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Geschichte|Archäologie

Ältester bekannter Schneeschuh entdeckt

Ein besonderer archäologischer Fund: Der Schneeschuh aus der Zeit vor dem Ötzi wird in Bozen präsentiert. (FOTO: Roman Clara/ www.provinz.bz.it/news)

Vor rund 6000 Jahren bewahrte er seinen Träger vor dem Einsinken im Schnee: Den ältesten bekannten Schneeschuh der Welt haben Archäologen nun in Bozen präsentiert. Der Fund vom Gurgler Eisjoch in Südtirol ist den Datierungen zufolge älter als der berühmte Gletschermann Ötzi. Neben seiner Bedeutung hat der Schneeschuh aus Birkenholz auch eine interessante Fund-Geschichte: Der Entdecker hielt ihn zunächst für wenig bedeutsam und so schlummerte der archäologische Schatz jahrelang als Erinnerungsstück in seinem Büro.

Bereits im Sommer 2003 hatte der Kartograph Simone Bartolini den Schneeschuh entdeckt, als er auf 3134 Meter Meereshöhe am Gurgler Eisjoch GPS-Untersuchungen durchführte. Er erkannte zwar offenbar gleich, worum es sich bei dem Fund handelte – von seinem Alter ahnte er allerdings nichts: „Ich dachte, es ist ein etwa 100 Jahre alter Schneeschuh eines Bauern, der bei einem Viehtrieb verloren wurde und habe das Gerät als Erinnerung in meinem Büro aufbewahrt“, berichtet Bartolini. Dass sein Fund weit älter sein könnte, wurde ihm erst Jahre später bei einem Gespräch mit der Direktorin des Südtiroler Archäologiemuseum Angelika Fleckinger bewusst. So übergab er den Schneeschuh schließlich an das Landesamt für Bodendenkmäler.

Dort nahmen ihn die Archäologen genau unter die Lupe und kamen zu den spektakulären Ergebnissen: Zwei unabhängige Radiokarbondatierungen ergaben, dass der Schneeschuh aus der späten Jungsteinzeit stammt, und zwar aus der Zeit zwischen 3800 und 3700 v. Chr. Der Fund ist damit sogar älter als Ötzi, der um 3200 v. Chr. am Tisenjoch ums Leben gekommen war. Gemacht ist der nun älteste bisher bekannte Schneeschuh der Welt aus Birkenholz-Material, berichten die Archäologen: Bei der Herstellung wurde ein etwa 1,5 Meter langer Ast zu einem ovalen Rahmen mit einem Durchmesser von 32 Zentimetern gebogen. Das Innere überspannen mehrere Verstrebungen. Der Zweck ist auch bei den heutigen Schneeschuhen noch immer der gleiche: Sie verteilen das Gewicht einer Person auf eine größere Fläche, so dass die Füße weniger im Schnee einsinken.

Auch damals wollte man nicht im Schnee versinken

„Mit dem Schneeschuh haben wir einen Beleg, dass sich Menschen bereits in der Jungsteinzeit im Bereich des Alpenhauptkammes aufhielten und sich den Bedingungen entsprechend ausstatteten“, erklärt Catrin Marzoli vom Landesamt für Bodendenkmäler. Ihr zufolge haben sogar manche Menschen in der Region bis vor wenigen Jahrzehnten noch nahezu identisch gemachte Schneeschuhe getragen, wie der rund 6000 Jahre alte Fund vom Gurgler Eisjoch.

Wer der Träger war und warum er sich hier aufhielt, bleibt indes unklar. Wie auch im Fall Ötzi gibt es dazu nur Hypothesen. Menschen im Hochgebirge könnten auf der Jagd gewesen sein oder Vieh gehütet haben. Möglicherweise haben sie aber auch Kultstätten besucht, schlicht Reisen unternommen oder waren auf der Flucht vor Feinden. Das Thema wird nun weiter erforscht und der Schneeschuh soll im Archäologiemuseum in Bozen ausgestellt werden, kündigt Marzoli an.

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Die Archäologen betonen im Zusammenhang mit der Geschichte des Schneeschuhs auch erneut, wie wichtig es ist, dass Funde den zuständigen Behörden gemeldet werden. Möglicherweise werden archäologische Entdeckungen im Alpenraum auch immer häufiger: Der Rückzug von Gletschern und Schneefeldern im Rahmen des Klimawandels könnte Spuren der Geschichte nun zunehmend freilegen.

Quelle: Autonome Provinz Bozen – Südtirol
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