Präkolumbische Kulturen Ältester Ballspielplatz des Hochlands entdeckt - wissenschaft.de
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Präkolumbische Kulturen

Ältester Ballspielplatz des Hochlands entdeckt

Figur von Ballspielern
Keramikfigur eines Ballspielers, gefunden in Etlatongo. (Bild: Blomster und Salazar Chavez, Science Advances 2020; 6 : eaay6964)

Die rituellen Ballspiele und Ballspielplätze waren in den präkolumbischen Kulturen Mittelamerikas früher verbreitet als lange angenommen, wie nun die Entdeckung eines 3400 Jahre alten Ballspielplatzes in Oaxaca in Mexiko belegt. Dieser Ballspielplatz ist rund 800 Jahre älter als alle bisher aus dem Hochland bekannten und entstand zeitgleich mit dem ältesten Ballspielplatz des Tieflands. Das deutet darauf hin, dass diese Rituale in verschiedenen Regionen Mittelamerikas nahezu gleichzeitig entstanden sind.

„Das Spiel mit dem Kautschukball ist eines der fundamentalen Merkmale des alten Mittelamerika“, erklären Jeffrey Blomster und Victor Salazar Chavez von der George Washington University in Washington DC. Mehr als 2300 präkolumbische Ballspielplätze haben Archäologen inzwischen in Mexiko, Guatemala, Belize, Honduras und El Salvador gefunden – viele von ihnen in Städten der Maya und Azteken. Für diese Völker hatte das Ballspiel vor allem eine rituelle Bedeutung, es galt als Wettkampf zwischen heroischen Sterblichen und den Göttern der Unterwelt, wie das Popol Vuh der Maya berichtet. Auch viele Ballspieler-Figuren und Wandbilder zeugen von der großen Bedeutung dieser Spiele.

Rätsel um den Ursprung der Ballspiele

Doch wann und wo die rituellen Ballspiele der mesoamerikanischen Völker ihren Ursprung hatten, ist bislang weitgehend unklar. Weil jedoch der für diese Spiele verwendete Ball aus dem Kautschuk des vorwiegend im Tiefland vorkommenden Panama-Gummibaums (Castilla elastica) bestand, gingen Archäologen bislang davon aus, dass sich auch das Ballspiel im Tiefland Mittelamerikas entwickelt hat. Hinzu kommt, dass der mit Abstand älteste bisher bekannte Ballspielplatz, Paso de la Amada, um 1650 vor Christus in den Küstenniederungen des südlichen Chiapas in Mexiko entstand.

„Diese Entdeckungen und das Fehlen dokumentierter Ballspielplätze im Hochland bis etwa ein Jahrtausend nach den frühesten Tiefland-Plätzen, schien einen Ursprung dieser Tradition im Tiefland zu stützen“, sagen Blomster und Chavez. Doch Ausgrabungen in Etlatongo im mexikanischen Hochland von Oaxaca widerlegen nun diese Annahme. Dort haben die Forscher die Überreste von zwei aufeinanderfolgend erbauten Ballspielplätzen entdeckt. Datierungen zufolge entstand der ältere der beiden bereits um 1374 vor Christus. „Die Etlatongo-Ballspielplätze sind damit die ältesten aus dem Hochland Mittelamerikas bekannten“, berichten die Wissenschaftler. „Der ältere der beiden ist 800 Jahre älter als die aus dem zentralen Hochland und 1000 Jahre älter als jeder andere Ballspielplatz in Oaxaca.“

Ballspielplätze 2
Struktur der beiden Ballspielplätze von Etlatongo. (Bild: Formative Etlatongo Project)

Klassische Anlage schon vor 3400 Jahren

Trotz ihres hohen Alters folgen beide Ballspielplätze von Etlatongo aber schon einem typischen architektonischen Plan. Der ältere der beiden ist dabei ähnlich aufgebaut wie der etwa gleichalte Platz Paso de la Amada im Tiefland, wie die Archäologen erklären. Er war rund 25 Meter breit und 46 Meter lang. Im Zentrum befand sich eine rechteckige Spielfläche, deren Boden aus geglättetem und wahrscheinlich rot bemaltem Felsuntergrund bestand. Reihen von steinernen Bänken rahmten das Spielfeld an beiden Längsseiten ein, während die beiden Stirnseiten in senkrechten Wänden endeten. Aufgeschüttete Wälle schlossen den gesamten Inneren Bereich ein.

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Nur rund 20 Zentimeter über den obersten Schichten dieses ersten Ballspielplatzes fanden die Archäologen die Überreste eines zweiten Platzes, der direkt über dem ersten und in gleicher Ausrichtung angelegt worden war. „Dieser zweite Platz zeigt substantielle Veränderungen im Layout, dazu gehören die Entfernung der Bänke sowie höhere und dickere seitliche Wälle“, berichten Blomster und Chavez. „Diese Veränderungen könnten auf Abwandlungen des Spiels hindeuten.“ Ihre Schätzungen zufolge wurden beide Ballspielplätze zusammen rund 175 Jahre lang genutzt. Zwischen 1174 und 1102 v. Chr. scheint dann ein einschneidendes Ereignis – möglicherweise ein Brand – der Nutzung der Ballspielplätze ein Ende bereitet zu haben. Davon zeugen Spuren von Feuer auf der Spielfläche und an den Wänden des jüngeren Platzes.

Aus dem Fund der Ballspielplätze von Etlatongo schließen die Forscher, dass die bisherigen Annahme eines Ursprungs dieser rituellen Spiele nur im Tiefland Mittelamerikas nicht stimmen kann. Stattdessen waren auch die Kulturen im Hochland an ihrer Entwicklung beteiligt: „Wir schließen, dass die Hochland-Bewohner der frühen Bildungsära eine wichtige Rolle für den Ursprung des mesomamerikanischen Ballspiels gespielt haben“, konstatieren Blomster und Chavez. „Dieses entwickelte sich dann später zu einer Institution, die das rituelle und politische Leben der folgenden Staaten zwei Jahrtausende lang prägte.“

Quelle: Jeffrey Blomster und Victor Salazar Chavez (George Washington University, Washington, DC.), Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.aay6964

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