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Archäologie

Ägyptische Tinte mit „trockenem“ Geheimnis

Schrift auf einem Papyrus aus der Tebtunis-Tempel-Bibliothek. (Bild: Papyrus-Carlsberg-Sammlung)

Überraschende Zutat entdeckt: Blei sorgte offenbar schon in einigen altägyptischen Tinten dafür, dass Geschriebenes rasch trocknete, geht aus einer Analyse von fast 2000 Jahre alten Papyrus-Schriften hervor. Bisher nahm man an, dass der entsprechende Einsatz von Bleiverbindungen auf die Malerei des 15. Jahrhunderts zurückgeht, als diese Substanzen zur schnelleren Aushärtung von Ölfarben verwendet wurden.

Tinte hat buchstäblich Geschichte geschrieben: Die frühesten Beispiele der Konservierung menschlicher Gedanken durch Auftragen von Tinte auf flexible Materialien stammen aus dem alten Ägypten. Die Farbflüssigkeiten wurden ab etwa 3200 v. Chr. verwendet, um Papyrus mit Schriftzeichen zu versehen. Diese Praxis prägte dann die gesamte altägyptische Geschichte bis in die Zeit der Römer. Es gab dabei zwei grundlegende Prinzipien des Farbeinsatzes: Schwarze Tinte wurde für das Schreiben der Hauptteile des Textes verwendet, während rote Tinte oft dazu diente, Überschriften, Anweisungen oder Schlüsselwörter hervorzuheben.

Was war da drin?

Es ist bereits grundsätzlich bekannt, dass die meisten Tinten hauptsächlich aus den Substanzen Ruß und Ocker hergestellt wurden, die man mit einem Bindemittel vermischte. Doch die genauen Rezepturen sind in vielen Fällen unklar. Im Rahmen ihrer Studie haben sich die Forscher um Thomas Christiansen von der Universität Kopenhagen mit der Zusammensetzung von roten und schwarzen Tinten beschäftigt, die einst zur Beschriftung von Papyri der sogenannten Tempel-Bibliothek von Tebtunis eingesetzt wurden. Es handelt sich dabei um eine Anlage, die bis ins frühe 3. Jahrhundert n. Chr. genutzt wurde und sich 100 Kilometer südwestlich von Kairo befindet.

In den Ruinen wurden tausende Fragmente von insgesamt 400 bis 500 Manuskripten entdeckt. Heute befinden sich diese Stücke aus der Zeit von 100 bis 200 n. Chr. in der Papyrus-Carlsberg-Sammlung der Universität Kopenhagen. Für die Studie haben die Wissenschaftler die roten und schwarzen Tinten auf zwölf Papyrusfragmenten einem modernen Analyseverfahren unterzogen, das detaillierte Einblicke in die Zusammensetzung der Substanzen ermöglicht.

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Blei beschleunigte den Trocknungsprozess

„Unsere Analysen der Tinten auf den Papyrusfragmenten ergaben bisher unbekannte Bestandteile dieser roten und schwarzen Substanzen, insbesondere von Verbindungen auf Bleibasis“, sagt Christiansen. Co-Autorin Marine Cotte von der The European Synchrotron Radiation Facility in Grenoble führt weiter aus: „Wir haben herausgefunden, dass Blei beiden Tintenmischungen hinzugefügt wurde und zwar nicht als Farbstoff“. Die Forscher kamen zu diesem Schluss, da sie keine Bleiverbindung wie Bleiweiß oder Minium fanden, die bei der Verwendung von Blei als Pigment vorhanden sein müssten. Sie gehen deshalb davon aus, dass dasBlei eine spezielle Funktion erfüllte. Plausibel erscheint dabei, dass es als ein sogenanntes Sikkativ wirkte – eine Substanz, die zu einem schnelleren Aushärten führt.

Denn genau zu diesem Zweck wurde Blei viele Jahrhunderte später genutzt. „In der Ölmalerei der Renaissance bestand eine Herausforderung darin, das Öl in einer angemessenen Zeit zu trocknen“, sagt Cotte. „Die Maler erkannten, dass einige Bleiverbindungen als effiziente Trockner verwendet werden konnten“, erklärt sie. Die Forscher glauben deshalb, dass die Ägypter schon mindestens 1400 Jahre früher entdeckt haben, dass sie durch den Einsatz dieser Substanzen in ihren Tinten sicherstellen konnten, dass ihre Papyri nicht verschmierten.

„Dass das Blei nicht als Pigment, sondern als Trockner zugesetzt wurde, lässt auch den Schluss zu, dass die Tinte eine recht komplexe Rezeptur besaß und nicht von jedermann hergestellt werden konnte“, sagt Christiansen. „Ausgehend von der Menge des Rohmaterials, das für die Versorgung einer Tempel-Bibliothek wie der in Tebtunis benötigt wurde, vermuten wir, dass die Priester sie erworben haben oder ihre Herstellung in spezialisierten Werkstätten stattfand – ähnlich wie dies bei den Farben der Meister der Renaissance der Fall war“, sagt Christiansen abschließend.

Quelle: Universität Kopenhagen, European Synchrotron Radiation Facility, Fachartikel: PNAS, doi: 10.1073/pnas.2004534117

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