Ausgrabungen förderten rund 200 Marmor-Fundstücke mit einem Gesamtgewicht von hunderten Tonnen zutage, darunter Dutzende von Säulenkapitellen mit Pflanzenmotiven. Einige dieser Säulen sind mit Adlerreliefs verziert – dem Symbol des römischen Reiches, wie die Archäologen erklären. Analysen des Marmors legen nahe, dass dieses Material aus Kleinasien stammte und per Schiff nach Aschkelon gebracht worden war. „Das riesige Gebäude war überdacht und in drei Bereiche aufgeteilt – eine zentrale Halle und zwei Seitenschiffe“, berichten Bar-Natan und ihre Kollegen. „Die Halle war von Reihen von Marmorsäulen umringt, die rund 13 Meter in die Höhe ragten und das Dach des Gebäudes trugen. Boden und Wände des Bauwerks bestanden ebenfalls aus Marmor.“

Von einem Erdbeben zerstört

Von der einstigen Pracht des Basilika zeugen auch riesige Statuen, die Archäologen schon vor Jahrzehnten zutage gefördert hatten. Darunter ist eine Statue der römischen Siegesgöttin Nike, die vom speertragenden Gott Atlas gestützt wird. Auch eine Statue der ägyptische Göttin Isis wurde gefunden, welche die Göttin als Tyche und damit als die Glücksgöttin der Stadt darstellt. Aus den Funden und historischen Aufzeichnungen geht hervor, dass die Basilika von Aschkelon im zweiten und dritten Jahrhundert noch einmal renoviert, mit zusätzlichen Marmorverzierungen versehen und durch ein kleines Theater ergänzt wurde, wie das Forschungsteam berichtet.

Anzeige

Im Jahr 363 jedoch wurde der antike Prachtbau bei einem starken Erdbeben zerstört. Die Spuren dieser Katastrophe sind noch heute an den Rissen und Verwerfungen im Boden des Bauwerks erkennbar. Nach der Zerstörung der Basilika wurde sie nicht wieder aufgebaut. Als Aschkelon einige Jahrhunderte später unter die Herrschaft der islamischen Abbasiden und Fatimiden geriet, wurden auf ihren Trümmern Werkstätten und andere Arbeitsgebäude errichtet. Ein Teil der Marmortrümmer wurden in die Mauern dieser neuen Gebäude eingebaut, andere wurden zerschnitten und als Pflastersteine genutzt.

Im Verlauf ihrer Ausgrabungen haben die Archäologen diese Trümmer wieder zusammengetragen und teilweise rekonstruiert. Dabei wurde unter anderem eine der massiven Marmorsäulen wieder aufgestellt und der einstige Fußboden der Basilika wieder restauriert. Weitere Säulen sollen folgen. Auch einige der großen Statuen, die von früheren Ausgräberteams mitgenommen wurden, sollen wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückkehren. Ziel ist es, den Besuchern des archäologischen Parks von Aschkelon einen besseren Eindruck der einstigen Pracht dieser römischen Bauten zu vermitteln, wie Bar-Natan und ihre Kollegen berichten. Die römische Basilika fügt sich dann ein in einen Geschichtspfad, der von dem ältesten kanaanitischen Torbogen über alte Brunnen, die römische Basilika und das Odeon bis zu den Befestigungen der Kreuzfahrer aus dem Mittelalter reicht.

Quelle: Israel Antiquities Authority

Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Bildband DAMALS Galerie

Der Podcast zur Geschichte.

Geschichten von Alexander dem Großen bis ins 21. Jahrhundert. 2x im Monat reden zwei Historiker über ein Thema aus der Geschichte. In Kooperation mit DAMALS – Das Magazin für Geschichte.

Hören Sie hier die aktuelle Episode:

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Wissenschaftslexikon

In|sek|ti|zid  〈n. 11〉 Substanz, die für Insekten tödlich ist [<frz. insecticide ... mehr

Wür|fel|nat|ter  〈f. 21; Zool.〉 ungiftige Wassernatter: Natrix tesselata

Oo|lith  〈[o:o–] m. 23 od. m. 16; Min.〉 aus kleinen, runden Kalkausfällungen entstandener Stein [<grch. oon ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige