600 Jahre Konstanzer Konzil: Ausstellung eröffnet - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

600 Jahre Konstanzer Konzil: Ausstellung eröffnet

Poster der Ausstellung in Konstanz. (Badisches Landesmuseum, Karlsruhe)

Am Wochenende empfing in Konstanz die Ausstellung „Das Konstanzer Konzil. Weltereignis des Mittelalters 1414 – 1418“ die ersten Besucher. Das Geschichtsmagazin DAMALS ist mit dem Titelthema des Hefts 2/2014 Kooperationspartner der vom Badischen Landesmuseum ausgerichteten Schau.

Noch nie hatte ein Konzil so lange gedauert, noch nie waren so viele Teilnehmer aus der gesamten christlichen Welt herbeigeströmt. Denn in Konstanz ging es ab 1414 ums Ganze: Mit drei Päpsten an der Spitze, von denen jeder den Anspruch erhob der rechtmäßige Nachfolger auf dem Stuhl Petri zu sein, war die katholische Kirche vom Zerfall bedroht und in ihrer Glaubwürdigkeit schwer erschüttert. Viel hatte man sich für das Konzil vorgenommen: Die Einheit unter einem Papst sollte wiederhergestellt, Fragen des Glaubens definiert und Reformen auf den Weg gebracht werden. Am Ende des Konzils war das oberste Ziel erreicht und die katholische Kirche wieder unter einem Papst geeint. Und ist es bis auf den heutigen Tag geblieben.

Schauplatz des Geschehens, der auch heute noch den Namen „Konzil“ trägt, ist das 1388 errichtete Gebäude am alten Hafen in Konstanz. Es ist das Wahrzeichen der Stadt und gehört zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten der Bodenseeregion. Hier tagte während des Konzils das päpstliche Konklave und beendete mit der Wahl Papst Martins V. – übrigens die einzige Papstwahl, die jemals auf deutschen Boden stattgefunden hat – das kirchliche Schisma.

In diesem geschichtsträchtigen Bauwerk findet die Ausstellung statt. Zugleich ist das Konzilgebäude auch das größte Exponat der Schau. Bereits im Erdgeschoss werden die Besucher in die Welt des Konzils eingestimmt. Die Ausstellung selbst wird in der gewaltigen dreischiffigen Halle im ersten Obergeschoss gezeigt. Für begleitende und museumspädagogische Veranstaltungen steht zudem ein großzügiger Raum im Dachgeschoss zur Verfügung.

Mit hohem Erlebniswert und für jedermann gut verständlich, vermittelt die Schau die faszinierende Welt der Konzilszeit. Sie erzählt vom Tauziehen unter den Mächtigen während der Konzilsjahre und präsentiert den Besuchern Zeugnisse der Wirkungsmacht dieser Gesamtsynode. Das Ausstellungskonzept wurde mit dem innovativen Anspruch erarbeitet, das Thema interdisziplinär und transkulturell zu betrachten. Dabei greift die Präsentation die neuesten Erkenntnisse der Kunst- und Kulturgeschichtsforschung auf. Ein wichtiger Akzent liegt auf dem ökumenischen Ansatz; denn in der Welt des späten Mittelalters herrschte ein reger Austausch zwischen den religiösen Einflusssphären. So reisten z.B. auch aus der griechisch-orthodoxen Kirche Gesandtschaften zum Konzil nach Konstanz.

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Um dieses Geschichtsereignis wieder aufleben zu lassen, stellen Museen aus ganz Europa in großzügiger Weise einzigartige Kunstwerke zur Verfügung. Nahezu 350 Exponate der Konzilszeit werden zu sehen sein. Darunter befinden sich eindrucksvolle Ausstellungsstücke, die das hohe Niveau des Kunstschaffens der Zeit um 1400 vor Augen führen. Viele davon sind erstmals in Deutschland zu sehen. Zu den knapp 100 Leihgebern zählen die Vatikanischen Museen in Rom, der Louvre in Paris, das Historische Museum in Budapest, das Museu Nacional d’Art de Catalunya in Barcelona, das Staatliche Museum in Novgorod und das Deutsche Historische Museum in Berlin.

Die Ausstellungsgestaltung greift die bebilderte Chronik des Konstanzer Zeitzeugen Ulrich Richental als ordnendes und visualisierendes Motiv auf. Lebensgroße Bildmotive aus der Chronik geben das Geschehen in der Zeit von 1414 bis 1418 wieder. Kuratoren und Gestalter haben sich das Ziel gesetzt, die Ereignisse des Konzils einem breiten Publikum – auch ohne umfassende Vorkenntnisse – zu vermitteln: für jedermann anregend und begreiflich. Der dramatische Verlauf der vier Konzilsjahre bestimmt die Dramaturgie des Ausstellungs-Parcours. Sie wird durch Lichtregie, ästhetische Grafik und prägnante Erläuterungstexte atmosphärisch und inhaltlich akzentuiert. Audiovisuelle Medien werden ergänzend eingesetzt.

Zum DAMALS-Heft 2/2014 mit dem Titelthema „Konstanzer Konzil – Ringen um die Einheit der Kirche“ geht es hier: http://www.damals.de/de/16/damals_ausgabe-nr_02-2014.html?issue=189376&cp=1

Quelle: Badisches Landesmuseum Karlsruhe
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