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Essay

3. Sächsische Landesausstellung schließt mit positiver Bilanz

„Die 3. Sächsische Landesausstellung hat als hochwertiges Kunst- und Kulturereignis viel Aufmerksamkeit für Görlitz und die Lausitz erzeugt. Damit hat die Landesaustellung ihr Ziel erreicht, eine Region jenseits der Leuchttürme in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken“, so Sachsens Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Sabine von Schorlemer, zur 3. Sächsischen Landesausstellung „via regia – 800 Jahre Bewegung und Begegnung“, die heute in Görlitz zu Ende geht. Insgesamt besuchten in den vergangenen 164 Tagen knapp 170 000 Besucher die Ausstellung im Görlitzer Kaisertrutz und die Begleitausstellungen in den Partnermuseen, im Schlesischen Museum zu Görlitz, dem Senckenberg Museum für Naturkunde sowie im Barockhaus Neißstraße. Mit der Wiederaufnahme des Themas „via regia“ – der Kernidee der Kulturhauptstadtbewerbung der Stadt Görlitz – sei die Bedeutung der Stadt an der via regia mit ihrer Brückenfunktion im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien in den Mittelpunkt gerückt. „Hier konnte ein Stück europäische Geschichte erlebt werden. Die Landesausstellung hat damit einen wichtigen Beitrag zur europäischen Integration geleistet.“ Unter den ausländischen Besuchern sei der weitaus größte Anteil aus dem benachbarten Polen in die Landesausstellung gekommen.

„Der Weg hat sich gelohnt, insbesondere für die Stadt Görlitz“, bilanziert auch Bettina Probst, Leiterin des Projektes bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Dies zeigten auch die rund 1000 Einträge in den drei gut gefüllten Gästebüchern der Landesausstellung. „Die Ausstellung war keine rein kulturhistorische Rückschau, sondern hat Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verknüpft“, so Bettina Probst.

Ein wesentlicher Punkt sei die hohe Internationalität und Mehrsprachigkeit der Ausstellung, die beispielsweise in Essayband, Katalog und Juniorkatalog sichtbar werde. Vor allem die im Rahmen der Landesausstellung großartige deutsch-polnische Zusammenarbeit sei hervorzuheben. Unter den 450 Objekten aus mehr als 100 leihgebenden Museen waren allein 60 Leihgaben aus Polen, darunter hochrangige Kunstwerke aus den großen Nationalmuseen in Krakau und Warschau. Mit 26 Exponaten war das Nationalmuseum in Breslau der größte internationale Leihgeber. Eine große Anzahl dieser Leihgaben sei nie zuvor in Deutschland gezeigt worden. Darunter, so Roland Enke, Kurator der Landesausstellung, unter anderem das kleine Kruzifix von Veit Stoß aus dem Krakauer Nationalmuseum, ein Objekt von unschätzbarem Wert. Stoß wird heute als der berühmteste Künstler der Spätgotik angesehen, sowohl in Deutschland, also auch in Polen, wo er als Wit Stwosz hoch verehrt wird.

Ein besonderer Gewinn liegt in der Nachhaltigkeit des gesamten Projektes. Nicht nur der für knapp sechs Millionen Euro aufwändig sanierte Kaisertrutz, sondern auch ein Teil der Ausstellungsvitrinen werden durch das Kulturhistorische Museum Görlitz nachgenutzt. Ebenso können technische Installationen und inhaltliche Produktionen wie beispielsweise der mehrsprachige Audioguide durch die Stadt Görlitz, die „via regia – App“ oder die Hörstationen weitergenutzt werden. Mit hohem Aufwand saniert wurde im Rahmen der Landesausstellung auch das Barockhaus Neißstraße 30 mit der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften.

Groß ist der Erfolg des Bildungs- und Vermittlungsprogrammes im Rahmen der 3. Sächsischen Landesausstellung. Knapp 700 Schulklassen haben die Landesausstellung seit ihrer Eröffnung am 21. Mai besucht. Darunter mehr als 30 Schulklassen aus Polen und Tschechien. Für Kinder und Jugendliche fanden im sogenannten Junior Campus fast 300 Workshops in den Bereichen Theater, Technik und Medien mit Bezug auf den sächsischen Lehrplan statt. Mehr als 500 Schulklassen nahmen für ihren Besuch in Görlitz die Förderung von Klassenfahrten durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung in Anspruch. Darüber hinaus konnten mit Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung unter anderem die via regia – App und ein Hörspiel für Kinder zur Landesausstellung entwickelt und finanziert werden. Mehr als 1500 sächsische, polnische und tschechische Lehrer nahmen an den Lehrerfortbildungen im Rahmen der Landesausstellung teil. Beim Besuch der Schuleiterkonferenz in Breslau wurden 600 polnische Schulleiter über die Landesausstellung informiert. Wesentlich zum Erfolg des Bildungs- und Vermittlungsprogrammes hat der Einsatz des rollenden Botschafters der Landesausstellung, des Via Mobils, beigetragen. Das Via Mobil hatte in den vergangenen Monaten seit Jahresbeginn mehr als 30 sächsische, polnische und tschechische Schulen besucht und dort zur Vor- bzw. Nachbereitung der Landesausstellung beigetragen.

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Das vielseitige, überwiegend kostenfreie Begleitprogramm zur Landesausstellung mit mehr als 200 Veranstaltungen wurde von über 4000 Besuchern genutzt. Täglich wurden spezielle Führungen darunter für Familien, Senioren, Blinde oder Gehörlose angeboten. Darüber hinaus standen thematische Rundgänge u.a. zum Thema „Religion“ oder Führungen mit den Kuratoren auf dem Programm. Hochkarätig besetzte Podiumsdiskussionen zum Thema „Wandel der Mobilität“ oder zur „Zukunft der Museen“ sowie eine Fachtagung zum Thema „Menschen unterwegs. Die via regia und ihre Akteure“ setzten darüber hinaus aktuelle Akzente. Besonders gefragt war das monatliche „Museumsquartett“, bei dem die Besucher alle vier an der Landesausstellung beteiligten Museen besuchen konnten. Projektleiterin Bettina Probst: „Der Ansatz, Partnermuseen mit spezialisierten Ausstellungen zu beteiligen war richtig. So konnten neue Aspekte inhaltlich erschlossen werden, die ansonsten die Hauptausstellung überfrachtet hätten.“

Ein positives Fazit zieht auch der Görlitz Tourismus anhand der bisher vorliegenden Zahlen. (bis August 2011) „Im Vergleich zu 2009, dem für Görlitz bisher stärksten touristischen Jahr, wurden die Übernachtungszahlen pro Monat jeweils übertroffen, im August sogar um 13 Prozent“, so Lutz Thielemann, Geschäftsführer der Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH. Für die Monate September und Oktober seien ähnlich gute Zahlen zu erwarten. Erstmals sei die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Görlitz Besucher auf 2,2 Nächte angestiegen. Auch dies sei ein positives Indiz für den „Landesausstellungs-Effekt“.

„Das Projekt Landesausstellung ist ein Projekt mit Zukunft“, bilanziert Kunstministerin Sabine von Schorlemer abschließend. „Wir schauen bereits auf die vierte Sächsische Landesausstellung, die die faszinierende Industriekultur Sachsens in den Blick nehmen soll.“

Quelle: Eileen Mägel
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