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Geschichte|Archäologie

Älteste Prothese der Welt auf dem Prüfstand

Am Fuß einer ägyptischen Mumie entdeckt: die wahrscheinlich älteste Prothese der Welt. (Foto: Matjaz Kacicnik / Universität Basel)

Sie ist die älteste bekannte Prothese der Welt: ein künstlicher Frauenzeh, den Archäologen vor einigen Jahren an der Mumie einer ägyptischen Priestertochter fanden. Jetzt hat ein internationales Forscherteam die fast 3000 Jahre alte Prothese erneut mit modernsten Methoden untersucht. Es zeigte sich: Der künstliche Zeh muss schon zu Lebzeiten von der Frau getragen worden sein und wurde mehrfach neu angepasst.

Eine Mumie mit Kunstzeh

Im Jahr 2000 stießen Archäologen bei Ausgrabungen nahe Luxor in Ägypten auf einen ungewöhnlichen Fund: Eine Frauenmumie, die statt eines ihrer großen Zehen eine Nachbildung aus Holz und Leder trug. Die aus dem Jahr 600 vor Christus stammende Mumie war vermutlich einst die Tochter eines Priesters der 21. Dynastie. Der mit Leinenfäden am Fuß befestigte Zehenersatz war einem echten Zeh detailgetreu nachgebildet und der Zehennagel sogar bemalt.

Unklar war jedoch, ob die Priestertochter diesen Zeh schon zu Lebzeiten trug oder ob dieser Ersatzzeh erst nach ihrem Tode hinzugefügt wurde – um sicherzugehen, dass die Tote unversehrt in Jenseits gelangte. Unter anderem um dies zu klären, haben nun Baseler Archäologen gemeinsam mit weiteren Forschern den künstlichen Zeh erneut untersucht. Mit Hilfe moderner Mikroskopie, Röntgentechnik und Computertomografie analysierten sie die verwendeten Materialien und fahndeten nach Bearbeitungsspuren.

Sehr aufwendig gefertigt

Es zeigte sich: Die Prothese wurde mit großem handwerklichen Geschick angefertigt und für die damalige Zeit sehr weit entwickelt. Denn der Ersatzzeh besitzt ein durch Leder gehaltenes Gelenk, durch das er beim Gehen gebeugt werden konnte. Besonders an der Beweglichkeit des Prothesenaufsatzes und an der robusten Struktur des Gurtbandes kann man das damalige technische Know-how gut erkennen, wie die Forscher berichten.

Das lebensechte Aussehen des Ersatzzehs zeugt davon, dass der Handwerker mit der menschlichen Physiognomie bestens vertraut war. Dass die Prothese derart aufwendig und sorgfältig angefertigt wurde, lasse darauf schließen, dass die Besitzerin Wert auf natürliches Aussehen, Ästhetik und Tragekomfort legte, so die Archäologen. Und dass sie dabei auf hoch qualifizierte Fachkräfte zählen konnte.

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Schon zu Lebzeiten benutzt

Die Analysen machten auch Bearbeitungsspuren sichtbar, die darauf hindeuten, dass der Holzzeh mehrfach überarbeitet wurde. Er wurde wahrscheinlich so lange modifiziert, bis er optimal am Fuß der Priestertochter saß. Der Aufwand und diese maßgeschneiderte Anpassung spricht eher dagegen, dass dieser künstliche Zeh nur für die Mumie der Toten angefertigt wurde. Stattdessen hatte die Frau wahrscheinlich schon zu Lebzeiten ihren Zeh verloren und trug dafür die Prothese.

Diese Ergebnisse passen gut zu einem bereits im Jahr 2011 durchgeführten Experiment. Für dieses hatten Wissenschaftler den altägyptischen Kunstzeh originalgetreu nachgebaut. Zwei Versuchspersonen, die ebenfalls ihren rechten Großzeh verloren hatten, schnallten sich dann diese Prothese an und testeten den Laufkomfort. Das Ergebnis: Die Prothese der ägyptischen Priestertochter trug sich angenehm und erleichterte tatsächlich das Laufen.

Quelle: Universität Basel
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